Ein heiß geliebter Spritschlucker

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Ein Bug wie ein Schlachtschiff und eine Stoßstange, die ihrem Namen alle Ehre macht: Thomas Schmuckers Plymouth „Special Deluxe“ ist der rollende Widerspruch zum automobilen Zeitgeist. Es hat zudem weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker. „Da muss man noch richtig arbeiten“, kommentiert Schmucker.

Ober-Roden - 1948 war Sprit hierzulande ein wahres Luxusgut, doch in den USA kostete die Gallone (knapp 3,8 Liter) nur ein paar Cent. Von Michael Löw

Da spielte der Verbrauch eines Autos keine Rolle; ein Plymouth „Special Deluxe“ dieses Baujahres schluckt gut und gerne 20 Liter auf 100 Kilometer.

Thomas Schmucker hat einen solchen Spritfresser vorm Haus stehen und fährt in ohne schlechtes Gewissen, weil sich die Jahreskilometer in Grenzen halten. Und im Gegensatz zu Lamborghini- oder SUV-Fahrern wird er selbst von radelnden Ökos angelächelt. „Ein Oldtimer hat halt was“, lächelt er zurück.

„Ab und zu wurde halbherzig dran rumrenoviert“

Die 3,6 Liter Hubraum seines „Special Deluxe“ sind eines Nobelsportwagens fast schon würdig, über die PS-Zahl lächeln indes Besitzer moderner Kleinwagen: Ganze 95 symbolische Pferde tun unter der Motorhaube Dienst. Sie tun’s nicht einmal sonderlich leise; aber auch hier gilt der Spruch vom Oldtimer, der was hat...

Schmucker kennt seinen Plymouth schon seit 20 Jahren. Damals stand das Auto für ihn unbezahlbar in der Werkstatt eines Freundes, Schmucker verlor’s aus den Augen. Als er Geld hatte, war das Auto weg, doch mit Hilfe seines Kumpels machte er den neuen Eigentümer ausfindig. Beim Blick in dessen Garage blutete Schmuckers Herz. Zwölf Jahre gammelte der Plymouth vor sich hin, nur „ab und zu wurde halbherzig dran rumrenoviert“.

Nach dem Kauf hatte Thomas Schmucker viel Arbeit, bis der Oldtimer wieder fuhr und der TÜV seinen Segen in Form aller Stempel und Gutachten gegeben hatte.

Der 48er Plymouth ist ein Stück Lebensphilosophie

„Wenn man so ein Auto hat, will es auch bewegt werden. Es ist ja schließlich zum Fahren geboren“, trotzt Schmucker Benzinpreisen von 1,55 Euro aufwärts. Dass er regelmäßig im Plymouth unterwegs ist, bringt ihm letztlich sogar finanzielle Vorteile. Denn nur, wenn Oldtimer auch im Alltag gebraucht werden, bekommen sie das begehrte H-Kennzeichen und damit niedrige Steuerklassen und Versicherungstarife.

Der 48er Plymouth ist auch ein Stück Schmucker’scher Lebensphilosophie. Er verdient sein Geld mit dem Bau von Bässen - jenem Instrument, das bis in die Nachkriegsjahre höchstes Ansehen höchstes Ansehen bei Rockabilly-Musikern genoss. Spätestens Anfang der sechziger Jahre galt es als altmodisch, weil Musiker lieber den kleineren Elektrobass zupften.

Aus der Mode kamen auch Autos wie der Plymouth „Special Deluxe“. Außer Thomas Schmucker fährt in Deutschland nur noch ein Fan dieses Modell. Dabei kann man die gut mannshohen „Duke“-Bässe aus Thomas Schmuckers Werkstatt in so einem Amischlitten auch transportieren, wenn eine halbe Rockabilly-Band drinnen sitzt.

Quelle: op-online.de

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