Büsche weichen Sträuchern

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Mit dem linken Fuß steht Thorsten Hunkel noch auf dem eigenen Grundstück, mit dem rechten steht er auf dem von der Bahn gepachteten Gelände. Das muss er inklusive aller Sträucher bis Ende November räumen, damit die Stadt dort ein Biotop als Ausgleich für die neuen Parkplätze nördlich des Ober-Röder Bahnhofs anlegen kann.

Ober-Roden - Im Frühjahr will die Stadt am Bahnhof 45 bis 50 Parkplätze und einen Radweg bauen. Was Pendler freut, regt Helmut und Thorsten Hunkel aus der Dieburger Straße auf. Denn sie sollen ihre Büsche und Sträucher roden, damit die Stadt welche pflanzen kann. Von Michael Löw

Privates Grün weg, öffentliches Grün hin? Das klingt zunächst einmal nach Schildbürgerstreich, ist aber ein Geflecht aus Pachtverträgen, Überfahrtsrechten, Öko-Ausgleich und komplizierten Grundstückszuschnitten.

Helmut Hunkel hat vor etlichen Jahren den schmalen Geländestreifen zwischen seinem Hof und den Gleisen von der Bahn gepachtet. Im Lauf der Zeit entstand dort ein Garten mit Rasen und Spielhaus für die Enkel. 1988 versuchte Hunkel erstmals, die gut 120 Quadratmeter zu kaufen und wurde vertröstet: „Erst muss die S-Bahn fertig sein.“ Die rollt schon lange durch Ober-Roden, doch auch ein zweiter Kaufversuch scheiterte.

Hunkels sollen ihren Teil räumen

2007 erwarb bekanntlich die Stadt den Bahnhof, seinen Vorplatz und den Streifen bis zur Schranke an der Dieburger Straße von der Deutschen Bahn. Im November 2008 kündigte sie als neue Eigentümerin den Pachtvertrag, bis Ende November 2012 sollen die Hunkels ihren Teil räumen. 5  000 Euro, so die Wertermittlung eines Bahngutachters, haben sie in die Verschönerung des Gartens gesteckt. „Und jetzt wird meinen Kindern der Platz zum Spielen weggenommen“, klagt Thorsten Hunkel.

Doch nicht nur deshalb hat er große Bedenken gegen das Bauvorhaben und die damit verbundenen naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen. Zu denen gehört unter anderem ein kleiner Teich, dem Nachbar Hunkel nichts Gutes abgewinnen kann: „Das Wasser lockt Ungeziefer an, und wenn er austrocknet, stinkt"s!“

Der Radweg ist seiner Meinung nach ein totgeborenes Kind. Thorsten Hunkel bezweifelt, dass Radler am Bahnhof die Dieburger Straße verlassen, sich auf dem Vor- und dem neuen Parkplatz zwischen Autos durchschlängeln, um sich an der Schranke wieder in den Stau einzureihen.

Sorge Nummer zwei gilt dem künftig kleineren Garten: Der abseits gelegene Radweg locke Jugendliche an, „die unseren Hof mit Müll zuschütten“.

Bürgermeister Kern: Wünsche der Nachbarn wurden berücksichtigt

Einen Teilerfolg haben Helmut und Thorsten Hunkel schon errungen. Statt des Radwegs sollte ursprünglich die Ausfahrt des Parkplatzes entlang der Schienen gebaut werden. Doch diese Pläne seien vom Tisch, weil die Stadt dafür Wegerechte für ein Grundstück gebraucht hätte, das der Familie Hunkel gehört und nicht nur gepachtet wurde.

Bürgermeister Roland Kern erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass Parkplätze, Radweg und Ausgleichsmaßnahmen im Geltungsbereich eines rechtskräftigen Bebauungsplanes liegen. Bei einem Ortstermin mit den Nachbarn seien auch deren Wünsche weitestmöglich berücksichtigt worden.

Die Vorarbeiten für den Parkplatzbau (Kosten: rund 380 000 Euro) haben begonnen, die Stadt ließ diesen Teil des ehemaligen Bahngeländes roden und hat die Abbruchgenehmigung für diverse Schuppen beantragt. Der Bürgermeister rechnet damit, dass der Zuschussbescheid des Landes spätestens im Dezember eingeht. Dann muss die Stadt innerhalb von vier Monaten mit dem Bau beginnen. In die Detailplanung will sie auch den künftigen Besitzer des Bahnhofs mit einbeziehen. Die drei aussichtsreichsten Interessenten stellen ihr Konzept am Dienstag, 23. Oktober, in einer Sondersitzung des Bauausschusses vor. Sie beginnt um 19 Uhr im Graf-Reinhard-Saal der Kulturhalle.

Quelle: op-online.de

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