Qualität auf Filmstreifen

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Wenn Vorführer Daniel Köhler mal ausnahmsweise in Urlaub ist und entspannt, springt Bruder Rainer ein und spult die üblicherweise sechs Rollen auf die beiden großen Spulen, sorgt für den pünktlichen Start und den rechten Ton und schaltet auch im entscheidenden Moment von Hand von der ersten auf die zweite Spule um.

Urberach - (chz) Der „Film des Monats“ im Urberacher Kino ist eine feine Filmreihe, die sich wacker gegen die Übermacht des Kommerz-Kinos behauptet. Manche Streifen sind so erfolgreich, dass zu den üblichen zwei Aufführungen eine weitere kommt. Wie zuletzt bei „Willkommen bei den Sch'tis“.

Von Familie Köhler und der Stadt Rödermark gemeinsam ins Programm aufgenommen im Jahr 2000, pendelte sich die Zusammenarbeit beim „Film des Monats“ rasch darauf ein, dass Chefin Monika Köhler ihn aussucht und die Stadt die Werbung übernimmt. Für die üblichen sechs Euro auf jedem der 163 Plätze gibt es Filme, die künstlerischen Anspruch haben oder die es wert sind, noch einmal dem Publikum gezeigt zu werden.

Nächster Film des Monats:

Heute, Dienstag, 5. Mai, und Dienstag, 12. Mai, jeweils 20 Uhr: „Im Winter ein Jahr“, ein Film der Oscar-Preisträgerin Caroline Link mit Corinna Harfouche. Das Drama dauert 128 Minuten und ist freigegeben ab zwölf Jahren. 

Derselbe Preis für jeden Platz sorgt dafür, dass schon eine Dreiviertelstunde vor dem Start die ersten Grüppchen vor den Neuen Lichtspielen auf die Öffnung warten. Wer zuerst kommt, sucht sich den schönsten Platz.

Das Publikum kommt aus dem ganzen Umland - sogar aus Darmstadt und Frankfurt. Auch an den anderen Kinotagen ist das Urberacher Kino beliebt. Monika Köhler ist stolz darauf, schließlich hat sie keine festen Verträge, sondern sucht in langen Nachtschichten alle Filme selbst aus. „So kann ich spielen, was ich will.“

Bei Köhlers im Familienbetrieb, in dem auch Sohn Rainer aushilft, wenn Daniel Urlaub hat, flimmern jeden Samstag und Sonntag mindestens vier Filme über die Leinwand, jeweils zwei für Kinder oder Jugendliche und für Erwachsene, und je nach aktuellen Filmen auch mehrere Vorführungen an den anderen Tagen - außer montags.

Vom Opa hat Monika Köhler das Kino-Machen gelernt. Ihre Eltern hatten das Kino schon kurz nach 1945 aufgebaut. „Seit ich drei bin, bin ich dabei, mit acht oder neun habe ich dann angefangen zu helfen.“ Seit 1990, nach dem Tod ihrer Mutter, hat sie es ganz übernommen.

Kontakt:

Neue Lichtspiele Urberach, Ober-Rodener Straße 42, 06074/50663.

Alle Programmhinweise:

http://www.neue-lichtspiele.de

Täglich sitzt sie an der Kasse, verkauft neben Eintrittskarten auch Cola, Popcorn (wenn auch fertig abgepacktes), Schokolade oder Kinogutscheine und nimmt Reservierungen entgegen. Bei jeder ersten Vorstellung sitzt sie mit drin; im Gespräch mit den Besuchern beim Verabschieden bekommt sie das Feedback, das sie braucht - so etwa, dass die Filme des Monats oft von Menschen besucht werden, die durchschnittliche Streifen nicht attraktiv finden. Auch die nächsten Filme des Monats lassen jetzt schon aufhorchen, so etwa Dustin Hofmann und Emma Thompson in „Liebe auf den 2. Blick“, „Der Junge im gestreiften Pyjama“ - ein Streifen über ein jüdisches Schicksal, der erst herauskommt, und mit „Ob ihr wollt oder nicht“ eine ganz normale außergewöhnliche Familiengeschichte.

Quelle: op-online.de

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