Offenthaler Freud, Urberacher Leid

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Die einen sehnen den Baubeginn der Südumgehung herbei, die anderen suchen händeringend nach Lösungen für ihre Verkehrsprobleme.

Urberach/Offenthal (fm/lö) - Im März 2013 soll der Bau der Ortsumfahrung Offenthal beginnen. Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, und die Dreieicher Polit-Prominenz erfuhren bei einer Baustellenbesichtigung, dass die Vorarbeiten im Zeitplan liegen.

Was die Offenthaler freut, weckt bei vielen Urberachern die Angst vor noch mehr Autos auf Konrad-Adenauer- und Traminer Straße. Doch zunächst die Offenthaler Aspekte: Die Mittel stünden bereit, so Bomba. „Wir werden vonseiten des Bundes alles tun, um die Straße so schnell wie möglich fertigzustellen.“ Als Termin für die Eröffnung spricht er von „Sommer bis Herbst“. Heiko Durth, Abteilungsleiter Bau bei Hessen Mobil in Wiesbaden, bremst den Staatssekretär leicht aus. Die „Beschleunigungsmöglichkeiten“ zu diesem Zeitpunkt seien „sehr begrenzt“. „Ein Baubeginn im Dezember ist nicht wirtschaftlich“, sagt Durth mit Blick auf das Wetterrisiko.

„Eine wahnsinnige Belastung“

Ob man denn bei einem absehbar milden Winter früher mit dem Trassenbau beginnen könne, will CDU-Bundestagsabgeordneter Peter Wichtel von den versammelten Fachleuten wissen. Geht nicht, entgegnet Projektleiter Achim Dingeldein. Die Arbeiten müssten EU-weit ausgeschrieben werden. Das soll im Oktober geschehen, das Verfahren dauere etwa vier Monate. Soll heißen: Es bleibt bei dem Termin, der in den vergangenen Monaten mehrfach kommuniziert wurde. Der Bau der 3,34 Kilometer langen Umgehungsstraße einschließlich der Lärmschutzmaßnahmen soll im März anlaufen, neun Monate später sollen die ersten Autos über die Piste rollen. Die Kosten von 12,2 Millionen Euro trägt der Bund.

Wichtel will eine gewisse Unruhe in Teilen der Bevölkerung ausgemacht haben. Nach dem Motto „die haben da ein paar Brücken in die Landschaft gestellt und jetzt passiert nichts mehr“. Der Eindruck trügt, versichert Dingeldein. So sei man derzeit dabei, einen Kleintierdurchlass und eine weitere Überführung zu bauen. Vor Kurzem sei die Renaturierung des Fritzwiesengrabens abgeschlossen worden. Statt in einem Bett aus Beton fließe das Wasser wieder in einem natürlichen Bett. Zudem seien als Ausgleichsmaßnahme zwei Tümpel angelegt worden. In Kürze geht’s los mit der Umlegung der Versorgungsleitungen.

Spange bringt maximale Entlastung

Teil zwei des Straßenbauprojekts ist die 660 Meter lange Ostspange zwischen der L 3001 und der B 486. Dafür ist das Land zuständig. Hessen Mobil kalkuliert mit Kosten von 3,57 Millionen Euro. Die Landesregierung hofft offenbar, Geld sparen zu können. Nach Angaben des CDU-Landtagsabgeordneten Hartmut Honka sind im Haushalt 2013 eine Million und für 2014 zwei Millionen Euro eingeplant. Die Brücke über die Bahn soll nächstes Jahr gebaut werden, ehe im Jahr 2014 die Piste asphaltiert und freigegeben werde.

Erst die Spange bringt die maximale Entlastung für die Menschen an der Durchfahrtsstraße. Derzeit sind dort täglich etwa 25.000 Kfz unterwegs. Eine „wahnsinnige Belastung“, wie Staatssekretär Bomba feststellte. Die Prognose geht davon aus, dass sich der Verkehr in Offenthal nach Eröffnung der Umfahrung um drei Viertel auf zirka 6500 reduzieren wird. Bomba regte an, die Lärmschutzwälle mit Photovoltaik zu kombinieren. In anderen Städten sei dies bereits realisiert worden.

Freie Wähler fordern intelligente Pförtnerampeln

Dass der Verkehr voraussichtlich ab Ende 2013 einen Bogen um den Ort macht, fordern Einwohner und Stadt seit Jahrzehnten. Wirtschaftlich aber sind für manchen Nachteile damit verbunden. So will der Betreiber der Tankstelle dahin, wo die Musik spielt, also die Autos fahren. „Wir sind mit der Firma Milzetti im Gespräch und versuchen zu helfen“, sagt Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer.

Sein Rödermärker Amtskollege Roland Kern hat vom Parlament einen dicken Aufgabenkatalog auf den Schreibtisch bekommen. Ziel: die Mehrbelastung für Urberach so gut es geht in Grenzen halten. Kern soll bei Hessen Mobil in Erfahrung bringen, ob die Straßenbaubehörde einer Aufpflasterung am „Dalles“ (Vorschlag von CDU und AL) oder Kreiseln am westlichen und östlichen Ende der Ortsdurchfahrt sowie intelligenten Pförtnerampeln (Vorschlag der Freien Wähler) zustimmt und möglichst auch bezahlt.

Die Freien Wähler fordern zudem eine breit angelegte Bürgerbeteiligung, damit die Verkehrsentlastung nicht auf Kosten des Urberacher Gewerbes geht.

Den Anwohnern von Konrad-Adenauer- und Traminer Straße gehen diese Vorschläge nicht weit genug. Johann Oppolzer, Sprecher der einstigen BI „Verkehrsentlastung für Urberach“, plädiert wie schon seit Jahrzehnten für den groß angelegten Umbau des B 45-Anschlusses „Erdkautenweg“. Nur das zwinge den Durchgangsverkehr zu Umwegen.

Quelle: op-online.de

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