Gefährliche Begegnung der „Waldkobolde“

Hund hetzt Wildsau auf Kinder

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Glimpflich ging die Begegnung mit einem Wildschwein für eine Kindergruppe in Ober-Roden aus.

Ober-Roden - Ein freilaufender Hund hat ein Wildschwein und ein Reh in Richtung einer Kindergruppe gehetzt. Die gefährliche Begegnung ging glimpflich aus, hat aber die Diskussion um Hundebesitzer ohne Verantwortungsgefühl befeuert. Von Michael Löw

Eine dramatische Situation haben 18 Kinder und Erzieher der „Waldkobolde“ erlebt: Als sie im Wald Richtung Eppertshausen unterwegs waren, rannten ihnen ein Reh und ein Wildschwein entgegen, die von einem großen Hund gehetzt wurden. Gerade mal 30 Meter von der Gruppe entfernt drehten alle drei Tiere ab. Der Hundebesitzer war weit und breit nicht zu sehen. Kleine und große „Waldkobolde“ waren so geschockt, dass sie sich weder Rasse noch Farbe gemerkt haben. Allerdings gibt es zumindest eine vage Beschreibung des Halters, denn der Hund wird immer wieder im Breidert ausgeführt.

Die gefährliche Begegnung ist kein Einzelfall. Wenige Tage zuvor war ebenfalls im Breidert ein aufgescheuchtes Wildschwein in Panik über einen Gartenzaun gesprungen und hatte erhebliche Schäden angerichtet. Auch hier keine Spur vom Hundebesitzer. Das Ordnungsamt verzeichnet eine zunehmende Zahl von Fällen, bei denen freilaufende Hunde Wild aufstöbern und durch den Wald, in Gärten oder auf Straßen jagen. Erster Stadtrat Jörg Rotter setzt auf die Einsicht zumindest der geschätzt 80 bis 90 Prozent vernünftigen Hundehalter und appelliert: „Führen Sie ihren Hund so, dass von ihm keine Gefahr ausgeht! Nehmen Sie Rücksicht auf Erholungssuchende und die Tierwelt!“

In Rödermark besteht außerhalb der Brut- und Setzzeit keine generelle Leinenpflicht. Spaziergänge in Begleitung eines auf dem Feld- und Waldweg frei laufenden Hundes sind gestattet, solange der unter Kontrolle und im Einflussbereich seines Herrchens oder Frauchens bleibt. Ist das nicht der Fall, dann handelt der Hundehalter ordnungswidrig, was mit einer Geldbuße von bis zu 5 000 Euro geahndet werden kann.

Die - wenn überhaupt - verhängten Bußgelder betragen aber nur einen Bruchteil dieser Summe. Viel schwerer wiegt eine andere Strafe. Das Ordnungsamt stuft Hunde, die Wild hetzen oder reißen, als gefährlich ein. Dann müssen die Tiere zum teuren Wesenstest, und die Besitzer bekommen einen neuen Steuerbescheid: Statt 120 Euro pro Jahr müssen sie 900 Euro Kampfhundesteuer zahlen. „Das schmerzt“, sagt Günther Braun, der im Ordnungsamt für alle Fragen rund um den Hund zuständig ist.

Diese Wildtiere stören in Hessens Städten: Bilder

Die Ober-Röder Jagdpächter Adam Winter und Michael Bittner müssen immer wieder Wildtiere - fast nur Rehe -, die von Hunden gehetzt und verletzt wurden, „abfangen“. So heißt der Gnadenschuss in der Jägersprache. Während Rehe nur Opfer sind, werden Wildschweine schnell zur Gefahr für Hund und Halter, mahnen Winter und Bittner. Die seit Jahren anhaltende „Sauenschwemme“ im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet verschärft die Situation.

Die Borstenviecher verstecken sich tagsüber meist im Brombeergestrüpp - nicht weit vom Weg entfernt. Dort werden sie schnell von Hunden aufgescheucht. „Wenn ein Wildschwein böse wird, hat der Hund keine Chance“, warnt Bittner und beschreibt die gefährlichsten Waffen der Schweine eindringlich: Sie schaffen eine Spitzengeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern, besitzen messerscharfe Hauer, die sich ständig nachschleifen, und haben viel, viel Kraft im Nacken. Bittner hat in Thüringen beobachtet, wie ein Keiler mühelos einen 30 Zentimeter tief gefrorenen Boden knackte, um an einen Mauskolben zu gelangen.

Quelle: op-online.de

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