Preissturz in Waldacker

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Gelbe. orangene und rote Flächen stellen Wohn-, blaue Flächen Gewerbegebiete dar. Die Grenzen können fließend sein, manchmal ist eine Immobilie nur deshalb teuer, weil sie auf der anderen Straßenseite gebaut wurde. Und auch innerhalb der Gebiete kann es Ausreißer geben. 

Rödermark - (lö) Käufer können sich freuen, Verkäufer machen lange Gesichter: Bebaute Grundstücke in Rödermark sind in den vergangenen Jahren um bis zu 6,25 Prozent billiger geworden. 400 Euro pro Quadratmeter sind allenfalls noch in Spitzenlagen am Ortsrand zu erzielen.

Das geht aus den Bodenrichtwerten 2009 hervor, die Gutachter aus den Grundstücksgeschäften des Vorjahres errechnen. 2008 wechselten in Rödermark 170 Immobilien ihren Besitzer, 2007 waren‘s 163. Das, so Bauamtsleiter Richard Hampel, liege im langjährigen Mittel von 150 bis 180 Grundstücksgeschäften.

Ortsrand im Breidert

Die Zeit ganz großer Preisunterschiede ist vorbei, die Bodenrichtwerte schwanken zwischen 320 Euro in Messenhausen und 400 Euro im Breidert, entlang der Seligenstädter Straße und am südlichen Rand von Urberach. Hampel betont sowohl Käufern als Verkäufern gegenüber immer wieder, dass die Richtwerte keine amtlich festgelegten Fixpreise, sondern eine Verhandlungsgrundlage sind. Und die wird von vielen Faktoren beeinflusst: Zustand des Hauses, genaue Lage, Nachbarschaft, Grundstückszuschnitt, Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Erwartungen oft zu hoch

Die Bodenrichtwerte gaukeln Haus- und Grundstücksbesitzern zu hohe Preise vor, kritisiert Hans Neubauer-Lux. Der Makler und Bauträger verwies auf einen Bauplatz im Breidert, den ihm eine Frau zum Quadratmeterpreis von 370 Euro anbot. Bislang konnte Neubauer-Lux ihn nicht verkaufen. Und 400 Euro würde auch in der Seligenstädter Straße kein Bauträger bezahlen. Hohe Grundstückspreise hätten den Wohnungsbau in Rödermark fast zum Erliegen gebracht. Kunden argumentierten ihm gegenüber immer wieder mit günstigeren Immobilien in Schaafheim oder anderen Kommunen des vorderen Odenwalds, sagte der Makler. Stimmt der Preis, spielt der längere Weg zur Arbeit nach Frankfurt offenbar keine Rolle.

Interessant: Im Seewald-Gebiet - wegen diverser Wohnblocks nicht unbedingt Urberachs Top-Adresse - liegt der Richtwert von 375 Euro deutlich über dem des idyllischen Messenhausen (320 bis 340 Euro/Quadratmeter).
Einen „regelrechten Absturz“, so Hampel, hätten die Grundstückspreise in Waldacker erlebt. Dabei spiele keine Rolle, ob sie bebaut sind oder nicht. Mitte der neunziger Jahre wurden noch 1 200 Mark je Quadratmeter verlangt und bezahlt, dann gingen die Preise auf Sinkflug: über 400 plus x Euro auf nunmehr noch 330 Euro. Verantwortlich dafür sei der 2004 beschlossene Bebauungsplan, der die Ausnutzung der Grundstücke und die Größe der Häuser stärker beschränkt als anderswo im Stadtgebiet. Hampel: „Damit ist Waldacker für Investoren nicht mehr interessant!“ Zumal Grundstücksbesitzer immer noch auf die Spitzenwerte von vor 10 oder 15 Jahren spekulierten.

Urberachs Mitte

Trotzdem ist das Preisniveau in Rödermark nach wie vor vergleichsweise hoch. Der Trend geht zu immer kleineren Grundstücken von oft nur noch 140 oder 150 Quadratmeter für ein Reihenhaus. Hampel sieht diese Entwicklung mit einiger Sorge: Die Minigärten würden mit Hütten und Schuppen zugestopft, wuchtige Sichtschutzzäune sollen wenigstens ein Stück Privatsphäre garantieren. Optik und Wohnqualität solcher Baugebiete blieben auf der Strecke, Streit unter Nachbarn sei vorprogrammiert.

Hampel schlägt rödermarkweite Mindestgrößen vor, wie sie beispielsweise schon in Urberach gelten: 200 Quadratmeter für Reihen- und 400 Quadratmeter für Einfamilienhäuser. Das werte Baugebiete auf und könne letztendlich die Grundstückspreise stabilisieren.

Hier können Sie sich informieren:

Kontakt

Die Bodenrichtwerte liegen während des Frühjahrs vier Wochen lang im Rathaus Ober-Roden (Bauverwaltung) aus.

Auch außerhalb dieser Frist haben Bürger einen Anspruch auf Auskunft: entweder beim Amt für Bodenmanagement, Europaplatz 5, 64293 Darmstadt, Tel: 06151 5004-200), oder in der Tiergartenstraße 7 B, 64646 Heppenheim (Tel: 06252 127-275).

Quelle: op-online.de

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