Nicht mal Platz für alteingesessene Unternehmen

Rödermark: Gewerbegrundstücke sind Mangelware

Industrie-Brachen wie das Perlite-Werk in Urberach gibt's einige. Aber sie sind alle in Privatbesitz und können nicht auf die Schnelle wiederbelebt werden, wie es sich die Stadt erhofft. Eigene Gewerbeflächen hat sie schon lange nicht mehr.
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Rödermark: Industrie-Brachen wie das Perlite-Werk in Urberach gibt es einige. Aber sie sind alle in Privatbesitz und können nicht auf die Schnelle wiederbelebt werden, wie es sich die Stadt erhofft. Eigene Gewerbeflächen hat sie schon lange nicht mehr.

Die FDP wirft dem schwarz-grünen Magistrat in Rödermark wieder einmal vor, die Entwicklung von Gewerbegebieten zu bremsen und damit sogar die Expansionspläne etablierter Rödermärker Firmen zu gefährden. „Zeugin der Anklage“ ist ausgerechnet die Flächenbilanz der städtischen Wirtschaftsförderung.

Rödermark – 40 Firmen allein aus Rödermark fragten in den vergangenen drei Jahren bei der Wirtschaftsförderung nach Grundstücken. Ganze drei dieser Wünsche konnte sie erfüllen. Zwischen 15 und 19 Hektar hätte die Stadt an das lokale Gewerbe verkaufen oder vermitteln können, doch nur einen Bruchteil davon waren"s am Ende.

Geradezu genüsslich haut die FDP diese Zahlen dem Magistrat um die Ohren. Denn sie stammen weder vom Unternehmerforum noch vom Gewerbeverein, sondern kommen aus dem eigenen Haus, der kommunalen Wirtschaftsförderung. „Rödermark hat nicht einmal ansatzweise genügend Flächen für den Bedarf der heimischen Firmen, geschweige denn irgendwelche Reserven für Unternehmen, die sich neu in Rödermark niederlassen möchten“, kritisiert der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger. „Erschreckend“ sei, dass nicht einmal die sich zur Zeit in Entwicklung befindlichen Gewerbegebiete an der Kapellenstraße (rund sechs Hektar) und am Hainchesbuckel (vier bis sechs Hektar) ansatzweise für heimische Interessenten ausreichen.

Etablierte Firmen müssen deshalb Standorte außerhalb von Rödermark suchen. FDP-Stadtrat Hans Gensert befürchtet Schlimmes: „Meist sind es die erfolgreichsten Firmen, die expandieren wollen und zum Teil müssen, um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu bleiben. Um unsere sozialen Aufgaben als Stadt zu erfüllen, sind wir auf stabile und steigende Einnahmen aus der Gewerbesteuer angewiesen. Diese wird aber sinken, wenn die erfolgreichsten Firmen aus Platzmangel abwandern müssen.“

Fallen in Rödermark Jobs weg, ist das laut Gensert auch „ein Rückschlag für den Klimaschutz“, weil die Wege zur Arbeit länger werden.

„Die schwarz-grüne Koalition hat uns schnurstracks in die Sackgasse geführt“, reitet Parteivorsitzender Sebastian Donners die bekannte Attacke. Jedes neue Gewerbegebiet würde von der AL mit einem „Ja, aber…“. scheinbar begrüßt. Und dann doch verhindert. „Leider hat sich die CDU letztendlich immer der Meinung ihres Koalitionspartners angeschlossen“, bedauert Donners. Kurz vor der Kommunalwahl hatte die CDU mit der Opposition Gewerbe- und Wohngebiete beschlossen. Doch nach ein wenig Theaterdonner entschied sie sich wieder für den alten Koalitionspartner.

„Es ist wohl ein einmaliger Vorgang, wenn die eigene Verwaltung in Form der engagierten Wirtschaftsförderung die Politik mit so klaren Worten auffordert, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, um Rödermärker Unternehmen über die in Entwicklung befindlichen Gewerbeareale hinaus Flächen anbieten zu können“, hat Kruger die „Zeugin der Anklage“ gefunden.

Wenn Firmen abwandern, muss Rödermark nach Ansicht der FDP zur Finanzierung seiner Aufgaben weiter an der Steuerschraube drehen oder Leistungen schmerzlich kürzen. Die Liberalen fordern Bürgermeister Jörg Rotter und „die sich bildende grün-schwarze Koalition“ zum sofortigen Handeln auf: Sie dürften keine Entscheidungen mehr treffen, die die Entwicklung an der Kapellenstraße und am Hainchesbuckel verzögern. Und es müssten dringend Diskussionen angestoßen werden, an welchen Stellen im Stadtgebiet zusätzliche Flächen für eine wettbewerbs- und zukunftsfähige Firmenentwicklung ausgewiesen werden können. (Michael Löw)

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