Plötzlich der eigene Chef

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Armin Röhnke

Rödermark/Rodgau ‐ Existenzgründer fühlen sich wie Kleinkinder beim Laufenlernen. Sie rappeln sich auf, ringen ums Gleichgewicht, torkeln, setzen sich manchmal auf den Hosenboden - und machen letztlich doch die ersten unsicheren Schritte. Von Bernhard Pelka

Genauso ergeht es Neulingen auf dem glatten Parkett der Firmengründungen. „Man ist ja plötzlich völlig auf sich selbst zurückgeworfen“, beschreibt Armin Röhnke die verunsichernde Situation.

Vor gut zwei Jahren rationalisierte sein Arbeitgeber seinen Arbeitsplatz ins Ausland weg. Nach 22 Jahren beim selben Unternehmen stand der damals 54-Jährige auf der Straße. Bewerbungen liefen ins Leere. „Wenn überhaupt etwas kam, waren es Absagen“, erinnert sich der gelernte Bauschlosser nur ungern zurück. Dann besann er sich auf seine Stärken. Das waren und sind seine handwerklichen Fähigkeiten - und sein großes Interesse am sportlichen Radfahren. Also machte sich der Dudenhöfer nach einer Gründerberatung beim Innovationscentrum Rödermark (IC) mit einem Heimservice „rund ums Haus und Fahrrad“ selbstständig. Das erste Jahr war sehr hart. Inzwischen aber läuft das Geschäft. „Aus dem Stand die Kunden und damit Anschlussgeschäfte zu bekommen, ist das Schwerste.“ Inzwischen repariert der versierte Handwerker nicht nur Fahrräder, sondern er baut auch für einen Internetgroßhändler exklusive Sporträder zusammen, liefert sie an Kunden aus und erklärt die Rennmaschinen an Ort und Stelle.

Melanie Krull

Wie holprig der Anfang sein kann, erlebt zurzeit Melanie Krull. Die gelernte Krankenschwester und studierte Sozialarbeiterin aus Dudenhofen stand 2009 nach ihrer Entlassung aus einem Seniorenheim in Kahl vor einem beruflichen Trümmerhaufen. Auch sie aber machte sich ihre Stärken bewusst und fand nach Gesprächen beim IC zur Selbstständigkeit. Schon seit Kindheitstagen kocht die 43-Jährige leidenschaftlich gern (und vor allem super gut). Mit ihrer Firma „Mels Küchenzauber“ bietet sie sich als Miet-Köchin an. Melanie Krull bekocht Geburtstagsrunden zuhause oder beliefert ihre Kunden, sie bietet sich als Küchenfee bei geschäftlichen Anlässen an, organisiert Partys und mehr.

„Kochen ist für mich wie Kunst“, schwärmt die Firmengründerin von ihrer schmackhaften Zukunft. Wer probieren möchte, ist am 20. Juni beim Jügesheimer Gassenfest richtig. Dann bietet Melanie Krull bei Frisör Parres Leckeres an.

Von 2008 bis Mitte Mai hat das IC Rödermark 211 Gründer betreut. 60 kamen aus Rödermark. Bei ihnen wurde die Erfolgsquote gemessen: 75 Prozent! Der jüngste Kandidat war 20, der älteste 72. Dienstleistungen stehen in der Hitliste der Firmengründungen ganz oben, der Imbiss-Boom reißt derzeit wieder ab. Ganz vorn sind: Haus- und Gartenservice, Frisör, Fußpflege, Nagelstudio Kfz-Aufbereitung, Fitnesstrainer.

Einer der Neu-Bosse hat sogar eine Maschinenbaufirma übernommen, in der kein Nachfolger gefunden werden konnte. Exotische Geschäftsideen lernt IC-Berater und Wirtschaftsförderer Alfons Hügemann allerdings auch kennen. Ein Kandidat gründete eine spirituelle Heiler-Schule, ein anderer verkauft nun im Internet begeisterten Sammlern Briefmarken.

Quelle: op-online.de

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