Drei Menschen in großer Gefahr

Prozess um Gasunglück in der Dockendorffstraße

Ober-Roden - Dem Weinen ihrer Tochter hat eine Mutter vermutlich das Leben zu verdanken. Die Frau lag 2016 bewusstlos in ihrer Wohnung, weil aus einer defekten Heizung giftiges Gas ausströmte.Ein Nachbar hatte das Kind gehört und die Feuerwehr alarmiert. Jetzt wird der Fall vor Gericht aufgerollt.

Ein Heizungsbaumeister steht am 8.  August vorm Amtsgericht Langen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Körperverletzung vor: Eine von ihm falsch montierte Heizung ist nach Ansicht der Anklage Schuld, dass drei Menschen teils schwere Kohlenmonoxid-Vergiftungen erlitten. Eine Mutter und ihre Tochter hatten das geruchlose Gas über längere Zeit eingeatmet. Die Frau war in der Wohnung in der Dockendorffstraße bewusstlos zusammengebrochen. Das Weinen des Kindes rief einen Nachbarn auf den Plan, der die Feuerwehr alarmierte. Die rettete Mutter und Kind gerade noch rechtzeitig. Alle drei Bewohner wurden in eine Wiesbadener Spezialklinik gebracht, wo sie in einer Druckkammer behandelt wurden.

Der Heizungsbaumeister mit 20-jähriger Berufserfahrung hatte im Herbst 2016 den Kamin eines Mehrfamilienhauses nach außen verlegt. „Handwerklich unqualifiziert“, sagt die Staatsanwaltschaft und erläutert den Vorwurf: Der Mann habe die Abgasleitung zwischen Heizgerät und Schornstein nicht mit dem vorgeschriebenen Gefälle von 5 Prozent, sondern nur mit 3,75 Prozent installiert. Das habe die sichere Entwässerung der Leitung verhindert.

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Außerdem soll er vorschriftswidrig die Abgase durch das Kellerfenster in den Innenhof statt über das Dach abgeführt haben. Dadurch seien die Abgase in den Heizungskeller zurückgeströmt und hätten eine Art Kurzschluss im Brenner ausgelöst. Dabei entstand laut Staatsanwaltschaft hochgiftiges Kohlenmonoxid und strömte in die Küche im ersten Obergeschoss.

Die Feuerwehr Ober-Roden hatte dort in der Unglücksnacht eine Kohlenmonoxid-Konzentration von 1 000 ppm (parts per million) gemessen. Als ungefährlich gilt ein Wert von 35 ppm. Atmen Menschen hoch konzentriertes Kohlenmonoxid ein, wird ihnen zunächst schwindlig und übel, nach zwei Stunden werden sie ohnmächtig. Kommt keine Hilfe, sterben sie nach weiteren zwei bis drei Stunden. (lö)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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