Suche nach dem neuen Menschen in Rödermark

Nell-Breuning-Symposium beschäftigt sich mit brisantem Themenfeld

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Leistungsoptimierung in der Sportmedizin war das Thema von Prof. Dr. Dr. Stefan-Martin Brand.

Zwei Tage anspruchsvoller Vorträge rund um den „neuen Menschen“, um Biotechnologie, künstliche Intelligenz und die Frage nach einem guten Leben – das wird in Rödermark nicht so oft kostenlos und mitten im Ortskern geboten. 

Ober-Roden – Alle zwei bis drei Jahre lädt die Nell-Breuning-Schule (NBS) gemeinsam mit der Stadt und der Sparkasse Dieburg zu einem Symposium ein, zu dem namhafte Wissenschaftler aus ganz Deutschland anreisen. Zwar wissen sie zunächst nicht, wo Rödermark liegt, doch sie sind meist sehr angetan von der hohen Resonanz unter der Bevölkerung.

Die Oberstufenschüler der NBS sind zwar stets zumindest für einen Teil der Veranstaltung „zwangsverpflichtet“, doch bei diesen brisanten Themen kommen sie auch freiwillig. So waren im Schnitt stets etwa 200 Zuhörer in der Halle – überwiegend Erwachsene. Nach den Vorträgen hatten sie Gelegenheit, Fragen zu stellen oder eigene Meinungen zu vertreten.

Tritt die Menschheit in eine Stufe ein, in der Biologie und Technik verknüpft sein werden? Prof. Dr. Philipp Wolf von der NBS, stets auf der Suche nach interessanten Referenten, hatte auch in diesem Jahr die Verbindungen hergestellt und führte in das Thema ein, ehe die acht Referenten ihre Szenarien entwickelten – allesamt Männer, denn Frauen sind in diesem Bereich wohl noch weitgehend unterrepräsentiert.

Mit Prof. Dr. Dr. Benedikt Göcke kam als Erster der Religionsphilosoph und Wissenschaftstheoretiker zu Wort, der seine Theorien zu „Transhumanismus und der Glaube an Gott“ vertrat: „Wenn der Mensch seine Verkörperung verändert, greift er in das Schöpfungsgeschehen ein. Das aber darf nur Gott.“

Vor gut besetzten Reihen sprachen die acht hochkarätigen Referenten an den beiden Symposiums-Nachmittagen, wie hier zum Auftakt der Religionsphilosoph und Wissenschaftstheoretiker Prof. Dr. Dr. Benedikt Göcke.

Nach einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf rund um die Technikregulierung, ihre Voraussetzung und ihre Grenzen brachte Prof. Dr. Franz Bockrath den Zuhörern die Geschichte des Sports und die Entwicklung des menschlichen Körpers bis hin zu allen technischen Möglichkeiten nahe. Mit dem Thema „Leistungsoptimierung in der Sportmedizin“ baute Prof. Dr. Dr. Stefan-Martin Brand darauf auf. Hier waren die Zuhörer – jung wie alt – gebannt; kamen doch viele Parameter auch rund um die eigene Gesundheit und ein besseres Leben darin vor. Dazu zählte auch der augenzwinkernde Tipp, zu Weihnachten Bügeleisen oder Staubsauger zu verschenken – schließlich sollte der Mensch viel mehr laufen und stehen als sitzen.

Das hoch brisante Thema „Neue Möglichkeiten der Gentherapie aus ethischer Sicht“ stellte Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher aus seiner Sicht vor. Doch auch makro-ökonomisch wurde weiter gedacht, so etwa von Prof. Dr. Lorenz Sorgner, der über das europäische Sozialkreditsystem als pragmatische Notwendigkeit sprach, ehe Privatdozent Dr. Stefan Herbrechter abschließend über den „Critical Posthumanism – A Genealogy“ sprach.

Ein weiterer hochinteressanter Beitrag, der viele Fragen an den Referenten nach sich zog, kam vom Physiker und Autor Dr. Bernd Vowinkel von der Giordano-Bruno-Stiftung in Köln. „Auslaufmodell Mensch? Wie die künstliche Intelligenz das Schicksal der Menschheit beeinflusst“ beeinflusste garantiert auch die interessierten Zuhörer, denn um die Fragen rund um den Gegensatz zwischen Mensch und intelligenter Maschine kommt kaum jemand mehr herum. Einer der spannendsten Aspekte war wohl die Frage, wie weit eine Maschine fähig ist, ein Bewusstsein wie der Mensch zu entwickeln und damit ja auch ihre eigene Entwicklung werten zu können. Und dazu: Können Maschinen wirklich Gefühle entwickeln? Und falls ja: Müssen wir dann noch mehr Angst vor ihnen haben? Vowinkels Resümee: einen Mittelweg finden zwischen völliger Ablehnung und ausufernder Euphorie. Das ethische Ziel muss sein, das Leid aller lebensfähiger Wesen zu minimieren und das Glück zu vermehren. „Die Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen, aber man muss versuchen, sie in vernünftige Bahnen zu lenken.“

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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