Pflege zu Hause ist ein Knochenjob

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Zehn Frauen und zwei Männer absolvierten den Krankenpflege-Kurs.

Urberach - (chz) Die Caritas-Sozialstation in der Ober-Rodener Straße bietet mit ihren Fachkräften nicht nur ambulante Pflege an, sondern schult auch - meistens jährlich - pflegende Angehörige für ihre schwierige Aufgabe zu Hause.

Gesponsert von einer Krankenkasse im Rahmen der Pflegeversicherung, traf sich über mehrere Wochen hinweg eine Gruppe von zehn Frauen und zwei Männer. Ziel des Kurses: die Pflege daheim durch bessere Techniken und neue Hilfsmittel für Patient und Angehörigen leichter zu machen.

Teilnehmer zwischen 20 und 70 Jahre alt

Im Beisein der stellvertretenden Leiterin der Sozialstation, Renate Jacobi, beschloss ein Abend zum Thema Demenzerkrankung die Fortbildungsreihe. Die Teilnehmergruppe war breit gefächert, von Anfang 20 bis über 70 Jahre alt, aus Rödermark und der engeren Umgebung. Aber mit Ausnahme eines angehenden Altenpflegeschülers hatten alle den gleichen Hintergrund: Sie haben durchwegs schwer kranke Angehörige zu Hause und wendeten das Gelernte gleich an. Oder sie stehen kurz davor und wollten sich auf die Situation rechtzeitig vorbereiten.

Begleitet und angeleitet hat sie die examinierte Krankenschwester Waltraud Berg-Heil, die ihnen Wissen und Handfertigkeit vermittelte, aber auch Mut und Kraft zusprach. Und oft waren es schon die Gespräche untereinander in der Gruppe, die weiterhalfen.

Mischung aus Theorie und Praxis

Die Kurseinheiten bestanden jeweils aus Theorie- und Praxisteilen. In der Theorie behandelte Waltraud Berg-heil so unterschiedliche Aspekte wie häusliche Situation, die Schwierigkeiten mit der Pflegeversicherung oder Sterbebegleitung.

Die Praxis beschäftigte sich von Fertigkeiten wie Führen eines Kranken oder Heben und Tragen bis zu isometrischen Übungen oder auch der Erstellung einer Patientenverfügung. Alle Pflegehilfsmittel waren vom Urberacher Sanitätshaus Klepper und May zur Verfügung gestellt worden, so auch Rollatoren, Gehböcke, Badewannenhubvorrichtungen und Pflegebetten.

Im lebhaften Gespräch ließ die Kursleiterin immer wieder Informationen einfließen, die für die pflegenden Angehörigen wichtig sind - etwa das Wissen, dass ein Pflegender nach einem Jahr Betreuung in einer Pflegestufe eine Anrecht auf 28 Tage Urlaub hat. Gerade solche Informationen machten den Angehörigen Mut, auf ihre Rechte bei Bedarf auch zurückzugreifen.

Mit Scham auseinandersetzen

Oft sind es die Scham, eigene Unzulänglichkeiten zuzugeben, oder die Scheu, „niemand Fremdes ins Haus“ zu lassen, die es Angehörigen sozusagen verbieten, die Hilfe von Pflegediensten in Anspruch zu nehmen. Dann sind die Verwandten rasch überfordert. Auch die spezielle Problematik etwa einer Mutter-Tochter-Beziehung erschwert viele Pflegeverhältnisse.

Sehr zufrieden zeigten sich die Teilnehmerinnen am letzten Kursabend. „Wir haben alle dazu gelernt, auch die, die schon seit längerer Zeit pflegen. Wir erfuhren nicht nur Theorie, sondern haben auch sehr anschaulich geübt und viele praktische Tipps bekommen“, waren sie sich einig, und beruhigt erklärte eine der Frauen: „Wenn in meiner Familie demnächst jemand meine Hilfe braucht, bin ich wirklich besser vorbereitet.

Quelle: op-online.de

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