Dann bei Jürgen Nowak im Regal

Über 150 Probespiele vor der Kamera

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Noch verliert sich die Kamera auf dem Stativ, wenn Christopher-Alexander Guhl und Hannah-Kristina Werelius im Laden von Jürgen Nowak oder daheim Spiele testen. Das soll sich im September ändern. Denn dann wird Hannah zwölf und bekommt zum Geburtstag eine „richtige“ Kamera. Schließlich soll nicht nur die Qualität der Spiele, sondern auch die der „Youtube“-Filme überzeugen. 

Ober-Roden - Hannah-Kristina Werelius und Christopher-Alexander Guhl sind traditionell und trendy zugleich. Nach guter alter Väter Sitte testen sie Brett- Karten- und Würfelspiele. Das dokumentieren sie mit der Videokamera und stellen die Filme ins Internet. Von Michael Löw 

Ihr „Youtube“-Kanal heißt Halex – ein Kunstwort aus beiden Vornamen. Knapp ein Jahr ist’s her, da verschlug ein Angebot Jürgen Nowak die Sprache. Wer den Chef von Deutschlands „Spielwarenfachgeschäft des Jahres“ in der Senefelderstraße kennt, weiß: Da gehört schon einiges dazu. Im August 2017 fragten   Hannah-Kristina Werelius (heute 11) und Christopher-Alexander Guhl (heute 12): „Können wir Spieletester werden?“ Kunden waren sie schon lange. „Da war ich platt und habe nachgefragt: Was wollt ihr?“, schildert Jürgen Nowak seine Reaktion. Weder er noch seine Frau Bettina konnten sich vorstellen, dass die Generation Smartphone Spiele einfach so unter die Lupe nimmt und noch nicht mal Honorar will.

Angefangen haben sie mit „Triple-a-Spinnern“. Das sind – flapsig gesagt – dreigeteilte bunte Fingerkreisel, mit denen Fingerfertige Kunststücke vorführen können. Hannah und Christopher testeten sie im Laden. Eine Kundin sah zu, ließ sich von ihnen beraten und kaufte gleich einen. Besser hätte die Sache doch weder für die Nowaks noch ihre neuen Mitarbeiter beginnen können.

Längst dürfen Christopher und Hannah die Spiele zuhause ausprobieren. Jürgen Nowak schätzt, dass es mittlerweile mehr als 150 sind. Über den Daumen gepeilt ist das alle zwei Tage ein Spiel.

Eltern und Geschwister dürfen als Mittester herhalten, denn damit sind so gut wie alle Altersgruppen abgedeckt.

Hannahs Favorit heißt „Gigi Gnomo“ und ist ein vergleichsweise aufwendiges Brettspiel, bei dem man auch mal ein Tänzchen machen darf – oder muss. Mädels sehen das bekanntlich anders als die meisten Jungs.

Jede Menge Spiele

Christophers Nummer eins passt in jede Hosentasche. „Fieber“ ist ein richtig fieses „Mensch-ärgere-deinen-Nachbar“-Spiel aus einem Krankenhaus, in dem viele Ärzte einen einzigen Patienten versorgen müssen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder spuckt dem anderen rein. „Es ist simpel, man kann’s kurz oder lang spielen, das bringt Spannung“, sagt Christopher. Am Ende heißt’s etwas sarkastisch „Behandlung gelungen, Patient tot!“ Denn 42 Grad Fieber hauen jeden um.
Ohne die beiden hätte Jürgen Nowak außer seinem Probeexemplar keines mehr bestellt. Doch jetzt ist er infiziert, hat allein zwischen Herbst und Weihnachten schon 250 „Fieber“-Packungen verkauft und gelernt: „Es gibt nur schlimme und weniger schlimme Flüche!“ Die beziehen sich aufs Spiel, nicht auf den Umsatz.

Hannah führt von Anfang an Buch: Idee, Aufbau oder Verständlichkeit sind einige Kriterien, die sie mit einem „Like“, einem „Daumen runter“ und diversen Zwischennoten bewertet. Spielanleitungen dick wie ein Buch sind ein K.o.-Kriterium, weil sie die Lust am schnellen Zeitvertreib nehmen.

Christopher erklärt, warum die Tester ein dickes Fell brauchen: „Bei drei schlechten Spielen am Abend verliert man schon mal die Lust!“ Dass die beiden trotz manchem Flop immer noch voll bei der Sache sind, beeindruckt die Nowaks.

Und wie kommen die Tests ins Internet? Achtung: Bitte nicht lachen! „Unsere Eltern haben gefragt, ob wir nicht weiter rausgehen wollen“, verrät Christopher die Ideengeber, und Hannah ergänzt: „Über Youtube erreichen wir auch die, die sonst nur am Computer sitzen und können sie so vielleicht für Spiele begeistern!“

Die Spieletester verbessern ihre Ausrüstung Schritt für Schritt. Denn Jürgen Nowak hat festgestellt: „Auch Youtube verlangt heute HD-Qualität. Die Ruckelfilmchen der frühen Jahre sind ein No Go!“ Hannah wird im September zwölf. Da steht eine ordentliche Kamera ganz oben auf der Wunschliste. Auch personell will das Tester-Duo aufrüsten. Eine Freundin hat sich „beworben“.

Vielleicht kommt die Verstärkung genau zur rechten Zeit. Spätestens im Herbst fangen die Leute wieder an zu spielen. Dann kann’s Bettina und Jürgen Nowak nur Recht sein, wenn in ihren Regalen möglichst viele getestete Spiele stehen.

Wer glaubt, dass die beiden, die sich seit ihrer Zeit im Kindergarten Zwickauer Straße kennen, nur Spiele und „Youtube“ im Kopf haben, liegt daneben. Christopher-Alexander Guhl spielt Tennis und würde liebend gerne mit Schwimmen anfangen. Doch mangels Trainern hat sein Verein einen Aufnahmestopp verhängt. Auch Hannah-Kristina Werelius ist mit dem Jazztanz bei der Turngemeinde Ober-Roden noch nicht ausgelastet. Sie schaut sich nach dem passenden Kampfsportraining um und liest mit Leidenschaft.

Quelle: op-online.de

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