Orwischer und Rödermärker

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Helmut Schwarzkopf (war ein Urberacher Original im besten Sinne. Am 12. September 2009 starb er im Alter von 83 Jahren. Tochter Andrea (hintere Reihe, 2. von links) will die Erinnerung an ihren Vater mit einer Sammlung seiner Gedichte wach halten. Am Entstehen des Werkes waren Martina, Sophia und Susi Schwarzkopf sowie Anna Reisert (untere Reihe, rechts) und Norman Becker beteiligt. Er war der Mann, der die ganze Geschichte von außen betrachtete.

Urberach ‐ Helmut Schwarzkopf schrieb dieses Gedicht im Oktober 2004, fünf Jahre vor seinem Tod. Lange bevor er starb, sorgte er mit einer knappen Anordnung dafür, dass er tatsächlich nicht vergessen wird. Von Michael Löw

„Darum die Bitte an die Meinen, nicht lange trauern oder weinen. Schon gut, wenn ihr mal an mich denkt und euren Schritt zum Grab hin lenkt.

Und dort beweist dan während dessen, dass ich zwar tot, doch nicht vergessen!“

„Andrea, des mechste dann emol!“. Der Tochter war der Wunsch des Vaters Befehl, und sie machte sich an die Arbeit. Das Ergebnis ist der Gedichtband „Was bleibt, ist die Erinnerung...“ Andrea Schwarzkopf hat das Büchlein gerade im Töpfermuseum vorgestellt.

Helmut Schwarzkopf war Orwischer mit Leib und Seele, stellte aber schon früh das her, was Bürgermeister Roland Kern heute so gern Rödermark-Gefühl nennt - denken und handeln über die Grenzen eines Ortsteil hinweg, dort aber fest verwurzelt. In seinen Kerbsprüchen stichelte Helmut Schwarzkopf kräftig gegen „die annern“, gemeint sind natürlich die Ober-Röder. Doch zitierte unsere Zeitung die pointiertesten Stellen, ließ der Anruf nicht lange auf sich warten: Eins, zwei liebevolle Sätze hätten der Objektivität wegen doch in den Artikel gehört.

Doch egal, ob Oweräirer oder OFFENBACH-POST‘ler: Verletzen wollte Helmut Schwarzkopf mit seiner Kritik niemanden.

„Mir müsse uffbasse, dass mer nix Verkehrtes schreiwwe“, bat seine Witwe Susi die Tochter immer wieder, wenn sie gemeinsam den Nachlass sichteten. Auch hinter dieser Bitte stand die Sorge, ob Ober-Roden nicht zu schlecht wegkommt.

Die gedruckten Erinnerungen an den Orwischer par excellance entstanden in der Nähe von Berlin. Dort lebt Kunsthistorikerin Andrea Schwarzkopf seit dem Mauerfall. „Aus einer anderen Perspektive wird man gelassener“, kommentierte sie ihre Zeitreise, die sie aus einer Entfernung von mehr als 600 Kilometern startete. Doch der Kontakt zur Familie riss nie ab. Alle vier bis sechs Wochen kommt Andrea Schwarzkopf aus Klein-Manchow nach Urberach.

Herausgeber des Büchleins ist der Heimat- und Geschichtsverein Rödermark, zu dessen rührigsten Mitgliedern Helmut Schwarzkopf zeitlebens zählte. Es kostet 7,50 Euro und ist in den Buchhandlungen Am Gänseeck in Urberach und in der Dieburger Straße 80 in Ober-Roden, im Töpfermuseum und im Textilhaus Schwarzkopf zu haben. 750 Exemplare wurden bisher gedruckt.

Quelle: op-online.de

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