Oskar Berneburg

Ein unbequemer Kümmerer

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Den wenig offiziellen Anschluss an den Vatikan dokumentiert Berneburg am heimischen Partykeller.

Messenhausen - Oskar Berneburg ist der inoffizielle „Bürgermeister von Messenhausen“. Von Michael Löw

Den Messenhäusern sagte man früher wenig schmeichelhaft nach, dass in drei Häusern zehn Spitzbuben wohnen. Neidvoll erkennen Ober-Röder und Urberacher aber an, dass im 800-Einwohner-Stadtteil drei Männer um das Amt des „Bürgermeisters von Messenhausen“ wetteiferten. Das ist zwar einer jener berühmten Titel ohne Mittel, zeugt aber von einer gehörigen Portion Respekt. Denn auch ein Bürgermeister ohne Wählerauftrag nimmt sich die Anliegen seiner Nachbarn zu Herzen.

Oskar Berneburg ist ein solcher Kümmerer. Der 73-Jährige meldet dem Ordnungsamt Falschparker an unübersichtlichen Ecken oder der Heag kaputte Straßenlampen. Seit zehn Jahren ist er Wahlvorsteher in Rödermarks einzigem echten Wahl-Lokal, dem „Grünen Baum“. Diese Messenhäuser Besonderheit gehört allerdings seit dem Supersonntag im September der Vergangenheit an: Weil während des Auszählens zu viel Betrieb im Gastraum herrschte, wich der Magistrat in die Halle des Tennisclubs Ober-Roden aus. Das war"s dann mit der Stammtischpolitik.

Organisator des ersten Fastnachtszugs

Oskar Berneburg hat „seinem“ Messenhausen eine höchst prominente Partnerstadt verschafft. Wer genau aufs Ortsschild schaut, entdeckt dort den Zusatz „Verschwistert mit Hollywood“. Den hat er vor Jahren schon aufgemalt, doch der Rödermärker Politprominenz fiel er erst auf, als sie im August 2012 bei der Premierenfahrt des Stadtbusses vorbeikam.

Anfang der neunziger Jahre organisierte Oskar Berneburg den ersten Fastnachtszug in Messenhausen. „Die meisten haben die Rollläden runtergelassen, weil sie nicht wussten, was da passiert“, schildert er den - höflich formuliert - bescheidenen Erfolg als Zugmarschall. Im Frühjahr 1990 stand dagegen fast ganz Messenhausen hinter Oskar Berneburg. Alfons Maurer, Erster Stadtrat und Kulturdezernent, wollte den zentralen Platz mit einer Stahl- und Steinplastik des in Messenhausen lebenden Bildhauers Kurt Max Schulz-Schönhausen aufhübschen. „Ich glaube, dass ich solche Skulpturen schon einmal gesehen habe. In Frankfurt nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg“, erboste sich Berneburg. Rolf Hottner rief ihn dann zum „Bürgermeister von Messenhausen“ aus.

Unsere Zeitung stellte Schulz-Schönhausens Entwürfe öffentlich zur Diskussion. Knapp 50 der 790 Messenhäuser schrieben, was sie davon halten - nämlich so gut wie nichts. Und die schweigende Mehrheit stimmte den Aufrührern zu. Längst unterstreicht eine Grünanlage an der Einmündung der Hohe in die Urberacher Straße den dörflichen Charakter, auf den viele Messenhäuser so großen Wert legen.

2006 brachten „Bürgermeister“ Berneburg und seine Anhänger Messenhausen ins Fernsehen. Im „Dolles Dorf“-Wettbewerb des Hessischen Rundfunks reichte es für die Endrunde. Das Gerücht der streitsüchtigen Messenhäuser enthält übrigens mehr als nur ein Körnchen Wahrheit und machte die Leute zu Frühaufstehern. Lagen nämlich zwei alteingesessene Familien miteinander im Clinch, ging"s ruckzuck vor Gericht. Und wer morgens zuerst in Dieburg aufkreuzte, bekam normalerweise Recht.

Quelle: op-online.de

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