Roter Wein aus Pfarrers Garten

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150 Flaschen Wein hat Pfarrer Elmar Jung aus den Ober-Röder Trauben keltern lassen. Ihr Verkauf soll der St. Nazarius-Gemeinde bei einer gewaltigen Aufgabe helfen: der Sanierung von mehr als 700 Quadratmetern Dachfläche des „Rodgaudoms“. - Foto: Löw

Ober-Roden - Ein durch und durch fruchtiger Ober-Röder ist „Unserm Parre sein Roode“. Pfarrer Elmar Jung hat den Wein aus Trauben gekeltert, die in seinem Garten hinter der Kirche wachsen. Von Michael Löw

Die 150 Flaschen verkauft er für zehn Euro, das Geld wird für die Sanierung des Kirchendaches gebraucht.

Der St. Nazarius-Seelsorger wurde in Alzey/Rheinhessen geboren, der Weg zum Wein war also nicht weit. Schon als Kind half er bei der Weinlese mit. Lang hat’s allerdings gedauert, bis die erste Ober-Röder Traube zu einem guten Wein wurde. Alfred Beck hatte Jung 1999 einen Ableger seiner Amerikaner-Muskat-Rebe - eigentlich eine reine Esstraube - geschenkt, doch der strenge Winter machte dem Stock schon wenige Monate später den Garaus.

Fünf neue Setzlinge hinterm Pfarrhaus

Alfred Beck pflanzte daraufhin fünf neue Setzlinge hinterm Pfarrhaus, ohne dass Jung es merkte. Sie fielen dem Geistlichen erst auf, als Alfred Beck drei Wochen später starb und er das Seelenamt las.

Kurz vor seinem Tod hatte Alfred Beck etwas von Dauer geschaffen, denn der Weinstock reicht jetzt bis ans Dach des Pfarrhauses. Im Herbst 2010 ernteten Jung und einige Helfer vier Zentner Trauben - zuviel, um wie in den Jahren zuvor Saft und Gelee daraus zu machen.

„Probieren wir’s mal mit Wein“, schlug Pfarrer Jung vor und fand auch eine Kelterei in Großwallstadt, die sich der Ober-Röder Trauben annahm. Das Ergebnis: niederschmetternd. „Das war nichts anders als Sauerampfer, den hätte man als Salatessig benutzen können“, umschreibt Jung den Fehlversuch liebevoll. Entmutigen ließen sich die Ober-Röder Hobbywinzer aber nicht.

Der Jahrgang 2011 ist um Klassen besser gelungen. Ob’s daran lag, dass Klaus Wolf und einige rührige St. Nazarianer die Trauben lasen, als Pfarrer Jung weit weg in Indien war, sei dahingestellt. Im Glas funkelt jedenfalls ein rubinroter Amerikaner-Muskateller - naturrein, trocken und ohne Kopfwehfolgen. Leicht gekühlt ist er ein optimaler Sommerwein.

Für eine gute Sache

„Der Muskat-Geschmack ist sicher nicht jedermanns Sache“, warnt der Seelsorger. Aber der Wein wird ja für eine gute Sache verkauft.

Mindestens 400 000 Euro kostet nämlich die Erneuerung des Daches über dem „Rodgaudom“. Das bischöflich Ordinariat in Mainz weiß, dass eines seiner Gotteshäuser zur Großbaustelle wird und wird auch sein Scherflein beitragen. Klar ist aber auch, dass die Ober-Röder Katholiken einen großen Teil selbst bezahlen müssen. „Einen Stock von 80 000 Euro haben wir schon angespart“, ist Pfarrer Jung stolz auf das bisher Erreichte.

Noch regnet es nicht in die Kirche, doch in drei, spätestens vier Jahren muss die Dachsanierung beginnen. Elmar Jung stand selbst schon auf einer Hebebühne und hat in Schwindel erregender Höhe am Turm abgestürzte Ziegel ersetzt. Ausgebessert hat die Gemeinde auch mehrere größere Wasserschäden: Tote Tauben und Feuerwerksreste hatten Fallrohre der Regenrinne verstopft. Etliche hundert Liter Wasser drangen ins Gebälk, bevor der Schaden erkannt und behoben wurde.

Der „Rodgaudom“ wurde in den fünfziger Jahren letztmals neu gedeckt: der 53 Meter hohe Turm mit Natur-, das 700 Quadratmeter große Kirchenschiff mit Kunstschiefer - nicht schön, aber praktisch. Pfarrer Elmar Jung gestattet sich deshalb einen Traum: Farbige, mit Ornamenten verzierte Ziegel wie sie beim Kirchenbau Ende des 19. Jahrhunderts verwendet wurden, würden dem Dach auch jetzt wieder gut zu Gesicht sehen.

Aber um die zu bezahlen, braucht"s noch ein paar gute Jahrgänge von „Unserm Parre sein Roode“ mehr.

Quelle: op-online.de

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