Familie, Stadteinwicklung, Flüchtlinge

Quartett der Bürgermeisterkandidaten beantwortet Fragen

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Rödermark - Spucken die Bürgermeisterkandidaten einander in die Suppe? Oder beweisen sie am Topf Gemeinsam - wie diese Karikatur von Thorsten Kettermann vermuten lässt? Das Quartett beantwortet Fragen unserer Zeitung.

Am 3. Februar kommt’s ab 18 Uhr im „Dinjerhof“ zum Kochduell. Die Besucher dürfen dann den besten Koch unter den Bürgermeistern in spe küren. Vorher verraten Carsten Helfmann, Roland Kern, Samuel Diekmann und Tobias Kruger ihre Rezepte für Rödermarks Zukunft. Heute beantworten sie Fragen zu Familie, Stadtentwicklung und Flüchtlingen, nächste Woche sind unter anderem die Themen Finanzen und Ortskerne an der Reihe.

Was wollen Sie tun, damit Rödermark für Familien attraktiv(er) wird oder bleibt?

Carsten Helfmann (CDU): Die gute Wohn- und Erholungsqualität muss erhalten bleiben. Die hohe Qualität in unseren Kitas soll durch den Ausbau des Vertretungspools noch verbessert werden. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit bedarfsorientierten Betreuungszeiten sowie Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wird Rödermark noch familienfreundlicher. Das breitgefächerte Kultur-, Sport- und Sozialangebot muss weiterhin gestärkt werden und durch Reduzierung der Hallennutzungsgebühren die Vereine finanziell unterstützt werden. Mit der Neuansiedlung von Firmen werden zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Roland Kern (AL/Grüne): In der Kinderbetreuung nehmen wir kreisweit einen Spitzenplatz ein, und zwar mit absolut verträglicher Kostenbeteiligung der Eltern. Alle 2 Jahre erheben wir den konkreten Bedarf (...) und passen unsere Angebote an, beispielsweise mit Zukaufsstunden am Nachmittag oder der Umwandlung von Halbtags- in Ganztagsplätze. Wir bauen einen neuen Kindergarten im Baugebiet an der Rodau und planen die Anmietung zusätzlicher Räume in der Odenwaldstraße. Für die Grundschulkinder bauen wir in Urberach (...) eine Mensa, obwohl wir noch unter dem Schutzschirm stehen und uns der Kreis (...) keinen Cent dafür gibt!

Samuel Diekmann (SPD): Zur Familie gehören nicht nur Eltern und kleine Kinder, sondern auch Jugendliche und Senioren (...). Deswegen ist die Antwort ein Blumenstrauß und fängt mit Baugebieten für junge Familien und bezahlbarem Wohnraum für alle an. Meine langfristigen Ziele sind Gebührenfreiheit in der Kita (Mittelfristig wenigstens eine Entlastung unterer Einkommen), Orte und Angebote für Jugendliche, schnelles Internet, Belebung und Öffnung der Quartiersarbeit für jung und alt (...), weitere Verlegung der Rodau in ihren natürlichen Lauf und die Nutzung eines Abschnittes davon zur Errichtung eines Stadtparkes sowie der Ausbau der Barrierefreiheit.

Tobias Kruger (FDP): Durch die Schaffung, Ausbau und Sicherung von wohnortnahen Arbeitsplätzen möchte ich eine deutliche Steigerung der Lebensqualität für Familien erreichen. Dazu möchte ich das bestehende, gute Angebot in der Kinderbetreuung (...) bedarfsgerecht ausbauen. Eine verlässliche Förderung von Vereinen und Ehrenamt garantiert und verbessert das kulturelle, soziale und sportliche Miteinander. Steuer- und Gebührenerhöhungen (...) sind mit allen Möglichkeiten abzuwenden. Sehr wichtig ist mir, dass gerade für Familien das Thema Sicherheit eine ganz wesentliche Rolle spielt: vom Schulweg bis zur Einbruchsprävention (...)

Skizzieren Sie doch bitte Ihre wichtigsten Ideen zur Stadtentwicklung.

Carsten Helfmann (CDU): Bei der Erstellung des Rödermarkplans soll eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung in Abstimmung mit allen Rödermärkern erfolgen. Die Ergebnisse des Stadtleitbildprozesses sowie die Arbeit der Quartiersgruppen müssen in die Beratungen mit einfließen. Durch den Bau einer Querspange von der Kapellenstraße zur Messenhäuser Straße würde es zu einer deutlichen Verkehrsreduzierung im Kreuzungsbereich Rodaustraße kommen. Über diese neue Straße würde der Lkw-Verkehr direkt ins Gewerbegebiet geleitet werden und durch eine Verlängerung könnte das Baugebiet „An den Rennwiesen“ zusätzlich erschlossen werden.

Roland Kern (AL/Grüne): Ich habe eine Lenkungsgruppe für die Erarbeitung des Rödermarkplans eingerichtet. Richtschnur sollten dabei nicht die Unbekannten sein, die vielleicht einmal nach Rödermark kommen (wollen), sondern die Bürgerinnen und Bürger, die hier weiter in sauberer und natürlicher Umgebung leben und arbeiten wollen. In meiner Amtszeit sind jährlich Wohnungen für mindestens 100 Einwohner entstanden und in den letzten 6 Jahren jährlich 100 zusätzliche Arbeitsplätze, ohne gravierende Einschnitte in Natur und Landschaft vornehmen zu müssen. So sollte es weiter gehen!

Samuel Diekmann (SPD): Ich habe in den vergangenen Monaten viele Ideen (...) eingebracht, dabei ist es klar, dass meine Ideen mit (...) Erkenntnisse aus unserem gemeinsamen Rödermarkplan zusammenfließen müssen und dieser Prozess offen durch Bürgerbeteiligung gestaltet ist. Zu meinen Ideen: Neuer Wohnraum durch neues Bauland: 1/3 davon für bezahlbaren, 2/3 für höherwertigen Wohnraum. Dabei sollten wir kleine Flächen zu einer größeren Fläche tauschen. Bei Flächen unter drei Hektar legt die Stadt bei der Erschließung drauf, nur größere Flächen rechnen sich und geben uns auch Spielraum für Grünflächen, Fuß- und Fahrradwege (...) 

Tobias Kruger (FDP): Nachdem hoffentlich (...) mit dem Breitbandausbau flächendeckend über 50 Mbit/s erreicht werden, ist es mein Ziel, vermehrt Unternehmen aus digitalen Dienstleistungen und e-Commerce anzusiedeln. (...) Rödermark braucht unstrittig Flächen für Wohnen und Gewerbe. Hierbei gilt es, nicht wahllos Flächen zuzubetonieren, sondern ein Konzept für eine (...) verträgliche Gebietsentwicklung aufzustellen. Neben bezahlbarem Wohnraum muss ein gesunder Mix aus Flächen für junge Familien und Häuslebauer entwickelt werden. Zur Stadtentwicklung gehört für mich auch ein Sicherheitskonzept und vor allem eine ständige Polizeipräsenz.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Thema Flüchtlinge: Reicht das bisherige Integrationsangebot von Kreis, Stadt und Ehrenamtlichen aus?

Carsten Helfmann (CDU): Alle ehrenamtliche Kräfte und die Beschäftigen der Stadt haben in diesem Bereich eine tolle Arbeit geleistet. Durch die Anmietung von 50 Wohnungen wurden kleine Einheiten geschaffen, die sich gut für eine Integration eignen. Die Vernetzung der handelnden Personen und Vereine könnte mit der Verwaltung etwas optimiert werden. Der nächste Schritt, nach der Anerkennung der Menschen, sind die Integrations- sowie Deutschkurse und Vermittlung von Praktika und später Arbeitsplätzen. Hier muss es eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Gewerbeverein, Unternehmerforum und ehrenamtlich Tätigen geben.

Roland Kern (AL/Grüne): Man kann natürlich immer mehr verlangen. Aber ich bin mit der derzeitigen Situation zufrieden. Mit 357 Flüchtlingen in fünf Gemeinschaftsunterkünften und 38 (!) privat angemieteten Wohnungen betreuen wir im Moment 65 mehr, als wir eigentlich hätten aufnehmen müssen. Weitere Zuweisungen in nennenswertem Umfang sind eher nicht zu erwarten. Die Kosten für Unterbringung und Betreuung wurden uns erstattet. Ein Hauptthema wird natürlich sein, für die anerkannten Flüchtlinge Wohnung und Arbeit zu finden. Hierbei wirken aber die ansässigen Unternehmen und Gewerbetriebe - auch im wohlverstandenen eigenen Interesse - sehr hilfreich mit.

Samuel Diekmann (SPD): Die Stadt hat mit vielen Ehrenamtlichen Großartiges geleistet. Vor allem die dezentrale Unterbringung durch (...) Wohnungen von Vermietern hat vieles entspannt. (...) Was ich nach wie vor bemängele, ist unsere finanzielle Ausrüstung. In fast keinem Bundesland gibt es derart viele Aufgaben, die das Land auf die Kommunen abwälzt wie in Hessen! Das muss endlich ein Ende haben und da hilft auch kein Rettungsschirm, da muss eine langfristige Entlastung (...) her. Ich bringe es einmal auf den Punkt: Dass die Flüchtlingsherausforderung nicht zur Flüchtlingskrise in Rödermark wurde, haben wir dem Ehrenamt zu verdanken! Aber auch hier sind Kapazitäten begrenzt! Und dafür brauchen wir Kommunen mehr Geld.

Tobias Kruger (FDP): Hier muss insbesondere von Kreis, Land Hessen und Bund sehr viel mehr unternommen werden - vor allem finanziell (...). Die ehrenamtlichen Helfer müssen so unbürokratisch wie möglich unterstützt werden, denn ohne deren unermüdliche Hilfe wäre das bisher Erreichte niemals so zu schaffen gewesen. Speziell der Kreis hat in der Flüchtlingsfrage keine gute Figur, (...) sondern sich einen schlanken Fuß gemacht. Die Kommunen brauchen für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive mehr Unterstützung: (...) für Deutsch- und Integrationskurse, die Unterbringung und für den gerade erst anlaufenden Familiennachzug. Ebenso erwarte ich von den übergeordneten Behörden eine strukturierte Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht oder -status.

Quelle: op-online.de

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