Rätsel der Grenzsteine im Breidert

Alter Schutt aus Messenhausen

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Karlheinz Weber hatte den Grenzstein im Winter gefunden, Norbert Cobabus löste jetzt sein Rätsel.

Ober-Roden - Norbert Cobabus vom Heimat- und Geschichtsverein hat das Geheimnis des Grenzsteins vom „Braaret-Bernsche“ enträtselt. Karlheinz Weber hatte den verwitterten Sandstein und zwei weitere Markierungen Anfang des Jahres entdeckt und versucht, ihre Bedeutung zu ergründen.

Dank Cobabus" Hilfe hat er"s geschafft - und eine überraschende Erkenntnis gewonnen. Doch davon später.

Zwei der drei Steine markieren in der Tat die Grenze der „Röder Mark“, zu der seit dem achten Jahrhundert die Dörfer Urberach, Ober- und Nieder-Roden, Dudenhofen, Jügesheim, Hainhausen, Dietzenbach und Messenhausen gehörten. Vor ziemlich genau 710 Jahren, am 13. April 1303, legten die Herren von Hanau und die Grafen von Eppstein in einem Vertrag fest, wer den Wald nutzen darf, welche Abgaben zu zahlen sind und wo Gericht über die „Märker“ - so hießen die Dorfbewohner - gehalten wird. Und wo immer Abgaben im Spiel sind, müssen klare Verhältnisse - sprich: eine exakte Grenze - her.

An bestimmten Stellen des Grenzverlaufs

„Dazu wurden Grenz- oder wie sie auch hießen Marksteine gesetzt“, erläutert Historiker Cobabus. Dies geschah aber nur an bestimmten Stellen des Grenzverlaufs: nämlich nur dort, wo Fuß- oder Karrenwege in eine Gemarkung hinein- oder von dort hinausliefen. Der Grenzstein am „Braaret-Bernsche“ steht neben dem früher von Ober-Roden nach Babenhausen führenden Weg.

Die aus Buntsandstein gehauenen Markierungen steckten etwa zu einem Drittel im Boden und hatten im sichtbaren Teil einen Buchstaben eingraviert, der der Anfangsbuchstabe des nächstgelegenen Dorfes war. Für Ober-Roden, damals noch „Obirn-Roda“ oder „Obrinrothaha“ geschrieben, stand also ein kreisrundes O, für Messenhausen ein M, für Dietzenbach ein D. Auch in den östlich des Breidert gefundenen Grenzstein ist ein O eingraviert.

„Wir sind Breidert“

Stein Nummer drei, den der rührige „Wir sind Breidert“-Initiator Weber aufstöberte, ist jedoch mit einem M gekennzeichnet. Wie aber kommt der in den Wald zwischen Ober-Roden und Eppertshausen?

Norbert Cobabus fand heraus, dass nicht nur der Buchstabe nicht ins Bild passt: Dieser Stein ist auch kürzer als die beiden übrigen. Daraus folgert der Historiker, dass der zerbrochene Stein 1303 bei Messenhausen aufgestellt und Jahrhunderte später bei Wegarbeiten ausgebuddelt wurde. Als illegal entsorgter Bauschutt der angeblich so guten, alten Zeit wurde er einfach im Ober-Röder Wald abgekippt.

Quelle: op-online.de

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