Der Protest wird lauter

+
Der Flugplatz in Egelsbach.

Rödermark - Der Kampf David gegen Goliath ist uralt - in Rödermark gibt es derzeit eine der vielen Neuauflagen. Wie können sich die Einwohner gegen den drittreichsten Mann der Welt und den von ihm vorangetriebenen Ausbau des Flugplatzes Egelsbach wehren? Von Michael Löw

Hat ihr Widerstand gegen die Verlängerung der Landebahn und ein instrumentengestütztes Landesystem (ILS) überhaupt eine Chance? Diese Fragen beherrschten eine Podiumsdiskussion, die am Mittwochabend gut 100 Skeptiker in den Bücherturm gelockt hatte. Ihre Sorge: Ein modernisierter Flugplatz zieht mehr Verkehr an; im Umland wächst der Krach und sinkt die Wohnqualität. .

Eingeladen hatte die vor einem Jahr gegründete „Rödermärker Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge“ (RBgT), die bislang eher auf den leisen Dialog mit den Luftaufsichtsbehörden gesetzt hatte. „Doch Luftfahrt-Bundesamt und Deutsche Flugsicherung (DFS) sind Schiedsrichter in eigener Sache“, zweifelt Rainer Hoffmann von der RBgT mittlerweile an deren Objektivität.

Der amerikanische Multimilliardär Warren Buffett und seine Firma NetJets wollen den Verkehrslandeplatz Egelsbach zu einem Drehkreuz für Geschäftsflüge machen, erläuterten die RBgT-Sprecher. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag habe das Unternehmen schon mit der Lufthansa geschlossen. Dann gebe es auf dem Flughafen Frankfurt mehr Raum für Linien- oder Charterflüge.

Jan Bärwalde von der Pressestelle der Lufthansa bestätigte diesen Vertrag gegenüber unserer Zeitung, stellte aber klar: „Es handelt sich um einzelne Flüge für exklusive Privatreisende, die in der Regel über Frankfurt und nur in Ausnahmen über Egelsbach abgewickelt werden.“

Alle fünf Minuten ein Düsenjet über Rödermark?

Der Ausbau steigert den Lärm am Himmel über den südlichen Teilen von Ober-Roden und Urberach immens. Momentan fliegen täglich etwa ein Dutzend Düsenjets mit einem Gewicht zwischen 4,5 und 20 Tonnen in höchstens 200 Metern Höhe über die Häuser. Nach dem Ausbau, so das Szenario der Initiative, „donnert alle fünf Minuten ein Düsenjet über Rödermark hinweg“.

Im Jahr 2000 steuerten gerade einmal 91 dieser Maschinen Egelsbach über Rödermark an. Nach einer ersten Verlängerung der Start- und Landebahn 2004 waren es schon 2005 schon 544 und voriges Jahr 1092 Düsenjets. Sie fliegen nach Sicht und müssen daher über bebautem Gebiet eine Mindesthöhe von 1000 Fuß, gut 300 Meter, einhalten - theoretisch. Bei 1000 Fuß beginnt aber auch der geschützte Luftraum für den Frankfurter Flughafen. Hoffmann: „Eigentlich ist für diese Flugzeuge also kein Platz!“

Die 300 Meter werden zudem ab Normalnull gerechnet. Da der Urberacher Eichenbühl aber 170 Meter über dem Meeresspiegel liegt, beträgt die tatsächliche Überflughöhe nur 130 Meter. Nach Ansicht der RBgT müssten die Düsenjets einen Schwenk um Rödermark machen. Eine Alternativroute sei der Wald zwischen Rödermark und Eppertshausen. Dagegen sperre sich die DFS: Die Maschinen müssten vor der Landebahn noch einen Bogen fliegen, und das sei technisch nicht möglich.

Unterstützung von der Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft Egelsbach

Die Initiativensprecher Rainer Hoffmann und Alexander Görlich werfen der DFS vor, über Rödermark mit Hinweis auf diesen vermeintlichen Fakt gegen geltendes Luftfahrtsrecht zu verstoßen. Hoffmann: „Das ist als würde die Straßenbehörde in Rödermark rechts vor links aufheben und stattdessen links vor rechts einführen!“

Bei Anhörungen im Regierungspräsidium und in der DSF bekamen Bürgermeister Roland Kern (AL), Bauamtsleiter Thomas Kron und die RBgT-Vertreter trotz etlicher Klagen aus der Bevölkerung immer wieder zu hören, Rödermark sei vom „Fluglärm nicht betroffen“. Dennoch setzt die Initiative weiter auf Gespräche mit dem RP und hofft auf eine Vollmitgliedschaft der Stadt in der Fluglärmkommission.

Das Vertrauen in die Darmstädter Behörde ist bei vielen Rödermärkern aber dahin. Eine Zuhörerin forderte am Mittwochabend, Druck bei Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) zu machen. Schließlich lassen auch Warren Buffett seine Beziehungen in die Landesregierung spielen.

„Wollen wir nicht lieber die juristische Keule auspacken, statt weiter mit dem Wollfaden zu wedeln?“ verlangte ein Mann aus der Darmstädter mehr Härte. Doch das Risiko einer pauschalen Klage gegen den Ausbau ist Rainer Hoffmann zu hoch. Unterstützung erhielt er von Vertretern der Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft Egelsbach. Klagen machen nur gegen einzelne Bestandteile eines Planfeststellungsverfahrens Sinn. Doch das sei eine überaus komplizierte Sache, weil zuvor ein exakt festgelegtes Ein- und Widerspruchsverfahren eingehalten werden muss.

Michael Gensert, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament und selbst Rechtsanwalt, schlug deshalb vor, dass Stadt und/oder RBgT sich umgehend den Rat spezialisierter Juristen suchen. Sonst hätten sie das Nachsehen gegen einen Konzern wie Warren Buffetts NetJets.

Quelle: op-online.de

Kommentare