„Normalos“ an den Rand gedrängt

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Damit kleine und große Besucher im Badehaus mehr Platz haben, will die Stadt die Wasserzeiten der Vereine reduzieren

Urberach (lö) - Leistungsschwimmer aus Vereinen, die auf abgesperrten Bahnen trainieren, drängen die übrigen Gäste des Badehauses an den Rand. Das hat die Besucherzahlen um 19 Prozent nach unten gedrückt; jetzt will die Stadt gegensteuern und die Wasserzeiten für die Sportler reduzieren.

Bei der Eröffnung des Badehauses waren pro Woche 76 Bahnstunden für Schwimmsportler reserviert, erläuterte gestern der Erste Stadtrat Alexander Sturm. Inzwischen seien wöchentlich 95 Stunden eine oder mehrere Bahnen blockiert. Was die „Normalos“ unter den Badegästen besonders nervt: Fürs ungestörte Training eines Wettkampfschwimmers wird eine ganze Bahn gesperrt.

Das schlug sich in den Besucherzahlen nieder. Die sanken von 102 800 im Jahr 2007 auf 83 500 im vorigen Jahr. Gleichzeitig stieg der Zahl der Schul- und Vereinsschwimmer von knapp 30.000 auf 36 .600.

Sturm will am Angebot für die Schulen nicht rütteln, aber die Vereinsstunden auf 80 zurückschrauben, also ungefähr auf das Niveau von 2006. Bis Ende Juli sollen die Vorstände der SSG Rödermark, des MTV Urberach, der DLRG und des Vereins für Fitness und Schwimmsport überlegen, welche Zeiten wegfallen können.

„Wir müssen unsere ureigenen Besucher wieder zufrieden stellen“, sagte Sturm und versprach: Ab Spätsommer gibt es jede Woche zwei Tage Badevergnügen ohne Vereine.

Jetzt wird gespart

Mehr Qualität, ohne das Defizit von 1,075 Millionen Euro weiter in die Höhe zu treiben - das ist auch die Vorgabe an die neuen Badehausleiter Markus Reents und Danny Weidemann. Dazu sollen sie auch die Personalkosten senken. Die liegen, so Sturm, aufgrund langer Öffnungszeiten über dem Durchschnittswert ähnlicher Bäder. Gespart wird aber nicht zu Lasten der Stammbelegschaft. Reents und Weidemann sollen die Dienstpläne optimieren, damit weniger Überstunden anfallen, und Urlaub oder Krankheit mit eigenen Leuten überbrücken. Bisher füllten Honorarkräfte diese Lücken. Auch kürzere Öffnungszeiten sind eine Option.

Ein ordentliches Stück Geld spart die Stadt durch das neue Führungsduo, das zum 1. Juli den bisherigen Leiter Walter Convents ersetzte. Reents und Weidemann übernehmen die Leitungsaufgaben parallel zu ihrer Tätigkeit als Schwimmmeister. Mit der internen Lösung gibt die Stadt aber auch zu, dass ein teures Konzept gescheitert ist: Drei auswärtige (Marketing-)Strategen haben es nicht geschafft, das Badehaus für auswärtige Gäste attraktiv zu machen.

Quelle: op-online.de

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