Gelegenheit zum Ausprobieren beim Pfingstwaldfest

Neuer Trendsport Blasrohrschießen: Schützen brauchen gute Lungen

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Bisher mehr am Bogen zuhause als am Blasrohr: Patrick Delmer vom SV Diana bei seiner ersten Kontaktaufnahme mit dem neuen Trendsport.

Ober-Roden -  Früher waren es Papierkügelchen, die mit einem Trinkröhrchen durchs Klassenzimmer geblasen wurden. Aus dem Blasrohrschießen ist seither ein anerkannter Sport geworden, der in rasanter Geschwindigkeit an Beliebtheit zulegt. Von Christine Ziesecke 

Beim Waldfest des Schützenvereins Diana nutzten viele Besucher die Gelegenheit, die Trendsportart auszuprobieren. Schon nach wenigen Übungsschüssen erzielten die Neulinge erste Erfolge. Erleichtert wurden sie dadurch, dass die beiden Zielscheiben nur sieben und acht Meter entfernt standen. „Bis dahin geht das noch recht gut, bei der offiziellen Entfernung wird’s ab neun oder zehn Metern sehr viel schwieriger“, sagt Jürgen Woodfin. Er muss es wissen: Der Dieburger gilt in der Blasrohrszene als einer der Besten. Er ist bayerischer Landesreferent fürs Blasrohrschießen und war früher bei den Diana-Schützen in Ober-Roden aktiv. Da lag es nahe, ihn zum jährlichen Pfingstwaldfest einzuladen.

Diana-Vorstand Peter Gotta traf als absoluter Anfänger schon beim dritten „Schuss“ das gelbe Innerste. Die Elite in diesem Sport trifft fast ausschließlich in die goldene Mitte mit ihren 60 Schuss pro Wettkampf.

Für welchen Rohrdurchmesser zwischen 10 und 16 Millimeter sich die Sportler entscheiden, ist ihre Sache: je dünner, desto streuungsarmer, aber auch desto mühsamer. „Meist fangen die Teilnehmer dabei schon mit einem richtig roten Kopf an“, berichtet Woodfin. Eingeatmet wird so viel Luft wie nur möglich, nicht nur die übliche Brustatmung, dann wird sie in einem Schub hinausgedrückt. Wie viel dieser Luft fälschlich seitlich zwischen den Lippen entweicht, lässt sich leicht an dem „Pups-Ton“ erkennen, der deutlich zu hören ist.

Der neue Sport verbreitet sich nicht zuletzt dadurch so rasant, dass er preiswert ist. Die Zielscheiben sind auf günstigen Styrodur-Platten montiert. Viele Könner bauen sich ihre Rohre aus allen erdenklichen Materialien selbst. Ein fertiges, gut funktionierendes Rohr kostet etwa 20 bis 30 Euro, hundert der eigentlich nicht zerstörbaren Pfeile kosten rund acht Euro. Das gilt aber erst, wenn alles wieder lieferbar ist, denn derzeit kommt die Produktionsfirma der Mundstücke aufgrund der großen Nachfrage einfach nicht nach.

Bei Jung und Alt gefragt: die Tell-Armbrust, an der sich auch absolute Laien wie Levin Dreimann (10) im Beisein von Diana-Fachmann Michael Zimmer ausprobieren konnten.

Für knapp 100 Euro kann sich ein Verein schließlich drei Blasrohre samt Material kaufen und als zusätzliche Attraktion anbieten. Das erhofft sich Jürgen Woodfin auch vom Schützenverein Diana, nachdem schon Schützenvereine in Rodgau und Dietzenbach ihr Angebot damit erweitert haben. Derzeit hat Jürgen Woodfin viele Anfragen von Vereinen, aber auch von Firmen, die damit ihre Konferenzen und Meetings aufpeppen. So freut er sich schon auf eine Infoaktion an der philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, wo angehende Pfarrer den neuen Trendsport zur Entspannung ausprobieren werden.

Während des Pfingstwaldfestes gab es das alles samt dem kleinen Tuch zum Reinigen der Mundstücke zum Probierpreis von 50 Cent. In dieser Gebühr war das Testen von Blasrohr-, Armbrust- und Bogenschießen enthalten. Die neugierigen Besucher nutzten die Gelegenheit reichlich. Bei recht passablem Wetter spielten der Musikverein 03 und der Musikverein Viktoria 08 für die Waldfestgäste auf.

Quelle: op-online.de

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