Rathaus ist fest in Narrenhand

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Fantasievolle Kostüme waren im Zug und am Wegesrand zu sehen - wie hier die kleinen Froschkönige der Kita Potsdamer Straße.

Ober-Roden ‐ „Lasst uns mit ajjärm Kram in Ruh - mir gäwe nix, die Dier bleit zu!“ Es mochte ja der feste Wille der weltlichen Obrigkeit sein, was da in dicken Lettern am Fastnachtssamstag am Rathaus prangte. Von Christine Ziesecke

Allein, es hielt nicht lange vor. Eine Zeitlang trutzten die überwiegend aus Orwischern zusammengesetzten Ratsherren und -damen im ersten Stock, allen voran Bürgermeister Roland Kern, Stadtverordnetenvorsteherin Maria Becht und Erster Stadtrat Alexander Sturm den immer vielstimmigeren Gesängen und den Forderungen des närrischen Volkes nach Übergabe der Stadtkasse, vorgetragen von TS-Damenpräsidentin Tina Köhl.

Doch Tausende von Menschen uff der Gass‘ machten‘s möglich, gemäß dem Spruch „Wir sind das Volk“: Der erste Mann in der Stadt wankte und ergab sich: „Oje, hier unne uff de Strooß, die Übermacht is gar zu groß! Un außerdem is Mittagszeit, da is zum Kämpfe kaans bereit!“ Die Tür und auch die Kasse öffneten sich und die prinzliche Hofgarde schleppte den weltlichen Herrscher, in Ketten gelegt, vor das närrische Prinzenpaar, das fastnächtliche Gnade vor Recht ergehen ließ und gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Volk auf der Bühne tanzte.

Eine fast unübersehbare Menschenmenge rund um den Rathausplatz verfolgte das Geschehen, wie sie zuvor auch den 34 Gruppen starken närrischen Zug begleitet hatte. Startend am TS-Sportplatz und mehrfach an der Bahnschranke gestoppt, hatten die Musikvereine und der Musikzug der TGO den närrischen Gaudiwurm mit Fanfaren begleitet. Mit dabei waren zahlreiche Vereine, so etwa der Schützenverein Diana, die TS Ober-Roden mit Damen- und Herrenelfern, die Freunde der Nacht als vergnügliche Anti-Straßen-Strich-Initiative oder der KSV Urberach mit Kinderprinzenpaar und Garde. Kolpingsjugend und Kerbverein, Jugendfeuerwehr oder private Gruppen wie die Struwwelköpp, der RCO, die „UGOs“ oder die „Menschen vor Ort MvO“ zogen in aufwändigen und fantasievollen Motivgruppen mit.

Alle fünf Ober-Röder Kindertagesstätten begleiteten den Zug mit wunderschönen, meist märchenhaften Motiven. Besonders üppig beteiligte sich die Kita Potsdamer Straße, in der die Ober-Röder Prinzessin als Erzieherin arbeitet. Als prinzliche Kita stellte sie das halbe Märchenbuch in lebenden Bildern dar. Die Verbundenheit des Prinzenpaars mit zahlreichen Vereinen war im Zug deutlich spürbar. Allein der Musikverein Viktoria 08 mit all seinen Abteilungen war mit weit über 100 Teilnehmern dabei, von den jüngsten Musikern bis zu „Endlisch Musigg“.

Auch die TG hatte sich groß in Schale geschmissen - etwa mit einem froschreichen Motivwagen der „Alten Herren“, die sich durch die prinzliche Verbundenheit als Prinzenschmiede sehen: „Jeder siebente Frosch ein Prinz!“ Die Karnevalsfrauen liefen als Störche voraus. Die TG-Hofdamen wie immer in großer Robe und hübsch anzusehen wie auch die TG-Prinzengarde waren die Vorläufer für das Kinderprinzenpaar Philipp und Svenja, das mit seinem kleinen Hofstaat im eigenen Wagen kutschiert wurde.

Dem TG-Elferrat hoch vom grün-weißen Wagen und der Prinzlichen Hofgarde ohne Pferd, sondern zu Fuß folgte schließlich der Prinzenwagen zum „Knochen“ hin, wo es bis zum Aschermittwoch die Herrschaft über das Rathaus übernahm.

Quelle: op-online.de

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