Oweräirer Kerb

Ein Tusch auf die Tradition

Schlank und rank und rund 14 Meter hoch: Der Kerbbaum, den die Kerbburschen aufstellten. Fotos: ziesecke

Tradition ist es, die die Menschen auf die Kerb von Ober-Roden strömen lässt, auch wenn die Attraktionen vergleichsweise klein sind.

Ober-Roden – Tradition bestimmt wohl jede Kerb, und Tradition ist es auch, die die Menschen dahin strömen lässt, auch wenn die Attraktionen doch im Verhältnis zum heutigen Lebensstil vergleichsweise klein sind.

Den Ober-Rödern und ihren Gästen geht’s da wie allen anderen auch: Die Erinnerung an die eigene Kindheit, die kleinen charmanten Spielchen vom Entenfischen bis zum Luftballonschießen und der Duft von gebrannten Mandeln oder Crêpe mit Puderzucker lassen viele Herzen, jung wie alt, ein bisschen höherschlagen.

Das Mini-Kinderkarussell bringt ein ähnliches Strahlen in die Augen wie das unermüdlich seine Runden drehende Hubersche „Dampfkarussell“.

Wer Tradition sucht, ist bei der Ober-Röder Kerb richtig. Die Kerbausgrabung am Vorabend, eingebunden in einen zünftigen Mundartabend, macht das ebenso deutlich wie das Samstag-Programm. Das begann wie seit 26 Jahren mit dem Pflanzen neuer Kerb-Quetschebeem im kleinen Kerbwald hinter dem TG-Sportplatz, in diesem Jahr von den jungen Eltern von Finley Frank, Jonas Christ und Marie Schrod gestiftet und mit Namensschildern versehen und kräftig angegossen bei Bier und Quetschekuchen, den das diesjährige Prinzenpaar servierte.

Auf dem Marktplatz ging’s traditionell weiter. Ein 14 Meter hoher, aber zierlicher Kerbbaum verlangte den diesjährigen, schon etwas reiferen Kerbburschen nicht allzu viel Kraft ab, und auch das Freibierfass ergab sich bereits mit einem kräftigen Schlag von Bürgermeister Jörg Rotter – was eine bessere Leistung bedeutete als sie Münchens Oberbürgermeister beim fast zeitgleichen Wiesn-Auftakt brachte.

Beim anschließenden Kirchgang der Kerbburschen stellte Pfarrer Jung in seiner Predigt deutlich klar, dass nicht ein weltlicher Ort, sondern allemal die Kirche das Herzstück einer Kirchweih ist, ehe es die Gottesdienstbesucher aber doch wieder ins Weltliche und zur übrigen Bevölkerung auf die Kerbmeile zog.

Reger Besuch in den Zelten der Vereine wie etwa TG oder Germania, allerdings dank des spätsommerlichen Wetters doch bis zum Einbruch der Dunkelheit mehr auf die Gass‘ verlagert; ein voller Dinjerhof – das Domizil der Kerbborschen. Dazu Musik aus vielen Ecken, nicht zuletzt vom Stagemobil auf dem Marktplatz herab, wo freitags DJs und am Samstag die Band „Backdoor-Sellers“ die Menschen in Schwung brachte. Das Après-Ski-Komitee lud mit einem neuen Thekenwagen neben dem beliebten Bauwagen ein, und mehrere andere Stände erweiterten das Angebot auch international über die traditionelle Currywurst hinaus.

Mit einem Auftritt eines ganz traditionellen Puppentheaters wurden die jüngsten Festgäste in Bann gezogen; mit dem Autoscooter die eher etwas älteren. Deutlich sichtbar und damit auch vor aller Augen präsent: Die sechsköpfige Sicherheitstruppe der EKS Security, die in kleinen Gruppen über die Kerbmeile und auch mal in die dunkleren Ecken patrouillierten, während mit fortschreitendem Abend auch die Mitarbeiter der Polizei stets da präsent waren, wo sie womöglich für Ruhe hätten sorgen müssen. Doch zumindest in der ersten Nacht gab’s kaum Beanstandungen. Der Ortskern erwies sich am nächsten Morgen auch relativ sauber und aufgeräumt.

„Ich habe diesmal bislang auch nur eine kaputte Flasche aufgekehrt“, berichtet Reinhard Berker, der genau am neuralgischen Zentrum des Kerbgeschehens wohnt. So macht Kerb Spaß. Hoffentlich bleibt es so bis zur Kerbbeerdigung heute, 20 Uhr hinter der Kulturhalle.  chz

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op-online.de

Quelle: op-online.de

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