Freundin jahrelang misshandelt

Urberach/Dieburg - Über Jahre hinweg soll ein Automechaniker seine Lebensgefährtin misshandelt haben. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Von Michael Löw

So wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, er habe die Frau zwischen 2001 und 2008 unter anderem in Urberach mit kochendem Wasser verbrüht, ihr Hundekot in den Mund gestopft, sie mit der Faust und einem Kleiderbügel ins Gesicht geschlagen, mit einem Tisch und anderen Gegenständen verprügelt und sie beleidigt. Zuletzt, so die Anklage, drohte er, sie und ihren Sohn zu erschießen.

Seit gestern steht der mittlerweile 41-Jährige in Dieburg vor dem Amtsgericht, das ihn schon 2009 zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt hatte, weil er sich an einer 13-Jährigen verging. Das Strafmaß für Körperverletzung und Bedrohung schwankt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Richter Dr. Gerd Oefner und seine beiden Schöffen müssen bei der Suche nach der Wahrheit ein verhängnisvolles Beziehungsgeflecht entwirren. Einerseits untermauern Atteste, Röntgenbilder und kopierte E-Mails oder Facebook-Einträge die Aussagen des Opfers (heute 42). Andererseits blieb die Frau sowohl dem Gericht als auch Staatsanwalt Thomas Jakobi und Verteidiger Klaus Kaczmaryk eine wichtige Antwort schuldig. Warum, so die wiederholte Frage, ist sie nicht einfach ausgezogen oder hat die Polizei gerufen? Die Erklärung, dass sie sich selbst hasste und deshalb jahrelang schwieg, war allen Prozessebeteiligten zu dünn.

Und auch der mutmaßliche Täter, der die Vorwürfe teils abwiegelte und teils bestritt, musste sich die Frage gefallen lassen, warum er die Beziehung mit den angeblich trinkenden, launischen und manipulierenden Frau nicht beendet hat, bevor die Sache eskalierte. Playstation und Computerspiele hätten ihm als Rückzugsmöglichkeit in mehreren verwahrlosten Wohnungen voller Hunde und Katzen genügt.

„Turbulente Beziehung“

Der Angeklagte und sein Opfer kennen sich seit ihrer Schulzeit, im Herbst 2000 mieteten sie in der Schillerstraße die erste gemeinsame Wohnung. Im August 2001 hat"s in der „sehr turbulenten Beziehung“ (Angeklagter) erstmals richtig gekracht. Von Schlägen mit einem Kleiderbügel will der Mann jedoch nichts wissen. Er habe seine Freundin „schon mal geschüttelt, wenn sie Wein getrunken hatte und ausfallend wurde“.

Den Hundekot habe er ihr nicht in den Mund gestopft, sondern vom Boden der total verdreckten Wohnung - das Paar lebte da in Babenhausen - aufgehoben und nach ihr geworfen. Zufällig traf er sie im Gesicht. Ähnlich spielte sich laut seiner Aussage der Vorfall mit dem heißen Wasser ab. Er habe welches aus der Leitung gezapft und den „Topf rückwärts geschnickt“. Das Paar stritt sich über einen zu lauten Fernseher.

„Es hat aus dem Topf nur noch gedampft. Ich hatte Angst, dass er mir das Gesicht verbrüht“, bekräftigte die Frau gestern, was sie schon der Polizei gegenüber ausgesagt hatte. Sie verkroch sich unter eine Decke, „nur“ der rechte Fuß bekam die heiße Brühe ab. Sie flüchtete in eine benachbarte Kneipe und ließ sich dort von ihrem Vater abholen. Die Mutter verband die Brandblasen. Zu Ärzten oder ins Krankenhaus ging die Misshandelte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Der Mann sei immer dabei gewesen und habe ihr vorgeschrieben, was sie als Ursache diverser Brüche anzugeben hatte.

Der Polizei vertraute die Frau sich erst im März 2009 an. Mit den Worten „Du musst dir keine Gedanken ums Älterwerden machen!“ habe er gedroht, sie und ihren Sohn zu erschießen. „Da habe ich ihn angezeigt. Denn jetzt war es mir egal, ob er mich umbringt!“

Der Prozess wird am 17. April fortgesetzt. Das Gericht hat auch Kinder der Frau geladen, die ihrer Mutter bei den Angriffen beigestanden haben sollen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Michael Grabscheit/pixelio.de

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