Pillen und viel mehr

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Das Foto entstand etwa 1930. Es zeigt Edda und Paul Esser in ihrer Apotheke, die inzwischen seit 135 Jahren in Familienbesitz ist.

Urberach ‐ Auch nach 20 Arbeitsjahren mit rasantem Wandel erkennt Jochen Esser seinen Beruf noch wieder. Trotzdem hat sich in dieser Zeit sehr viel geändert. Von Bernhard Pelka

Aus der mit seiner Schwester Evelyn Rehn in der fünften (!) Generation betriebenen beschaulichen Apotheke von anno dazumal ist ein medizinisches Dienstleistungs- und Beratungszentrum mit acht Beschäftigten und einem breiten Angebot geworden.

„Früher haben wir Rezepte ausgeliefert - und fertig. Heute hingegen steht die Beratung der Kunden immer mehr im Mittelpunkt“, beschreibt der studierte Pharmazeut eine wesentliche Veränderung für seinen Berufsstand. „Die Kunden sind aufgeklärter und selbstbewusster. Sie haben einen größeren Informationsbedarf. Und das ist auch gut so.“ Tipps zur Medikation und Beratung kosten zwar Zeit. Dieser Service ist zugleich aber ein Alleinstellungs- und Qualitätsmerkmal, mit dem traditionelle Apotheken für sich werben können. Letztlich unterscheidet sie diese Rundumbetreuung wohltuend von der Konkurrenz im Internet.

Trotz rasanten Wandels im Berufsleben stellen Apotheker Jochen Esser und seine Mitarbeiter auch heute noch Kapseln, Salben und individuell dosierte Kindermedizin selbst in Handarbeit her.

Kollege Computer hat den Wandel im Apotheker-Job natürlich wesentlich beschleunigt. Noch zu seinen Praktikumszeiten - und auch kurz nach dem erfolgreichen Studienabschluss in Berlin - kam Jochen Esser in seiner Apotheke ohne PC  &  Co. aus. Das ist heute undenkbar. Ein Beispiel: Früher lief die Erfassung und Bestellung von Ware über kleine Steckkärtchen am Apothekerschrank. Heute erledigt das in der Apotheke Esser ein vollautomatischer Kommissionierautomat.

Er holt die verpackten Pillen oder Tröpfchen mit stählernen Greifarmen im Affentempo aus einem raumhohen Regal heraus, nachdem die Bestellung zuvor am PC eingegeben worden war - und stellt sie zur Verfügung. In Sekundenschnelle erreicht die Arznei durch einen Schacht den Kunden im Verkaufsraum. Besonders praktisch: Was der Computer ausliefert, bestellt er sofort nach. Deshalb gibt es nie einen Arzneimittel-Engpass. Überdies prüft das Computersystem, ob die gerade bereit gestellten Medikamente sich mit anderen Mitteln vertragen, die der Kunde bereits einnimmt. „Interaktions-Check“ heißt das in der Fachsprache.

Kontakt: Tel. 06106 3047

Angesichts der Vielzahl der Produkte spielt dieser Check heutzutage eine große Rolle. Immerhin hat sich das Sortiment der Apotheke Esser in den letzten 20 Jahren etwa verdoppelt. „Zugenommen hat besonders die Bandbreite der Generika (Nachahmerpräparate)“, erläutert der 47-jährige Apothekeninhaber.

Trotz aller Veränderungen gibt es in seiner Branche löbliche Konstanten. Zum Beispiel stellen Jochen Esser und seine sieben Mitarbeiter zahlreiche Salben, Kapseln und auch individuell dosierte Kindermedizin immer noch selbst in Handarbeit her - ganz so, wie in der guten alten (Apotheker)-Zeit.

Quelle: op-online.de

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