Nach über 14 Jahren: Prozess um 12 Schüsse auf einen Türsteher

Ober-Roden/Darmstadt - Mehr als 14 Jahre nach den Schüssen auf einen Türsteher des „Paramount Park“ soll ein neuer Prozess Licht in eine reichlich dunkle Angelegenheit bringen. Ein heute 35-Jähriger steht ab 17. Mai wegen versuchten Mordes vorm Landgericht Darmstadt. Von Michael Löw

Die 11. Strafkammer muss in einem langwierigen Verfahren klären, ob und mit welcher Waffe der Angeklagte geschossen hat. Allein im Mai hat das Gericht fünf Verhandlungstage angesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten, der seit gut einem Jahr in U-Haft sitzt, vor, am 22. Dezember 1996 zusammen mit zwei Komplizen auf den Sicherheitsmann der Edeldisco geschossen zu haben. Der war nach Dienstschluss morgens um 8.45 Uhr in sein Auto gestiegen. Plötzlich soll der Angeklagte vor der Motorhaube gestanden und mit einer Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter acht Mal auf den ahnungslosen Türsteher gefeuert haben. Ein Komplize schoss vier Mal durch die Beifahrertür. Ihr Opfer überlebte schwer verletzt mit mehreren Kugeln im Körper.

Schlägerei als Tatmotiv vermutet

Laut Staatsanwalt war Rache das Motiv. Der Disco-Türsteher war in der Vergangenheit schon mehrfach mit Angeklagten und seinem Bruder aneinandergeraten. Den Bruder eines weiteren Schützen soll er im November 1996 bei einer Schlägerei erheblich verletzt haben.

Die Schießerei auf dem Disco-Parkplatz hatte das Darmstädter Gericht schon im April 1999 beschäftigt. Zwei Männer wurden wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes zu 13 beziehungsweise 10 Jahren Haft verurteilt. Der mutmaßliche Haupttäter ging in die Revision, das Landgericht Kassel reduzierte im August 2006 seine Strafe auf achteinhalb Jahre: Angeblich hatte nicht er, sondern der Mann geschossen, der jetzt in Darmstadt vor Gericht steht.

Die 11. Strafkammer hat eine ganze Reihe von Zeugen geladen, darunter auch die beiden früher Verurteilten und Polizisten. Mehrere Gutachter sollen Stellungnahmen abgeben. Wahrscheinlich droht ein langer Indizienprozess, denn die Gedächtnislücken in der Türsteher-Szene sind legendär.

Die Sicherheitsleute des „Paramount Park“ waren aber nicht nur als Opfer in die Schlagzeilen geraten. Immer wieder hatten Gäste über Übergriffe geklagt oder Türsteher wegen Körperverletzung angezeigt.

Quelle: op-online.de

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