Vandalismus und Krach

Orwischer Kerb eine einzige Horrorveranstaltung?

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Bild von der Orwischer Kerb 2012.

Urberach - Am strahlenden Orwischer Kerbhimmel brauen sich dunkle Wolken zusammen. Zwei Anwohner der östlichen Bahnhofstraße kritisieren sie als „reine Horrorveranstaltung“, bei der „jedwede Bürgerechte aufgehoben scheinen“. Von Michael Löw

Die Kerbkommission weist die Vorwürfe zurück, und auch die Polizei sieht keinen Grund zu besonderer Besorgnis.

Die Beschwerdeführer, die in der Zeitung vorläufig nicht namentlich genannt werden wollen, listen eine lange Latte hässlicher Vorkommnisse auf: zerdepperte Flaschen in Einfahrten und Höfen, verwüstete Kleingärten, abgeknickte Außenspiegel, eingeschlagene Autoscheiben, Autorennen in der eigentlich gesperrten Bahnhofstraße, und, und, und...

Bilder von der Orwischer Kerb 2012

Orwischer Kerb

Hauswände müssen als Pissoir und Gärten als Kotzeimer herhalten. Das Ganze passiere nicht leise, sondern unter Gejohle und Gekreische und wiederhole sich in allen Kerbnächten. „Es ist ein dreitägiger Dauerwahnsinn“, schimpft ein genervter Anwohner. Die Bahnhofstraße leide weit stärker als die südlichen Nebenstraßen der Kerbmeile, denn sie sei der Hauptzubringer vom Bahnhof und vom Parkplatz des Märktezentrums.

„Ganze Straßenzüge“ seien dem „vandalierenden Mob“ zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens überlassen worden, schreibt seine Mitstreiterin, die sich von Polizei, Ordnungsamt und Security-Dienst im Stich gelassen fühlt. Ihr Fazit: „Das kollektive Massenbesäufnis der Altersgruppe zwischen 15 und 30 Jahren zugereister Jugendlicher hat mit einer Kerb zur Aufrechterhaltung der Tradition nichts mehr zu tun!“

Kerbgeschädigten wollen Fest beschneiden

Die Kerbgeschädigten wollen das Fest der Urberacher Feste beschneiden und verlangen die Reduzierung um einen Tag, ein absolutes Ausschankverbot nach 23 Uhr, Sperrstunden auch für die Gastronomie nach Neu-Isenburger Vorbild, öffentliche Verkehrsmittel auch nach 2 Uhr, damit Jugendliche nicht bis zum ersten Zug durch Urberach ziehen und eine Garantie, „dass bis 1 Uhr alle Besucher den Veranstaltungsort sowie die Nebenstraßen verlassen haben“. Eine Unterschriftensammlung soll diese Forderungen unterstützen. Ist das alles vergeblich, müsse die Großveranstaltung abgesagt werden.

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Derart massive Kritik ruft Widerspruch hervor. Ralph Steiner von der Kerbkommission verweist auf das Sicherheitskonzept, bei dem der Veranstalter von Anfang an die Polizei beteilige. Die Kommission bezahle einen sechs Mann starken Sicherheitsdienst, der - teils mit Hunden - über die Kerb patrouilliert. Es gebe sogar „einen Dunklen-Ecken-Plan“, nach dem neuralgische Punkte besonders kontrolliert würden.

Steiner wirft aber auch die grundsätzliche Frage auf, wie weit über den Veranstaltungsort hinaus die Kerbmacher für Ruhe und Ordnung sorgen müssen: „Man kann eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht 100-prozentig absichern.“

Regelrechte Kerbstreifen eingesetzt

Die Polizei habe übers Wochenende regelrechte Kerbstreifen eingesetzt, erklärte Andrea Ackermann von der Pressestelle des Präsidiums Südosthessen. Allein in der Nacht von Samstag auf Sonntag seien vier Streifen bis um 5 Uhr in der Frühe unterwegs gewesen. Grundsätzlich zeige die Polizei auch nach Veranstaltungsende noch Flagge. Selbst wenn die Kollegen primär ein der Ortsmitte Dienst tun, reiche ein Anruf und sie sehen auch in der Bahnhofstraße nach dem Rechten. Bei der Polizei in Dietzenbach war nach Auskunft von Andrea Ackermann bis gestern Mittag noch keine Anzeige wegen beschädigter Autos eingegangen.

Der Erste Stadtrat Alexander Sturm warnte davor, das Verhalten bestimmter Gruppen auf tausende von friedlich Feiernden zu übertragen.

Quelle: op-online.de

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