Haus Morija setzt auf leuchtende Therapiebälle

Rödermark: Pflegehelfer mit Strahlkraft

Leuchtkugel bringt Erinnerungen zurück: Nur wenn er in Bewegung ist, fordert der Ichó-Therapieball die betagten Bewohner im Wohnbereich „Mohn“ des Hauses Morija mit Musik, Rätseln und vielen weiteren Möglichkeiten heraus.
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Rödermark: Leuchtkugel bringt Erinnerungen zurück: Nur wenn er in Bewegung ist, fordert der Ichó-Therapieball die betagten Bewohner im Wohnbereich „Mohn“ des Hauses Morija mit Musik, Rätseln und vielen weiteren Möglichkeiten heraus.

Das Altenheim Haus Morija in Rödermark setzt bei der Arbeit mit dementen Bewohnern auf leuchtende Therapiebälle. Mit Licht, Bewegung und Geräuschen wecken sie bei den Senioren längst vergessene Erinnerungen.

Rödermark - Es sieht ein wenig aus wie eine nächtliche Séance, eine Art spiritistische Sitzung, was da wöchentlich in allen Wohnbereichen, vor allem aber der Demenzgruppe, des Hauses Morija abläuft: Im leicht abgedunkelten Raum der „Mohn“-Gruppe rollt ein in verschiedenen Farben leuchtender Ball in der Größe einer Pampelmuse über den Tisch. An dem sitzen fünf Bewohnerinnen und Bewohner des Altenpflegeheims zusammen mit zwei Betreuerinnen und beobachtet von Heimleiterin Schwester Sibylle Heiß.

Sie ist völlig überzeugt vom Wert dieser Ichó-Bälle, die bei den Menschen, die sie bewegen, Gefühle auslösen, Erinnerungen wecken und längst verschüttet geglaubte Aktivitäten in Gang setzen. Nach einem vorsichtigen Herantasten an die vielfältigen Möglichkeiten dieser kleinen technischen Wunderwerke freut sich Sibylle Heiß: „Die ersten Bewohner in der Wohngruppe Mohn, in der ausschließlich demente Menschen leben, bekamen strahlende Augen und ließen sich voll auf die Funktionen von Singen bis Raten ein.“

Drei dieser rund 1 500 Euro teuren Ichó-Bälle besitzt das Heim dank Spenden des Freundeskreises ProMorija, der Lions Rodgau-Rödermark und der Sparda-Bank Hessen sowie privater Zuwendungen. Mit einer Fernbedienung von der Gruppenleiterin gesteuert, bieten sie verschiedenste Musikauswahlen, Rätsel, Sprichwörter und vieles mehr. Nur wenn die Kugel in Bewegung ist, geht’s weiter – ein schnell umgesetzter Zwang zur Motorik, der auch noch das Erinnern und die Sprache fördert.

„Bitte drücken Sie eine Taste auf der Fernbedienung!“ erklingt aus dem Inneren des Balles. Betreuungskraft Ursula Wagner, die gemeinsam mit Ramona Grabowski und mit der Liste der vielen Möglichkeiten, die der Ichó-Ball bietet, in der Runde zwischen den betagten Menschen sitzt, entscheidet sich erst für Drehorgelklänge, dann für Märchen. Der Froschkönig wird vom Ball als des Rätsels Lösung verlangt, aber ebenso spontan wie unpassend kommt von einem der Bewohner ein lautes „Kamel!“ in die Runde.

Auch gut, Ursula Wagner schaltet auf Tierstimmen um. Wird der Ball gerollt oder gedreht, ertönt ein neuer Laut und weck bei fast allen Teilnehmern Erinnerungen: Bei „Miau“ wird die Antwort „Schwein“ vom Ball nicht anerkannt. Was sich dadurch bemerkbar macht, dass kein weiteres Geräusch kommt, bis die richtige Antwort erfolgt. Es geht lebhaft weiter, alle hören zu und reagieren auf ihre Art. Aber es wird auch schwieriger. Wie erkennt man einen Hamster?

Einem der Rater wird’s zu viel: „Den Ball tun wir jetzt weg!“ Was nur ein sehr entschiedenes und lautstarkes „Der bleibt da!“ seiner Platznachbarin zur Folge hat. Der Ball bringt alle in Bewegung. Und so mancher, der sonst eher stumm verharrt, redet auch.

Derzeit leben 16 Frauen und Männer in der Gruppe „Mohn“, dem gerontopsychiatrischen Bereich im Altenpflegeheim Haus Morija; darunter eben auch Martha P., Edith R., Maria S. und Karl-Michael H. Später zur dazugestoßen ist diesmal Artur Q. – die Betreuerin rollt ihm den Ichó-Ball zu, den sie mit der Fernbedienung mittlerweile auf die Sparte „Sprichwörter“ umgestellt hat. Die Stimme aus dem Innern fragt: „Man muss die Feste feiern, wie sie...?“ Nach der zweiten Aufforderung ergänzt der alte Herr im Brustton der Überzeugung: „...wie sie fallen!“ Dazu stellt er entschuldigend fest: „Ich habe doch mein Hörgerät in meinem Zimmer vergessen – da hab ich’s nicht gleich verstanden!“ (Christine Ziesecke)

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