Asylbewerber verletzt sich selbst mit Messer

Versuch einer Abschiebung eskaliert

Ober-Roden - Eine hochschwangere Afghanin sollte am Dienstagmorgen auf Betreiben der Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP) mit ihrem Ehemann gemäß dem Dublin-Abkommen nach Italien abgeschoben werden. Das eskalierte.

Als die zur Unterstützung beteiligten Polizeibeamten um 5 Uhr in der Unterkunft erschienen, griff sich der Ehemann ein Messer und verletzte sich am Arm so schwer, dass er ins Krankenhaus nach Offenbach musste. Seine schwangere Frau regte sich dermaßen auf, dass sie ebenfalls ins Krankenhaus kam. Nach Auffassung des Rödermärker Netzwerks für Flüchtlinge ist die Abschiebung somit hinfällig. In einer Pressemitteilung heißt es dazu, die gesetzliche Sechsmonatsfrist, in der über den Ort des Asylverfahrens zu entscheiden ist und in der die Betroffenen dorthin überstellt sein müssen, sei inzwischen abgelaufen.

„Aufgrund einer Verlagerung der Abschiebentscheidung bzw. -durchführung vom Kreis Offenbach zum RP nach Darmstadt war der Behörde nicht bekannt, dass die Frau schwanger ist. Wir halten diese Handhabung für inhuman und unseres Staates nicht würdig. Ein Ehepaar in dieser Situation möchte auf keinen Fall den Wohnort wechseln, wenn erste Kontakte mit ansässigen Landsleuten geknüpft wurden und erste Integrationsbemühungen wie Sprache fruchten“, kritisiert das Netzwerk.

Das Dubliner Übereinkommen regelt als völkerrechtlicher Vertrag unter EU-Mitgliedsstaaten, dass der Staat, in den ein Asylbewerber nachweislich zuerst einreist, das Asylverfahren leiten muss. Das Dubliner Übereinkommen trat am 1. September 1997 in Kraft. (bp)

Zahl der Ausreisepflichtigen weit geringer als angenommen

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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