Nicht nur Harmonie bei Parteitag

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Stefan Junge wurde am Samstag als Bürgermeisterkandidat der SPD nominiert.

Ober-Roden ‐ 25 mal Ja, einmal Nein: Das Ergebnis, mit dem die Rödermärker SPD ihren Vorsitzenden Stefan Junge zum Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2011 machte, hat niemanden überrascht. Von Michael Löw

Die Genossen sind sich einig, dass der 51-Jährige der richtige Herausforderer für Amtsinhaber Roland Kern (AL) und seine Mitbewerber Norbert Rink (CDU) und Hans Gensert (FDP) ist. Kontrovers diskutiert wurde beim Nominierungs-Parteitag dagegen der Kurs der Partei bis zur Kommunal- und Bürgermeisterwahl im nächsten Frühjahr. Die Entscheidung zur Kooperation mit der CDU stieß auf teils heftige Kritik. Fraktions-Chef Armin Lauer, der die Zusammenarbeit eingefädelt hatte, verband am Ende gar seine politische Zukunft damit: „Geht das Projekt schief, übernehme ich die Verantwortung dafür“, betonte er gleich zweimal an diesem Samstagnachmittag im Bücherturm.

Lauer hatte zuvor ausführlich für die Kooperation geworben, die die SPD zurück an die Hebel der Macht bringen soll, und versichert, dass die Strippen dazu „nicht in irgendwelchen Hinterzimmern gezogen wurden“. Partei- und Fraktionsspitze hätten sich vielmehr demokratisch für Schwarz-Rot entschieden.

„Kooperation ist eine Enttäuschung“

Nach dem Bruch der CDU/FDP-Koalition brauche Rödermark eine verlässliche Mehrheit, und zu der sei die SPD mit der CDU bereit, sagte Lauer und wies die „verbalen Entgleisungen“ von AL und FDP gegen das neue Bündnis zurück. Die Kooperation rechne sich für die SPD, denn sie erhält einen Sitz im Magistrat und den Vorsitz des Bauausschusses.

Die Kooperation sei eine Enttäuschung, weil es zwischen beiden Parteien nur wenig Gemeinsamkeiten gebe, kritisierte hingegen Marianne Gräser. Sie glaubt nicht, dass sich die SPD so profilieren kann, um bis zur Kommunalwahl drei oder vier Prozent zuzulegen. Lothar Rickert - Ex-Stadtverordneter wie Marianne Gräser - hat den Eindruck, „dass sich die SPD hat mit zwei Posten einfangen lassen.“ Im Gegenzug habe sie unmittelbar nach der Kooperationsvereinbarung der Verlängerung des Vertrags mit Norbert Rink als Vorsitzendem des IC Rödermark zugestimmt.

Diesen Zusammenhang wies Lauer energisch zurück, Details könne und wolle er aber nicht nennen: Seine Mitgliedschaft im IC-Aufsichtsrat verbiete dies. Er werde sich im Gegensatz zu anderen Aufsichtsratsmitgliedern an die Verschwiegenheitspflicht dieses Gremiums halten.

Parteivize Reinhold Rüger lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf das Hauptthema des Parteitags und begründete, warum sich die Findungskommission für Stefan Junge entschieden hat: Obwohl er erst seit fünf Jahren Parteimitglied ist, sei er „sozialdemokratisch bis in die Wolle gefärbt“ und stehe für eine Politik, der Pragmatismus wichtiger ist als die Diskussion von Grundsatzfragen. Die fürs Bürgermeisteramt nötige Führungsqualität habe Junge nach dem Kommunalwahldesaster 2006 - da fuhr die SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein und verbaselte den ihr eigentlich zustehenden Sitz im Magistrat - bewiesen, indem er die Partei wieder in ruhiges Fahrwasser lenkte. Dass Stefan Junge in den Augen vieler Rödermärker nur Außenseiterchancen hat, muss den Genossen Ansporn für einen umso engagierteren Wahlkampf sein, forderte Rüger.

Quelle: op-online.de

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