Ersatzfamilie wartete vergeblich aufs Geld

Pflegemutter streitet mit Jugendamt

Urberach - Andrea Constant hat neun Wochen lang ein Mädchen, das bei seinen Eltern rausgeflogen ist, bei sich aufgenommen. Fast genauso lang kämpft sie mit dem Kreis ums Pflegegeld. Von Michael Löw

Als unsere Zeitung gestern dort nachhakte, ging alles ganz schnell: Die Frau bekommt den vollen Satz von 891 Euro pro Monat.

Franziska K. (14, Name von der Redaktion geändert), stand vor drei Jahren erstmals heulend vor der Tür von Andrea Constant. „Meine Eltern streiten immer“, bat die damals beste Freundin ihrer Tochter um Unterschlupf. Die Mädels sind zwar längst nicht mehr so dick befreundet, doch für Andrea Constant war"s keine Frage, Franziska am 4. August wieder eine Bleibe anzubieten.

Ihre Eltern hatten sie im Frühjahr rausgeworfen, seither lebte sie mit Wissen des Kreises bei einer anderen Familie. Als die in Urlaub fuhr, wandte sich Franziska an Andrea Constant. Die informierte das Jugendamt und wurde gebeten, das Mädchen zwei Wochen „zu behalten“. Über Geld machte sich Andrea Constant keine Gedanken.

Fast 900 Euro Pflegegeld pro Monat

Das änderte sich aber, als der Kreis noch während der Sommerferien fragte, ob Franziska weitere vier Wochen bleiben könne. Sonst hätte sie ins Heim gemusst. Das hätte die Behörden viel, viel Geld gekostet.

Andrea Constant war hin- und hergerissen zwischen schlechtem Gewissen und eigenen Sorgen: Nach der Trennung von ihrem Mann waren Platz und Geld knapp. Sie diskutierte die Sache mit ihren Kindern und beschloss: Franziska kann bleiben. Der Kreis räumte auf Nachfrage dann auch ein, dass der Pflegemutter ein finanzieller Ausgleich für Essen, Energiekosten, Taschengeld und so weiter zusteht. Dass das fast 900 Euro Pflegegeld im Monat sind, erfuhr Andrea Constant von einem Kinderpsychologen.

„Ich habe alle einschlägigen Paragraphen des Sozialgesetzbuchs rauf und runter gegoogelt“, schildert sie den Kampf gegen die Bürokratie. Das Jugendamt hielt ihr vor, die Pflege von Franziska an sich gerissen zu haben - „selbstbeschaffte Maßnahme“ heißt das im Amtsdeutsch.

Sie konterte mit der Notsituation, in der die 14-Jährige steckte, und der Bitte des Jugendamtes, sie länger als geplant zu beherbergen. Am 2. Oktober bot der Kreis eine monatliche Aufwandsentschädigung von 660 Euro an. Das ist der Unterhalt, den das Hessische Sozialministerium im Juli 2013 festgelegt hatte.

"Der Kreis hat mich ausgenutzt"

Darüber hinaus gesteht es Pflegenden einen „Erziehungsbeitrag“ von weiteren 231 Euro zu. Genau den verweigert das Jugendamt Andrea Constant mit dem Hinweis, sie sei keine „anerkannte Pflegestelle“. Andrea Constants frustriertes Fazit: „Der Kreis hat mich ausgenutzt und abgezockt!“

Unsere Zeitung hakte im Kreishaus nach und erfuhr gestern Mittag, dass sich die Angelegenheit im Sinne von Andrea Constant geklärt hat. Pressesprecherin Kordula Egenolf knapp und klar: „Es hat Kommunikationsmissverständnisse gegeben. Die Mutter bekommt rückwirkend den vollen Pflegesatz.“

Quelle: op-online.de

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