Ordnungsamt und Polizei durchsuchten „Vereinsheim“ in Schillerstraße.

War Raucherclub eine Spielhölle?

Urberach (lö) ‐ 14 Geräte für verbotenes Glücksspiel, mehr als ein halbes Dutzend Computer und drei kleine Safes stellte das Ordnungsamt gestern Nachmittag im Vereinsheim eines Raucherclubs in der Schillerstraße sicher.

Dieses so genannte Vereinsheim ist nach Ansicht der städtischen Ordnungsbehörde eine illegale Spielhalle mit zweifelhafter Kundschaft, die sie seit fast einem Jahr im Auge hat. Ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Langen war juristische Grundlage der Razzia, zu der Ordnungspolizei, Schutzpolizei und Handwerker kurz nach 15 Uhr anrückten.

Es bestehe ein Anfangsverdacht wegen Straftaten wie verbotenem Glücksspiel und Steuerhinterziehung, erläuterten Ordnungsamtsleiter Manfred Pauschert und sein Stellvertreter Stephan Brockmann auf Anfrage. Dazu kommen mehrere schwerwiegende Ordnungswidrigkeitsverfahren: So hätten die sicher gestellten Computer keine Schutzsoftware gegen Pornos, exzessive Gewalt oder rechtsextremistische Inhalte.

Der Raucherclub war als Verein deklariert, der Betreiber war zugleich Vereinsvorsitzender. Zutritt hatten - so sagt es zumindest ein Zettel über der Tür - lediglich Mitglieder über 18 Jahren. Hinein kam nur, wer sich am Fingerscanner neben dem kameraüberwachten Eingang identifizieren konnte. „Das war ein in sich abgeschotteter Mikrokosmos“, sagte ein Uniformierter, der nicht genannt werden wollte.

Polizei und Ordnungsamt nahmen an, dass drinnen nicht nur gepafft und gedaddelt wurde, hatten aber keine Möglichkeit zu Routinekontrollen. „Trotz Klopfen und Klingeln wurde uns nicht geöffnet“, schilderte Pauschert die Schwierigkeiten, das Geschehen im Club einmal genau zu beobachten. Mehrere Anhörungstermine der Behörden ließ der Betreiber einfach verstreichen.

In jüngster Zeit häuften sich im Ordnungsamt die Klagen von „Mitgliedern“, die sich über den Tisch gezogen fühlten. Ein Mann will innerhalb von zwei Jahren dort mehr als 18 000 Euro verzockt haben. Nach Gesprächen mit Polizei und Staatsanwaltschaft beantragte das Ordnungsamt beim Gericht einen Durchsuchungsbeschluss als Präventivmaßnahme.

Im dem Gebäude in der Schillerstraße befand sich früher ein kleiner Supermarkt, in dem sich die Bewohner des Seewald-Gebiets versorgten. Als dieser mangels Rentabilität aufgeben musste, zog vor mehr als drei Jahren ein Internetcafé mit Gastrobetrieb und Spielautomaten ein.

Quelle: op-online.de

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