Neues Müllauto in Rödermark

Schlauer und sauberer grüner Riese

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Lazarus Cimionidis (links) und Kai Bockhard sind die beiden Fahrer, die vollen Mülltonnen an den Kragen gehen - der eine unter anderem in Waldacker, der andere weitgehend in Ober-Roden. Im Betriebshof erläuterten sie die Arbeitsweise ihrer grünen Riesen.

Rödermark - Mit 320 PS und fast elf Metern Länge rollen die Müllfahrzeuge selbst durch engste Gassen: Das Entsorgungsunternehmen Knettenbrech & Gurdulic stellte seine Technik vor.

2 150 Tonen Abfall stecken die Rödermärker jedes Jahr in ihre Tonnen. Im Wechsel werden Rest- und Biomüll abgefahren. Diese Aufgabe übernimmt seit einigen Jahren die Firma Knettenbrech & Gurdulic, die den Bürgern moderne Entsorgungstechnik präsentierte.

In Ober-Roden rangiert Kai Bockhard einen 320 PS starken und fast elf Meter langen Laster durch die engsten Winkel; in Waldacker tut das Lazarus Cimionidis. Beladen wiegen die Fahrzeuge etwa 26 Tonnen; im Schnitt ein- bis zweimal pro Tag müssen sie geleert werden – das meiste davon geht in die Müllverbrennung Offenbach, ein Teil nach Frankfurt.

Die Männer sind im Schnitt täglich von 6 bis 15 Uhr unterwegs – je nach Wetter haben sie auch mal früher oder später Feierabend. Den kriegen die Bürger kaum mit, wohl aber die frühmorgendlichen Leerungen, wenn wie in der Hauptstraße in Waldacker an jedem Dienstag meist kurz nach sechs Uhr ein bekanntes Motorgeräusch mit hörbarem Klappern die Leute fast aus dem Bett wirft. Das passiert vor allem im Winter bei Frost oder wenn die Tonnenbesitzer es wieder mal mit Kraft probiert haben, ihre Reste noch in der übervollen Tonne unterzubringen. Über diesen Wecker sollten die Bürger allerdings glücklich sein, sagt er ihnen doch, dass ihr Abfall wieder mal pünktlich und ohne Probleme entsorgt wurde.

Probleme gibt’s höchstens mal, wenn die Abfallgebühren bei der Stadt nicht bezahlt wurden: Das meldet der Chip am Tonnenrand sofort, und diese Tonne wird gar nicht erst bis zur Leerungsöffnung hochgefahren. „Seit 2009 haben wir das Chip-System, das genau die rechtmäßigen Nutzer erkennt und die Leerungen zählt“, erläutert Kai Bockhard am Display des Fahrzeugs, während er die Leerung vor den Zuschauern ablaufen lässt.

Bilder: Elektro-Müllwagen schont Umwelt und Ohren

Beide Fahrer sind geduldige Menschen, die mit ihren zwei Helfern hinten am riesigen Wagen nichts aus der Ruhe bringt – außer Falschparker etwa im engen Altort wie der Dockendorffstraße oder der Glockengasse in Ober-Roden. „Wenn"s nicht geht, weil"s zu eng ist, dann müssen wir warten. Und notfalls das Ordnungsamt informieren“, schildern sie ihren Ärger. Bockhard und Cimionidis sind im wahrsten Wortsinne erfahren, sie schaffen auch Stellen, die ein Außenstehender nie für möglich hielte. Und ihr Arbeitsgerät ist so sauber wie nur möglich: „Unsere Fahrzeuge sind inzwischen zu 90 Prozent auf E6-Norm umgestellt; wir geben weniger Abgase ab als ein dicker Diesel-SUV“, bescheinigt Disponent Enrico Schließmann.

Wer sich für eine Ausbildung im Bereich Entsorgung und Recycling interessierte, der konnte sich bei ihm Informationen holen. Den Müllmann als solchen gibts nicht mehr; er ist inzwischen Müllwerker oder Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Die wirklich oft nicht zu beneidenden Männer am hinteren Ende des Wagens sind meist Seiteneinsteiger, die keine besondere Ausbildung absolviert haben. Der Müllwerker allerdings ist in der Entsorgungswirtschaft als Fachkraft seit 2002 in Deutschland ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf und hat mit dem Müllsammeln praktisch nichts mehr zu tun. Doch dankbar muss man jenen Menschen sein, die in Rödermark wöchentlich im Wechsel schwarze und braune Tonnen leeren und unseren Dreck beseitigen. Dankbarkeit in Gestalt der immer noch ganz beliebten Bierflaschen neben der Tonne ist allerdings eher unangebracht: „Wir dürfen ja während der Dienstzeit absolut keine Alkohol trinken“, erläutert Fahrer Kai Bockhard. „An sehr heißen Tagen allerdings freuen wir uns schon mal über ein Wasser oder Ähnliches.“ (chz)

Quelle: op-online.de

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