Papagei macht Nachbarn an: „Halt"s Maul!“

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Nicht gesucht und doch gefunden haben sich der Urberacher Senioren-Leichtathletikweltmeister Edmund Seib und sein Graupapagei Hexe.

Urberach (chz) - Tierisch gut drauf – das ist auch ein Graupapagei in Urberach. Hier bringt er die Welt von Edmund Seib ein wenig durcheinander.

Der 85-jährige gelernte Feinmechaniker, der früher bei der T&N gearbeitet hat und den Rödermärkern als Sänger und vor allem als Leichtathlet und Seniorenweltmeister bekannt ist, hat in dem Papagei mit dem rotem Schwanz einen idealen Gesprächspartner gefunden.

Ins Haus kam der Vogel vor rund 30 Jahren, als Ehefrau Elli und Tochter Carola ihn auf einem Hoftor in der Pfalz entdeckten und er sie mit „Wer seid ihr denn? Und wie heißt ihr?“ begrüßte. Damit hatte der Papagei die Seibs gleich um den Finger oder besser die Kralle gewickelt.

Statt im Hof lebt der Vogel allerdings nur noch in einer großen Voliere – nachdem er dreimal „ausgebrochen“ ist und von Edmund Seib kaum mehr einzufangen ist, den er zum Hohn auch noch aus der Freiheit mit „Gell, da guckste!“ begrüßte. Tatsächlich hatte der Graupapagei wohl so lange gescharrt, bis er die Bodenplatte langsam aus dem Käfig geschoben hatte und er sich dann durch den schmalen Schlitz zwängen konnte. Spätestens da hatte er seinen neuen Namen Hexe weg. „Weil er so frech ist“, schmunzelt Seib.

„Guten Morgen, mein Schatz!“

Eigentlich gehört der Graupapagei seiner Tochter, die aber berufstätig ist, so blieb er halt beim Vater. Hexe macht viel Schmutz, aber für den gesprächigen Edmund Seib ist sie der ideale Partner nach dem Tod seiner Frau: „Schon morgens begrüßt er mich mit Guten Morgen, mein Schatz!“. Gefrühstückt wird gemeinsam, Knäckebrot mit ganz dünn Butter drauf, ein kleines Stück für den zweiten Vogel, ein Mohrenköpfchen; ein großes Stück für „Hexe“, und den Rest für Edmund Seib. „Und wenn ich zu meiner Jacke greife und Richtung Tür schaue, kommt prompt ‚sei schön brav, ich bin gleich wieder da’“. Wo der Vogel das wohl nur her hat? „Manchmal redet er auch Hochdeutsch mit mir, dann sagt er „E-d-m-u-n-d!“, hat der Ur-Orwischer Seib schon überrascht beobachtet.

Perfekt dargeboten sind die Lieder des Papageis, den Hochzeitsmarsch kann er angeblich in allen Höhenlagen pfeifen. Das Mohrenköpfchen, Hexes Gefährte im Käfig nebendran, schreit dagegen nur und wird dafür des Öfteren vom Papagei mit „Halt’s Maul!“ zur Raison gebracht. Manchmal irritiert er auch die Passanten auf der Straße, indem er sie anspricht - vor allem, wenn er im Sommer auf den Balkon ausquartiert wird.

Verblüffend: Jetzt, nach gut 30 Jahren in der Robert-Bloch-Straße, hat das Weibchen erstmals drei Eier gelegt – ohne Männchen dazu leider völlig sinnlos. Aber das Brüten hat Hexe bedeutend ruhiger gemacht. Doch der Tierarzt hatte Edmund Seib empfohlen, die Eier aus dem Käfig zu nehmen. Hexe dürfte noch viel Spaß haben: Denn ein Graupapagei kann 70 bis 80 Jahre alt werden – und hat da im 85-jährigen topfitten Edmund Seib ein gutes Vorbild...

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Quelle: op-online.de

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