Ladung kann zum Geschoss werden

Polizei kontrolliert Lkw an der Triftbrücke

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Christoph Schwarz von der Polizeistation Dietzenbach winkte diesen Elftonner unter der Triftbrücke raus und prüfte, ob er als Anlieger durch Ober-Roden fahren durfte. Das hatte seine Richtigkeit. Aber an der Ladungssicherung im Aufbau gab"s einiges zu bemängeln

Ober-Roden - Polizei und Ordnungsamt haben gestern erstmals Lastwagen, Transporter und „Sprinter“ am südlichen Ortseingang von Ober-Roden kontrolliert. Sie stellten überwiegend Verstöße gegen die Ladungssicherung fest und verdonnerten die Fahrer dazu, die Fracht fachgerecht zu verzurren. Dieser Zeitverlust schmerzt mehr als ein „Knöllchen“.  Von Michael Löw 

Der Kleinlaster eines Gartenbauers hängt böse nach links, als Polizist Christoph Schwarz ihn gestern kurz nach elf unter der Triftbrücke an den Fahrbahnrand winkt. Er befürchtet, der Transporter ist hoffnungslos mit Erde und Rasen überladen - auch wenn der Fahrer das Gegenteil beteuert. Am gemeinsamen Kontrollpunkt von Ordnungs- und Landespolizei gibt"s keine Waage, die Beamten schicken den Gärtner zu einem Containerdienst. Dort stellt sich heraus: Der Mann hätte sogar noch weitere 800 Kilo auf die Pritsche packen dürfen. Manchmal täuscht sich auch das geschulte Auge des Gesetzes.

Doch ansonsten meldete Polizeioberkommissar Ingo Jirouschek von der Wache in Dietzenbach etliche, wenn auch unspektakuläre Treffer. Stadt- und Landespolizei kontrollierten gestern erstmals gemeinsam den Schwerverkehr an der Südeinfahrt von Ober-Roden. Die Zusammenarbeit hat sich seit Jahresbeginn in Urberach bewährt, sagte Ordnungspolizist Steffen Remus. Jetzt wurde sie auf den Nachbarstadtteil ausgeweitet.

Gut gemeint, aber trotzdem nicht richtig gemacht: Am Lastwagen eines Bauunternehmens beanstandete Ordnungspolizist Steffen Remus die Befestigung des Spanngurts direkt an der Karosserie. Der Haken hätte in eine spezielle Öse gemusst.

Allerdings mit anderen Zielen. In Urberach überwachen die Beamten die Einhaltung des Fahrverbots für Laster über dreieinhalb Tonnen. Die B 486 ist eine mautfreie und stauarme Alternative zu A 3 und A 5, wenn man beispielsweise von Aschaffenburg nach Darmstadt will. Hier winken die Polizisten immer wieder dicke Brummer raus, die auf der ohnehin chronisch überlasteten Traminer und Konrad-Adenauer-Straße nichts verloren haben. Beim April-Termin, so Jirouschek, gab"s acht Verstöße. In den Vormonaten waren es nur unwesentlich weniger.

In Ober-Roden hatten die Kontrolleure die Ladungssicherung im Auge. Das Fahrverbot über dreieinhalb Tonnen ist hier kein Thema: Welcher Lkw quält sich freiwillig durch eine kilometerlange Tempo-30-Zone, in der eine Bahnschranke zusätzliche Staus verursacht?

„Der Effekt ist Null“, erklärt Remus dem Fahrer eines Baustellenlasters. Der hat Schaltafeln, Mörtelkübel, Schaufeln und Moniereisen augenscheinlich gut verzurrt. Doch Remus sieht sofort, dass der Spanngurt in zu großem Winkel über die Bretter läuft: „Ein paar Bodenwellen, und schon fliegen sie auf die Straße.“ Für Fahrrad- oder Motorradfahrer kann eine dünne Schaltafel zum lebensgefährlichen Geschoss werden.

Der Mann vom Bau muss seine Fracht neu sichern. Das kostet Zeit und trifft ihn nach den Erfahrungen der Polizei härter als die paar Euro Bußgeld, die bei so einem Verstoß fällig sind. Egal, ob „Sprinter“ oder 38-Tonner: Die Fahrer sind die Letzten, die von den sprichwörtlichen Hunden gebissen werden. Ihnen sitzen die Disponenten im eigenen Unternehmen, die Kunden und die Polizei im Nacken.

Dennoch hält sich Jirouscheks Mitleid in Grenzen: „Das sind alles keine Laien; sie haben Sicherungsmaterial dabei. Aber sie sind zu faul, es zu benutzen.“ Deutliche Worte eines Polizisten, der schon seit Jahren Verkehrskontrollen vornimmt.

Gestern bemängelten Stadt- und Landespolizisten überwiegend kleinere Delikte. In der Regel genügten Nachbesserungen auf Pritschen oder in festen Aufbauten, die Fahrer brachten die Sache selbst in Ordnung. Teuer wird die Kontrolle an der Triftbrücke jedoch für einen Georgier, der seine Ruhezeiten ganz und gar nicht eingehalten hatte. Er muss 420 Euro Bußgeld zahlen. Ingo Jirouscheks Bilanz am späten Nachmittag: „Nichts Spektakuläres. Aber man sieht, dass genügend kontrollwürdige Lkw herumfahren!“

Quelle: op-online.de

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