Pappkamerad als Vorsitzender

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Viel Spaß hatten die Gäste im engen, aber gemütlichen Saal des BSC-Heims beim diesjährigen Kappenabend.

Urberach - „Mir hier beim BSC sin schon en mords Verein, ihr könnt's mir glaube. Die Mitglieder duhn dem Vorstand noch de ganze Verstand weg raube. Mer habbe nämlich als noch kaan Präses, nur so en Stegge, es will ihn aach kaaner mache, all duhn sich verstecke . . .“ Von Christine Ziesecke

Mit diesen offenen Worten des Präsidenten des Kappenabends Martin Hofmann und einer namenlosen Papp-Puppe an der Bütt war das größte Problem des Vereins bei der närrischen Veranstaltung gleich ausgesprochen. Doch der aufs offizielle Altenteil zurückgezogene Ex-Vorsitzende Dieter Hüllmandel nahm bei diesen Worten nur einen kräftigen Zug aus dem Weißbierglas und deutete auf seine Brust, wo in weiß auf schwarz „Orwischer derfe des!“ prangte, und lächelte bedauernd - aber verständnisvoll in die Runde.

Doch auch wenn sie deshalb Sorgen plagten, so ließen die BSC-Mitglieder und ihre Gäste es sich an ihrem 59. Kappenabend nicht anmerken, sondern feierten ausgelassen im vollgestopften BSC-Saal, der erneut bewies, dass kleine, enge Räume die Stimmung gewöhnlich intensiver machen.

„So woars im letzte Joar“, betrachtete Martin Hofmann in seinem Protokoll, das vieles von der großen Welt bis zum kleinen Rödermark fokussierte. Hier gab‘s vor allem durchaus tiefsinnige Gedanken zu den derzeitigen politischen Farbenspielen, zu Kreiselkranichen und Kirchenfrieden, besonders aber zum Lieblingsthema Rodau. Der Dammbauer widersprach physikalisch rechtens den Ober-Röder Fastnachtshoffnungen auf ein geflutetes Orwisch und freute sich über den nunmehr freien Lauf des Baches.

Mit der Diäthymne „Tausendmal gewogen“ brachte er schließlich auch alle Gäste ins Grübeln und zum Mitsingen, während sonst überwiegend Stefan Hofmann am Keybord und am Mischpult für den rechten Schwung sorgte.

Urlaub war im vergangenen Jahr wohl angesagt - gleich zwei Urlauber berichteten von ihren Eskapaden: BSC-Eigengewächs Sven Rebel aus Spanien und Bernd Kosselek - diesmal ohne seinen langjährigen Büttenbegleiter Maik Behrmann - aus Bali.

Doch auch einen närrischen Gast aus Dietesheim gab es zu begrüßen: Uwe Reibold gab seinen Einstand in der Bütt des BSC und wurde herzlich empfangen.

Am Ende mit Rose und Kuss erlöst

Nicht umsonst am Ende der Kappenabende steht alle Jahre wieder ein Fastnachter, der den Saal jedes Mal fest im Griff hat: Nach seinem „Erbunfall“ zu Beginn des Abends gab‘s den Höhepunkt zum Schluss: Die „wilde Hilde“ alias Herbert Sulzmann suchte händeringend einen Mann! Mit weiblich-hysterischer Stimme und erheiternden Gesangsrefrains wurde das Publikum mitgerissen. „Trotzdem bin ich verrückt wie der Hund in der Pfann, denn ich such einen Mann!“

Am Ende fand sich auch einer, der Hilde Sulzmann mit Rose und Kuss erlöste. Zu toppen war dieser Programmpunkt nur noch durch die Rodauschiffer, die Gesangstruppe des BSC, die in ihren Liedtexten Orwisch und vor allem die östlichen Nachbarn unter die Lupe nahmen, aber auch die Gäste zum Mitsingen ermunterten: „Ich war noch niemals in Bad Orb, ich war noch nie in Reichelsheim - einmal verrückt sein und durch Darmstadts Straßen zieh'n...“

Doch eben dieses Publikum entließ die vier Rodauschiffer Marcella und Rudi Hagenauer, Alfons Weckesser und Martin Hofmann nicht ohne Zugaben wie „Nüsschen“ oder „Zwiwwel“.

Arm dran waren an diesem Kappenabend nur die Bedienungen, die sich bis spät in die Nacht durch die engen Stuhlreihen quetschen mussten und reichlich Getränke und andere Kalorien unter die Leute brachten.

Quelle: op-online.de

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