Notfall im Blick

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Interessiert folgten die Ober-Röder Brandschützer den Weg durch die heiligen Hallen des Rödermärker Badehauses: vorbei an Chlorgaslagerung und Chlorgaswarngerät, an Steuerungs- und Filteranlage bis zu guter Letzt zum palmölbetriebenen Blockheizkraftwerk.

Urberach ‐ Wenn die Feuerwehr zum Löschen ans Badehaus fährt, klingt das angesichts mehrerer hunderttausend Liter Wasser in den Becken komisch. Würde sie dort jedoch zu einem Gasalarm gerufen, ist allerhöchste Eile angesagt. Von Christine Ziesecke

Um im Ernstfall den richtigen Handgriff an der richtigen Stelle zu tun, besichtigten der stellvertretende Stadtbrandinspektor Peter Gotta, drei Feuerwehrfrauen und rund 40 Mann das Badehaus. Claudius Lamprecht führte die Ober-Röder Brandschützer ins Allerheiligste der technischen Anlage und zur Blockheizkraftanlage. Der Start im Chlorgasraum und bei der Chemikalienlagerung - „Da, wo es am brenzligsten wird“ - war optisch unspektakulär. Dort lagern zwei große Flaschen Chlorgas mit einem Druck von acht bar. Doch im Ernstfall würde es hier rundgehen. Der Schwimmmeister, der normalerweise als Erster einen Chlorgasausbruch merkt, wird mit einer Schutzmaske die Tür öffnen, zuvor jedoch von außen die Sprinkleranlage auslösen. Die drückt das ausgeströmte Gas im Raum nach unten, sodass die Helfer zumindest in einem kurzen Eingriff die Flaschen zudrehen und schnell den Raum wieder verlassen können. Erst dann könnte die Feuerwehr mit Schutzausrüstung am Unglücksort sein.

„Ohne Chlorgas schnell braune Brühe“

Damit dieses Szenario nicht zum Ernstfall wird, sorgt ein Chlorgaswarngerät, das bei einer zu hohen Konzentration mit Geheule und Lichtsignalen reagiert. Zwei Chlorgasflaschen sind regelmäßig in Betrieb. Sie reichen rund sechs Wochen, zwei volle Flaschen stehen daneben - mehr darf nicht gelagert werden.

Ohne das Chlorgas wäre das Becken in drei bis vier Tagen eine braune Brühe“, erläuterte Lamprecht die Notwendigkeit dieser gefährlichen Chemikalie. Chlor reagiert mit Wasser, die Schmutzpartikel ballen sich zusammen und können durch die Filteranlage abgesaugt werden. Interessant war für die Feuerwehrleute auch die Chlor-Steuerungsanlage, die alle drei Becken unterschiedlich aussteuert: 850 000 Liter Wasser im Schwimmerbecken und entsprechend weniger in den anderen beiden Becken; die durchschnittliche Chlorung beträgt 0,6 Milligramm pro Liter.

Die Filteranlage ist ebenfalls Hightech pur, wie das Regelgerät fürs Nichtschwimmerbecken bewies. Drei Elektroden zeigen an, wie schnell die Keimtötung im Becken vorangeht, durch die Chlorelektrode läuft ständig das Wasser zur Prüfung durch (aktueller Stand waren 0,57 Milligramm pro Liter), und auch der ph-Wert wird laufend gemessen und ist derzeit im Optimum mit einem Wert zwischen 6,9 und 7,2. Ist das Badehaus besonders gut besucht, fährt die Anlage automatisch hoch und gibt mehr Chlor zu.

Wärme mit Palmöl in Lebensmittelqualität

Nach Heizraum, Frischwasserbehälter, Ausgleichstanks, Warmwasserbereitung und Heizungsraum erläuterte Rolf Neumann den Feuerwehrleuten das Blockheizkraftwerk, das mit Palmöl in Lebensmittelqualität Wärme erzeugt. Die wird ins Hallenbad eingespeist, Überschüsse fließen ohne Umwege direkt ins öffentliche Netz. Dazu dient auch der große Tank im Freien. Darin lagern 35 000 Liter Öl, die alle dreieinhalb Wochen von einem Tanklaster angeliefert werden und die rund um die Uhr bei 50 Grad Temperatur gehalten werden müssen, damit das Öl ins Heizkraftwerk fließen kann, wo es auf 98 Grad erhitzt wird.

Quelle: op-online.de

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