Hautcreme aus eigener Herstellung

Tag der Naturwissenschaften an der Nell-Breuning-Schule bringt viele Erkenntnisse

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Wie ging das nun wieder? Die klassische Problemstellung, eine Pyramide verschieden großer Ringe an einer anderen Stelle ebenso wieder aufzubauen und dabei aber immer nur kleinere Scheiben auf größere zu legen, ist heute ebenso aktuell wie vor Hunderten von Jahren.

Zum vierten Mal bekamen die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs der Oswald von Nell-Breuning-Schule (NBS) am Tag der Naturwissenschaften („NaWi-Tag“) einen Einblick in das, was sie in der Oberstufe erwartet.

Ober-Roden – Methodik und Didaktik des Oberstufenlernens wurden ihnen dabei nahe gebracht, wie auch die Naturwissenschaften mit lebendigen Experimenten und Projekten.

„Zur besonderen Veranschaulichung haben wir schon zum zweiten Mal als externen Partner die Sciencebirds dabei, ein junges Team, das Wissenschaft einfach perfekt kommuniziert. Was sie vereint, ist die Tatsache, dass sie alle selbst Wissenschaftler sind und Spaß daran haben, sie anderen nahe zu bringen“, freut sich Tanja Bergling, Projektleiterin und MINT-Koordinatorin an der NBS. Stolz ist sie darauf, nach einem Jahr Vorarbeit die Sciencebirds unter der Leitung von Dr. Sascha Vogel da zu haben und auch diesmal wieder von der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft DNG dabei bezuschusst zu werden. „Das ist ganz unüblich. Normalerweise bekommt jede Schule nur einmal finanzielle Unterstützung.“

Als „extrem wertschätzend“ betrachtet Tanja Bergling auch die Bereitschaft der NBS, elf Kollegen aus dem Bereich der Naturwissenschaften für das spezielle Projekt freizustellen. „Das ist sehr entgegenkommend.“

Handcreme hausgemacht: auch das gab es beim NaWi-Tag.

So erwartete die Jugendlichen ein spannender Tag – alle Elftklässler ganz bewusst ohne Vorauswahl, denn sie alle haben vor dem 12. Jahrgang die Wahl der Grund- und Leistungskurse vor sich und sollen vielleicht doch an dem oft negativ belasteten naturwissenschaftlichen Fächern Gefallen finden: „Schaut her – wäre das nicht vielleicht doch etwas für euch?“

In Gruppen durchliefen sie die verschiedenen Angebote. Dazu gehörte etwa ein Grundlageneinstieg in Naturwissenschaft und Naturphilosophie bei Dr. Dietmar Herdt. Anhand paralleler Entwicklungen in der Forschung führte er – gewohnt eloquent – drastisch vor Augen: „Der Newton war klasse, aber ein menschlicher Drecksack. Und der deutsche Leibnitz war sein Opfer, der an gebrochenem Herzen starb!“

Nicht fehlen durften natürlich Einblicke in die Biologie. Bei Manuela Penning konnte jeder Schüler aus seiner Mundhöhle seine eigene DNA extrahieren. Oder Chemie: Hier wurden unter sachkundiger Anleitung von Dr. Anna Neumaier und Jürgen Hillo Hautcremes gerührt und schließlich getestet.

Strömungs- und Schwingungslehre stand hingegen bei Tanja Bergling auf dem Programm, die mittels Oszillografen die Schwingungen von Flötentönen auf einem Bildschirm sichtbar machte oder auch die Ausrichtung von Sandkörnern, sobald ihnen berührungsfrei ein Tonträger untergelegt wird.

Der eigentliche Hingucker aber war der Nell-Breuning-Saal, in dem die Mitglieder von Sciencebirds ihre großen Koffer mit extrem beeindruckenden Objekten ausgepackt hatten. Die auf Magnetismus basierende Supraleiterbahn etwa, die ein auf minus 200 Grad abgekühltes Ei oder Mini-UFO zum Schweben über oder unter dieser Bahn bringt. Oder die Kugelbahn, die durch Veränderung der Neigungen und letztlich durch ein Umpolen an einzelnen Streckenabschnitten zu zeitlichen Rekorden animiert und auch den NBS-Lehrern beim Testen großen Spaß bescherte.

Ein Streuversuch zeigte, wie man nur allein an der Ablenkung mehrerer Kugeln beim Aufprall auf ein (verdecktes) Hindernis auf die Form dieses Hindernisses schließen kann. Und natürlich versetzten auch die Magdeburger Halbkugeln, deren eingeschlossenes Vakuum schon im 17. Jahrhundert 16 Pferde beim Auseinanderziehen an ihre Grenzen kommen ließ, heute noch ins Staunen. Das neueste Gegenstück dazu: eine zehnfache Verkleinerung des CERN-Teilchenbeschleunigers in Darmstadt. Dagegen wirkt der gute alte Aufbau, bei dem verschieden große Holzscheiben unter bestimmten Bedingungen (stets nur klein auf groß!) versetzt werden müssen, geradezu altertümlich – und ist doch eine Grundvoraussetzung, die auch in hundert Jahren noch Schüler zum kurzzeitigen Verzweifeln bringen wird.

„Wir sind beim Hessentag und gelegentlich auch an Schulen, doch das hängt auch immer von unseren Zuschüssen ab“, erklärte Dr. Sascha Vogel, dessen „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ vor allem über die Studienplatz-Initiative „Hessen schafft Wissen“ ermöglicht wird. Tanja Bergling, Projektleiterin des NaWi-Tages an der NBS, freut sich über so viel Praxisnähe an ihrer Schule: „Wir können dadurch unseren Schülern an einem Tag hier vor Ort konzentriert das anbieten, wozu wir sonst drei Tage an verschiedenen Unis benötigten.“ (chz)

Infos im Internet unter sciencebirds.de

Quelle: op-online.de

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