Freche Abzocke mit Telefonsex

Rechnung für Erotikdienst verunsichert Rentner

Rödermark - Dreiste Abzocke wegen vermeintlichem Telefonsex: Auch Rödermärker „Kunden“ flattern Rechnungen aus Tschechien ins Haus. Von Michael Löw 

Oskar Berneburg traute seinen Augen nicht. Der Rentner aus Messenhausen sollte 90 Euro bezahlen, weil von seinem Telefonanschluss angeblich ein Erotikdienst in Anspruch genommen wurde. Die Anbieter aus Prag listeten akkurat Datum (24. Oktober) und Zeit (13:55:02 Uhr) auf und boten gleich eine diskrete Möglichkeit an, die peinliche Sache aus der Welt zu schaffen: Die 90 Euro bar und per Einschreiben an ein Postfach in der tschechischen Hauptstadt schicken. Nun ist Oskar Berneburg keiner, der sich von so einem Brief ins Bockshorn jagen lässt. „Ich werde mich hüten zu bezahlen“, sagte er und informierte die Polizei in Dietzenbach.

Die Masche ist der Verbraucherzentrale Hessen bekannt. „Sie beschäftigt uns seit Jahren“, erklärte Pressesprecherin Ute Bitter und rät: auf keinen Fall zahlen, der Zahlungsaufforderung widersprechen und sich nicht von Mahnungen und Inkassoschreiben verunsichern lassen. In der Vergangenheit haben die Verbraucherzentralen vor Firmen mit ständig wechselnden Phantasienamen gewarnt. Verschickt wurden Rechnungen in Höhe von 75 bis 90 Euro. Gleich 135 Euro wollte Anfang 2017 ein Inkasso-Unternehmen aus dem tschechischen Králuv Dvur überwiesen bekommen. Die Idee mit der Barbezahlung ist relativ neu.

Wer nicht zahlt, wird mit Mahnungen traktiert. Behauptung immer: Vom Telefonanschluss der Betroffenen sei durch Anwahl bestimmter Festnetznummern eine Telefonsexdienstleistung in Anspruch genommen worden. Nicht wenige Verbraucher werden aus Angst oder Scham die vermeintliche Forderung beglichen haben, befürchtet Ute Bitter. Selbst wenn sich nur zwei oder drei von 100 Angeschriebenen einschüchtern lassen, hat sich die Abzocke rentiert. Eine Verpflichtung, zu zahlen, besteht nach Aussage der Verbraucherzentrale nur, wenn tatsächlich eine kostenpflichtige Leistung bestellt oder vereinbart war. Die Firma muss nachweisen, dass ein rechtsgültiger Vertrag über den geforderten Preis abgeschlossen wurde.

Abgezockt: Die schlimmsten Fälle der Verbraucherzentrale

Grundsätzlich reagieren sollten Verbraucher, wenn ihnen ein gerichtlicher Mahnbescheid zugestellt wird. Gegen diesen kann innerhalb von zwei Wochen Widerspruch eingelegt werden. Der von einem Anbieter behauptete Zahlungsanspruch wird dann in einem gerichtlichen Verfahren geklärt. Den Verbraucherzentralen ist allerdings bislang noch kein Fall bekannt geworden, in dem die „Unternehmen“ einmal ihre Drohung wahr gemacht und die angeblichen „Schulden“ per Mahnbescheid oder Klage gerichtlich durchgesetzt hätten.

Rechnungen wegen Telefonsex oder anderen erotischen Dienstleistungen werden meist tausendfach verschickt, sagte Andrea Ackermann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südosthessen gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Wer sie verschickt, begehe einen sogenannten Offertenbetrug. Das Fachkommissariat rät, die Polizei zumindest zu informieren, wenn eine solche Rechnung im Briefkasten liegt. Bei Häufungen könne sie dann entsprechend reagieren.

Quelle: op-online.de

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