Pfarrer Oliver Mattes führt Pilger von Kirche zu Kirche

Ökumene bringt viele Schlüssel in eine Hand

Rödermark - Wenn Pilger wandern, hat manchmal sogar das Wetter ein Einsehen: Der kleinen Gruppe jener, die den Weg zu allen Kirchen und Kapellen Rödermarks am gingen, machte die Sonne vom fast blauen Himmel Mut.

Ein besonderes Zeichen Rödermärker Ökumene anno 2017: In seiner Tasche hatte Pfarrer Oliver Mattes die Schlüssel aller Kirchen und Kapellen.  

Beginnend in der Weidenkirche und dem Oberwiesenweg zur Pfarrkirche St. Nazarius folgend, zogen vier Frauen mit Pfarrer Oliver Mattes und Thorsten Müller, dem Mitorganisator des Rödermärker Pilgerpasses, durch die Landschaft. Mal liefen sie in leise Unterhaltung vertieft, mal bewusst schweigend. Rund um den „Rodgaudom“ bekamen die Pilger viel Wissenswertes zu sehen, doch auch die Organisatoren entdeckten für sich immer wieder Neues.

An der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche vorbei ging’s erst mal ins Gemeindehaus, wo eine Erfrischung wartete. Der Fußmarsch artete nie in Stress aus, verlief aber bei einer Länge von rund zwölf Kilometern recht zügig und führte in die Carl-Zeiss-Straße. Hier steht das neueste der Rödermärker Sakralgebäude, das Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde, die am Sonntag ihren 30. Geburtstag feiert. Der Festgottesdienst beginnt um 14.30 Uhr.

Die Dreifaltigkeitskapelle in Messenhausen war die letzte Station des zwölf Kilometer langen Pilgerweges, ehe es zurück zur Weidenkirche ging. Dort hatte die Wanderung begonnen.

Durch den Wald führten Oliver Mattes und Thorsten Müller die Gruppe nach Urberach zur Petrus- und schließlich zur Galluskirche. Sie war die Einzige, die nicht besichtigt werden konnte, da hier ein Taufgottesdienst gefeiert wurde. Über den kleinen Hügel wanderten die Pilger weiter zum sicher originellsten der Kleinode am Wegesrand, der Messenhäuser Dreifaltigkeitskapelle, bei der vor allem der dreieckige Altarstein die Gruppe beeindruckte. Nur der Kirchenpavillon in Waldacker, der für die rund vierstündige Wanderung doch etwas abseits lag, wurde ausgespart - zum Bedauern der durchweg wandererfahrenen Teilnehmerinnen, die den Rundweg beim Rückblick als sehr angenehm und gelungen empfanden.

Die Ruhe unterwegs: Pilgerreise ist mehr als Lifestyle

„Meine Vorstellung von diesem Weg ist nicht enttäuscht worden“, freute sich Jutta Schwarz, „in der Natur wandern, durch die Ortkerne laufe, und dazu die Kirchen, von denen jede ihren ganz eigenen Charakter hat.“ Karin Dauer gefiel vor allem das schweigend gelaufene Wegstück; Regina Susann nahm die für sie neue Freie evangelische Gemeinde erstmals richtig wahr; außerdem fiel ihr vor allem trotz vieler Verschiedenheiten die tiefe Gemeinsamkeit auf: „Es war mir bisher nicht so gegenwärtig, dass doch alles eins ist.“ Monika Schwarz wiederum war der ökumenische Gedanke allein schon in der „Schlüsselgewalt“ bewusst geworden: Pfarrer Oliver Mattes hatte schließlich sämtliche Schlüssel aller Rödermärker Kirchen in seiner Hand. „Allein dass dies heutzutage möglich ist, so viel Vertrauen der Gemeinden untereinander, das wäre vor einigen Jahren noch fast undenkbar gewesen“, sagte sie.

Der Kreis schloss sich mit dem Hinweis auf den Abschlussabend des Pilgerweg-Experimentes am 29. September nach der Freitagsandacht in der Weidenkirche. Im evangelischen Gemeindehaus können ab etwa 19 Uhr die persönlichen Pilgererfahrungen ausgetauscht und abgerundet werden. (chz)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Ziesecke

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