„Ortskern kein rechtsfreier Raum“

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Architekt Siegbert Huther, Mitglied des Kreis-Denkmalschutzbeirats, warb engagiert für verbindliche Bauvorschriften im Ortskern.

Ober-Roden ‐ Die umstrittene Gestaltungssatzung für den Ortskern Ober-Roden ist vom Tisch? Doch wie geht‘s weiter? Von Michael Löw

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Der Anwohnerprotest gegen behördlichen Regulierungsbedarf, über den unsere Mediengruppe als Erste berichtete, hat bei Politikern jeglicher Couleur einen Sinneswandel bewirkt. „Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass es auf absehbare Zeit zu keiner Gestaltungssatzung kommen wird“, räumte Bürgermeister Roland Kern (AL) stellvertretend für Magistrat und Stadtverordnetenversammlung ein.

120 Bewohner aus Ober-Rodens Mitte sowie etwa 30 Stadtverordnete und Kandidaten waren am Donnerstagabend zur Anhörung in die Kulturhalle gekommen. Ihr Blick ging meist nach vorne. „Der Ortskern darf kein rechtsfreier Raum sein“, forderte Siegbert Huther, Heimatforscher, Mitglied im Denkmalbeirat des Kreises und als Architekt Planer von Bücherturm, Kinderhort, Kulturhalle und anderen Bauten im Zentrum.

Huther machte sich für verbindliche Bauvorschriften - allerdings mit Bürgerbeteiligung von Anfang an - stark. Nur so könne die Stadt Sünden wie vor 30 oder 40 Jahren verhindern, die dem Ortskern aus heutiger Sicht viel von seiner Substanz genommen haben.

„Der Paragraph 34 ist der größte Blödsinn. Vor ihm muss kein Bauherr Angst haben“, warnte er. Diese Passage des Baugesetzbuches schreibt vor, dass Neubauten in die Umgebung passen müssen. Viele Gegner einer Satzung sind der Ansicht, dass der Paragraph 34 ein probates Mittel gegen Wildwuchs ist. Nach Huthers Erfahrungen als Architekt und Denkmalschützer sei das aber eine Fehleinschätzung.

Die heftig kritisierte Gestaltungsfibel des Darmstädter Planungsbüros Begher ist seiner Meinung nach ein „gutes Beratungsinstrument“. Natürlich sei es falsch gewesen, schöne und hässliche Häuser ohne Einverständnis der Besitzer darin abzubilden. Doch alles in allem enthalte sie wertvolle Hinweis für Neubauten oder Renovierungen.

Arno Mieth, dessen Initiative „Menschen vor Ort“ den Protest gebündelt und an die Öffentlichkeit gebracht hatte, warf Huther vor, mit Bücherturm, „Zehnthof“ und Kulturhalle seinerzeit an den heutigen Anforderungen der Fibel vorbeigeplant zu haben. Womit er eine kurze Diskussion über architektonische Formensprache entfachte. Er habe mit all diesen öffentlichen Gebäuden historische Elemente aufgegriffen, verteidigte sich Huther.

Quelle: op-online.de

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