Opel-Treffen in Urberach

Kapitän und Admiral der Straße

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Topfit gepflegt, aber zum Start am Samstag Morgen plötzlich störrisch: Der grüne Opel Kapitän wurde mit vereinten Kräften vieler Opel-Classic-Fans rasch wieder in Gang gebracht.

Urberach - Für Freunde edler und betagter, aber bestens gepflegter Autos der Marke Opel war das vergangene Wochenende wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zugleich: Auf der Bulau trafen sich von Donnerstag bis Sonntag alte Opel der Modelle Olympia, Admiral und Kapitän von 1939 bis 1953. Von Christine Ziesecke

Der Darmstädter Alfred Kling, Interessenwart der mit 2 300 Mitgliedern größten Klassik-Abteilung der Alt-Opel-Interessengemeinschaft, hatte das jährliche Typentreffen ins Hotel „Odenwaldblick“ gelegt. Gemeinsam mit Ehefrau Evi, Tochter und Schwiegersohn empfing er 80 Gäste mit 34 edlen Fahrzeugen. Darunter waren nicht nur die Oberklasse-Wagen des vor dem Krieg größten deutschen Autokonzerns, sondern auch ein zum Campingwagen ausgebauter Opel-Blitz oder einer der seltenen Vorkriegs-Admirale, von denen es nur noch vier oder fünf gibt.

Am Samstag hatten die Opel-Fans das seltene Glück, im Opel-Testzentrum zu Gast zu sein, ehe es weiter Richtung Babenhausen und Groß-Umstadt ging. Wie es sich so gefahren hatte in den alten Schätzchen, wurde danach wieder bei Hans Gensert im „Odenwaldblick“ diskutiert. Manche Kostbarkeiten waren gut verpackt auf die Bulau angeliefert worden, so etwa der leuchtend-rote viertürige Olympia von 1939 – ein seltenes Stück, da die Viertürer nur vor dem Krieg gebaut wurden. Seine Besitzerin verfolgte das Abladen und Einparken recht angespannt – zumal die vorne und hinten unterschiedliche Spurbreite auch besondere Fahrkünste erforderte.

Viele Raritäten

Nach Überlistung einiger Tücken beim Start auf der Bulau gings für die rund 30 kostbaren Opel-Classics nach Dudenhofen zum Opel-Testzentrum und anschließend Richtung Odenwald.

Auch eine andere Rarität kam per Anhänger: eine beigefarbene viertürige Cabrio-Limousine von 1952. Die Holländer Bert und Wilma Derks, die mit Hund Viktor direkt aus dem Urlaub in Südtirol kamen, hatten sieben Jahre daran gearbeitet - seit drei Monaten ist das Prachtstück fertig. Seine große Besonderheit: Das Falt-Schiebedach funktioniert mit einer Scherenkonstruktion. Gekauft über einen Bekannten als Schrott, hatte Bert Derks gleich erkannt: „Oh! Etwas ganz Spezielles!“ Mit Zustimmung seiner Frau hat er sehr viel Zeit geopfert: „Da hatte ich wenigstens etwas Zeit für mich“, lächelt Wilma Derks. Originalteile wurden über andere Sammler erworben. „Wir brauchen einander“, betont Bert Derks. Verschleißteile werden heutzutage aber auch originalgetreu nachgefertigt.

Mitten auf dem Parkplatz des Hotels: ein grün-weißer 39er Kapitän Classic, ein ungewöhnliches viertüriges Cabriolet. „Ein langer Sechszylinder – typisch amerikanisch. Seit 1929 gehörte Opel ja zu General Motors“, erklärt Alfred Kling. Er weiß alles über Opel, er kennt die Firmengeschichte auswendig, ohne dabei belehrend zu wirken. Und er freut sich: „Morgen kommt auch der Classic-Chef von Opel mit einem 51er Kapitän.“ Zwar gibt es kein Opel-Oldtimer-Museum, aber bei einer Werksführung kann man einen Teil der gut 600 alten Autos vom ersten bis zum aktuellsten Modell entdecken.

Blumensträußchen serienmäßig: Der Opel Kapitän, Baujahr 1939, von Classic-Organisator Alfred Kling hat vier Türen und 55 PS.

Vor 27 Jahren hatte Alfred Kling zwei Jahre in Frankfurt im Karosseriebau gearbeitet. Sein eigenes Schätzchen ist ein schwarzer Opel Kapitän, Baujahr 1939, mit Zierknöpfen in der Türverkleidung und Blumensträußchen am Armaturenbrett: „Das war damals serienmäßig, ebenso wie die Klopapierrolle und der Wackeldackel.“ Er ist überall bekannt und ein gefragter Mann: „Alfred, wo bekomme ich eine Original-Radkappe?“- „Da rufst du bei Wim in Holland an, der fertigt originalgetreue Radkappen, Zierleisten, Griffe und andere Verschleißteile, wo der Markt leer ist.“ So auch die vorne senkrecht geknickten Scheinwerferabdeckgläser der Jahrgänge 29/30; die späteren Modelle hatten runde Gläser. Und worüber wurde abends beim Schoppen im „Odenwaldblick“ so geredet? Kurze Pause, dann ein schallendes Lachen bei den Frauen: „Na, worüber wohl… Aber wir Frauen nicht, wir reden über anderes!“

Bilder vom Opel-Treffen in Urberach

Opel-Treffen auf der Bulau

Standesgemäß teilweise in Handschuhen, gegebenenfalls das Verdeck sommerlich geöffnet, geht’s am Samstag Morgen auf Tour. Schreck vor dem Start: Ein tannengrüner Kapitän springt nicht an. In Sekundenschnelle beugen sich zehn Männerköpfe – mehr finden nicht Platz - über den offenen Motorraum, und weise Ratschläge für den Fahrzeugbesitzer gibts zu Dutzenden. Einer holt einen Kanister, einer einen weichen Lappen, einer verspricht „’nen Hammer hammer!“ Letztlich reicht ein simpler Schraubenzieher, um eine etwas ausgebeulte Stelle zu begradigen – und das gute Stück springt zur allgemeinen Begeisterung an. Die Fahrt zum Opel-Testzentrum kann losgehen: Mit zu Recht stolzem Blick und einem erfreuten Winken und Hupen startet die betagte Karawane ihre Fahrt ins Abenteuer.

Quelle: op-online.de

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