Ministranten verkaufen Gebäck

Ostersymbol aus dem Backofen

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Rund 500 Eier und 100 Päckchen Butter haben die Ministranten der Nazarius- und der Gallus-Gemeinde zu Osterlämmern verbacken.

Urberach -  Süße Freude der Auferstehung verkaufen die Ministranten an Ostern. Sie haben 200 Teiglämmer gebacken, die eine urchristliche Symbolik auf die Kaffeetafeln in Ober-Roden und Urberach bringen. Von Christine Ziesecke 

Agnus Dei, Lamm Gottes, ist das Symbol für Ostern, ein fester Bestandteil der christlichen Bibelauslegung wie auch der Kunst. Als Osterlamm, gekennzeichnet mit der Siegesfahne, ist es ein Zeichen für die Auferstehung Jesu Christi. Agnus Dei sind zudem die ersten Worte eines Gebets oder Gesangs der eucharistischen Liturgie.

Das Symbol des Osterlamms hat seinen Ursprung im Neuen Testament. Mit dem Lamm ist Jesus selbst gemeint, denn bei im Evangelium, Johannes 1,29, steht: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt“. Damit werden Tod und Auferstehung Jesu angesprochen, durch die er die Menschen erlöst hat, und eben diese Erlösungstat wird in jenen Tagen besonders gefeiert.

Das Lamm ist zugleich Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere und zudem das klassische Opfertier im Alten Testament. Im frühen Christentum was es nämlich üblich, Lammfleisch unter den Altar zu legen, das geweiht und schließlich am Auferstehungstag als erste Speise gegessen wurde.

Das Osterlamm - aber nicht geschlachtet, sondern gebacken - darf deshalb auch am Ostersonntag traditionell auf keiner Kaffeetafel fehlen. Der Teig schön fluffig, das Schäfchen aber kompakt und mit einer gute Figur – so ist das seit Jahrhunderten Brauch, und der wird meist von den Müttern auf die Kinder überliefert. Mit dem Backen der Osterlämmer hatte es früher so seine Tücken: Zu Zeiten der alten Weißblech-Backformen, in denen die Lämmer dann auf dem Kopf stehend im Herd waren, kippte schon mal eine etwas wackelige Form um, und der als Biskuitteig durch den Ofen. Und hatte man es duftend und appetitlich hellbraun glücklich aus dem Ofen geholt und löste die Form, so blieb immer wieder der Kopf drin hängen.

Unzählige Osterlämmer wie wahrscheinlich auch -küken standen wohl nur dank dem bewährten Trick eines oder mehrerer Zahnstocher zwischen Körper und Kopf auf den Festtagstischen. Je dicker die Puderzuckerschicht, umso weniger sah man glücklicherweise die Schwachstelle.

Keine Probleme damit hatten Jahr die Ministranten der beiden katholischen Kirchengemeinden. Sie backten zwei Vormittage lang im Akkord, um den Gottesdienstbesuchern in der Auferstehungsnacht schön verpackte Symbole der Osterfreude – Agnus Dei – anbieten zu können.

500 Eier und 100 Päckchen Butter haben die Gallus- und Nazarius-Ministranten verbacken. Dass die in Zellophan verpackten Lämmer in diesem Jahr für sieben Euro zu kaufen sind, hat einen ganz einfachen Grund: Allein die Butterpreise sind seit dem Palmsonntag 2017 um über 100 Prozent gestiegen. „Letztes Jahr habe ich dafür 75 Cent bezahlt und heute 1.59 Euro“, staunte Diakon Eberhard Utz.

2005 hat er das Lämmerbacken zugunsten der Ministrantenkasse – damals noch in Weiterstadt – ins Leben gerufen, und seither macht’s ihm sichtlich Spaß. In Rödermark steht ihm seit Jahren Ingeborg Kiesling zur Seite, die schon frühmorgens zuhause die erste Schüssel Teig vorbereitet, damit die Ministranten gleich loslegen können, wenn sie zum Backen anrücken.

Wer jetzt Appetit bekommen hat oder den Rödermärker Ministranten etwas Gutes tun will, der kann die gezuckerten Lämmer nach allen Ostergottesdiensten in der Gallus- und in der Nazarius-Kirche erwerben. Jeweils 100 warten pro Gemeinde attraktiv in Zellophan verpackt auf Käufer; die Urberacher mit der traditionellen Fahne im Rücken, die Ober-Röder ohne dieses Symbol.

Aber alle wollen sagen das sagen, was ein Passionslied des evangelischen Theologen Paul Gerhardt so klar ausdrückt: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Sünder.“

Quelle: op-online.de

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