Putzkolonne für Gotteslohn

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Sechs Gruppen mit durchschnittlich sechs ehrenamtlichen Helfern kümmern sich regelmäßig im Wechsel um die Sauberkeit der Nazariuskirche. Das Foto zeigt die Gruppe 4.

Ober-Roden ‐ „Seit die Nazariuskirche 1991 nach der Renovierung neu eröffnet wurde, putzen wir sie selbst!“ Klaus Wolf, Organisator der ehrenamtlichen Putzdienste im großen Rodgau-Dom, ist stolz darauf, dass die Pfarrei keinen kommerziellen Putzdienst mehr in Anspruch nehmen muss und damit viel Geld spart. Von Christine Ziesecke

Bisher wurde außer in den Sommermonaten, wo weniger Schmutz anfällt, jede Woche geputzt. Nach zahlreichen Ausfällen soll das jetzt aufs ganze Jahr übertragen werden.

Allein drei der fleißigen Helfer sind im letzten Jahr gestorben, darunter auch Barbara Mieth, die mit 95 Jahren beim Kirchenputz immer noch ihre feste Funktion hatte. Viele Helfer in den sechs Putzgruppen sind von Anfang an dabei – „und entsprechend sind wir jetzt halt alle 20 Jahre älter“. Wie viele ehrenamtlichen Gruppen leidet der Putzdienst in St. Nazarius an Überalterung. In der Gruppe 4 etwa, in der Klaus Wolf, Karola Gotta, Lydia Koser, Ruth Röhrig sowie Philipp und Loni Hitzel den Staubwedel und mehr schwingen, sind alle im Rentenalter.

Jeder hat beim Putzen seinen festen Platz

Über den Kirchenchor konnten sieben „neue“ Frauen geworben werden – „aber die möchten gerne zusammen putzen, dabei müssten wir sie auf die Gruppen aufteilen, damit es für alle leichter wird“, weiß Klaus Wolf um die kleinen Probleme am Rande. Jeder hat beim Putzen seinen festen Platz und sein oft jahrelanges Aufgabengebiet, da ist nicht viel Absprache nötig. Jeder geht automatisch in die Sakristei, holt sich die dort und im Kirchenkeller eingelagerten Putzmittel und heißes Wasser und legt los.

Loni Hitzel etwa konzentriert sich immer auf den Altarraum. Lydia Koser schenkt ihre besondere Aufmerksamkeit den Weihwasserbecken und dem hinteren Teil mit den großen Glasfronten: „Ich kann ja das geweihte Nass nicht einfach wegschütten, um das Becken zu wienern – aber der Herr Pfarrer hat gesagt, den Blumen tut es gut“, beruhigt sich die besorgte Putzfee.

„Unsere Kirche ist ausgesprochen gut zu putzen, außer den häufigen Wachsresten, die vor allem auf den Polstern nur schwer zu entfernen sind“, berichten die emsigen Helfer. Selbst wenn sie ein Bügeleisen zum Ausbügeln mitbrächten, fänden sie so schnell keine Steckdose in der großen Kirche – also bleibt Kreativität gefragt.

Jeden der Gruppe trifft es fünfmal im Jahr

Den meisten Staub, der sich auf Bänke und Altäre legt, wirbelt die Fußbodenheizung auf. Einen Großputz etwa der gesamten Lampen gibt’s meist rund um Ostern, „aber wenn wir etwas sehen, putzen wir es zwischenrein“ - so etwa jetzt, wenn nach Mariä Lichtmess am 2. Februar Christbaum und Krippe aus der Kirche geräumt werden. Sondereinsätze gibt’s immer mal wieder, schon wegen der Frauen: „Die könnten ja nicht schlafen, wenn’s nicht sauber wäre, auch wenn’s manchmal nicht nötig scheint“, schmunzelt Klaus Wolf.

Noch sind die Namenslisten der sechs Putzgruppen recht gut bestückt, doch Klaus Wolf hofft dringend auf frisches Blut. „Es ist wirklich nicht viel Arbeit“, sagt er, „wenn wir jetzt nur zweiwöchig putzen, trifft es jeden von uns fünfmal im Jahr; und nach eineinhalb bis zwei Stunden sind wir immer fertig.“

Einmal im Jahr sind alle fleißigen Putzhelfer zu einem Dankeschön-Nachmittag ins Pfarrheim eingeladen. Dann gibt’s ein kleines Geschenk und ein „Vergelt’s Gott!“ von Pfarrer Elmar Jung. Der Geistliche berichtet ihnen auch, wie hoch das Mainzer Bistum die viele ehrenamtliche Arbeit der Nazariusgemeinde bewertet. Der Einsatz schlägt sich in niedrigeren Umlagen positiv nieder.

Quelle: op-online.de

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