Percussion-Workshop

Bauchdecke wird zum Trommelfell

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Der eigene Körper und auch der des Nachbarn oder Gegenübers musste beim Musikschul-Workshop als Resonanzboden herhalten.

Urberach - Schön ist’s, Trommeln, Bongos oder Cajons zu haben, um darauf zu schlagen. Aber zur Not tut es der eigene Körper oder der des Nachbarn auch! Der 20. Geburtstag der Musikschule beschert den Rödermärkern eine Fülle von Sonderveranstaltungen für Kinder und Erwachsene. Von Christine Ziesecke

Gut besucht und offensichtlich auch ein ganz besonderes Vergnügen war der Workshop „Drum- & Body-Percussion“ der Musikschulgründerin und stellvertretenden Schulleiterin Gaby Schrenk.

Rhythmus ist dabei fast alles. Doch wie merkt man sich längere Folgen unterschiedlicher Rhythmen, wenn die eigenen Hände doch noch mit dem ersten kurz-kurz-lang oder auch lang-kurz-kurz-lang beschäftigt ist? Am besten – so vermittelte das Gaby Schrenk deutlich und doch einfühlsam – prägt man sich Wortfolgen im gewünschten Duktus ein: „Hallo, gu-ten A-bend, su-per, dass du da bist“ oder auch lang-kurz-kur-kurz-lang-kurz – und das zwei mal hintereinander.

Mit Text klappt‘s einwandfrei

Das klappte bei den rund 35 Teilnehmern auf Anhieb. Und zwar ohne die üblichen Instrumente wie Bongos, große und kleine Trommeln oder Cajons, die viereckigen Klangkästen, die man sitzend mit den Händen bearbeitet. Stattdessen wurden die Töne durch Klatschen auf die Oberschenkel, auf die Brust, Schnippen mit den Fingern und durch Klatschen erzeugt. Solange der Text mitgesprochen wird, geht’s einwandfrei, ohne Text fiel das Ergebnis bei einigen Trommlern schon origineller aus.

Volle Konzentration, ansteckende Spielfreude und stille Hingebung: An den Instrumenten spiegelten sich so ziemlich alle Gefühlsregungen wieder.

Anfängliche Zurückhaltung oder gar Scheu verschwanden restlos. Im Kurs wurde herzlich gelacht und gekichert über die eigenen Verwirrungen. Als die Teilnehmer auch noch frei im Raum herumliefen und sich im Takt ihren Gegenübern beim Abklatschen vorstellten, schmolzen endgültig die Hemmungen zwischen 11- und 70-Jährigen und praktisch allem Altersklassen dazwischen. Hier war ist fast jeder Anfänger. Einzige Ausnahme: Das Jugendorchester des Musikvereins 06 Urberach hatte kurzerhand seine Probe sausen lassen und war geschlossen mit von der Partie. Egal, ob Dirigent oder Schlagzeuger - da war Rhythmus im Blut. Doch Gaby Schrenk verstand es, mit Pep und großer persönlicher Freude am Rhythmus, auch alle nicht Vorgebildeten zu ermutigen und zu motivieren. Am Ende trommelten sie das Erlernte sogar im vierstimmigen Kanon heraus.

Wie von tausend Ameisen durchlaufen

Der Wechsel zwischen Body-Percussion auf menschlichen Körpern und dem echten Trommeln auf Instrumenten ließ die angesetzten eineinhalb Stunden wie im Fluge vergehen, nur Handflächen und Fingerspitzen kribbelten letztlich wie von tausend Ameisen durchlaufen. Für die Teilnehmer war’s ein großes Vergnügen, in dem sie sich rhythmisch ausleben und sich auf keinen Fall blamieren konnte.

Nicht so gut besetzt waren die ersten Geburtstagsangebote der Musikschule für kleinere Kinder. Weder in Ober-Roden noch in Urberach waren die musikalisch umrahmten „Geschichten und Musik“ auch nur annähernd voll. „Das ist heute durchaus nicht mehr einfach. Selbst die Kindergarten-Kinder haben nachmittags kaum mehr frei, weil sie oft noch in der Kita sind“, bedauerte Gaby Schrenk die Situation, die ähnlich auch für Schulkinder gilt.

Infos zur Musikschule und zu dem Percussion-Workshop gibt‘s hier.

Quelle: op-online.de

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