Regional verwurzelt

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Kaffee aus aller Herren Länder gab‘s an einem Stand - und die passenden Maschinen konnten sich die Messegäste ein paar Meter weiter ansehen. Mehr als 50 Aussteller hatte Organisations-Chef Peter Müller als Teilnehmer gewonnen.

Urberach - (lö) Die vielfach beklagte Überalterung unserer Gesellschaft bietet dem traditionellen Einzelhandel zahlreiche Chancen: Diese These vertrat Landrat Peter Walter am Samstag bei der Eröffnung der 25. „Uhiga“.

Kunden jenseits der 70, so seine Theorie, seien nicht unbedingt erpicht darauf, ihre Einkäufe auf der viel beschworenen grünen Wiese zu erledigen. Sie schätzten vielmehr Nähe und Service der Fachgeschäfte im Ort, machte Walter den gut 50 Ausstellern Mut in unsicherer Zeit.

Mehr als 50 Aussteller sind bei der Neuauflage der „Uhiga“ mit von der Partie.

Manfred Rädlein, seit März Vorsitzender des Gewerbevereins, lobte bei seiner ersten Eröffnungsrede die Uhiga als ein gutes Stück „Wirtschaftsförderung aus eigener Kraft“. Rödermärker Firmen werben für Rödermark: Das sei eine zentrale Botschaft der Urberacher Handels-, Industrie- und Gewerbeausstellung. Besonders freute sich Rädlein, dass Messe-Chef Peter Müller es geschafft hatte, trotz Konjunkturkrise und Sorgen um den privaten Konsum einen attraktiven Branchen-Mix gefunden hatte.

Die Gewerbeschau in Bildern

25. „Uhiga“-Gewerbeausstellung in Rödermark eröffnet

Gastredner der Jubiläumsschau war Robert Glaab, der Chef der gleichnamigen Seligenstädter Privatbrauerei. Er brach - sein Publikum wird‘s gerne gehört haben - eine Lanze für Familienunternehmen und bedauerte, dass eine Handvoll Konzerne 60 Prozent des Biermarktes in Deutschland beherrschten - Tendenz steigend.

Wir mittelständischen Familienunternehmen stehen für Wertekontinuität“, sagte Glaab, der die Brauerei in neunter Generation führt. Familie, Qualität, Regionalität - das seien die Attribute, die unmittelbar mit den Mittelstand verquickt seien. Die Glaabsbräu beispielsweise habe mit sieben Bauern aus der Umgebung langfristige Lieferverträge für ihre Braugerste abgeschlossen.

„Wir sind noch lange nicht durch die Krise durch.“

Diese Verantwortung für die Region, aber auch für Kunden und Mitarbeiter wird in der Öffentlichkeit oft zu wenig gewürdigt, bedauerte Glaab. Auch er habe schon erfahren müssen, dass er als Inhaber eines Familienbetriebs über einen Kamm mit angestellten Bankmanagern, die mit Milliardenbeträgen jonglieren, geschoren wird.

Wir sind noch lange nicht durch die Krise durch“, warnte er vor verfrühten Hoffnungen. Er befürchtet mehr Arbeitslose und als Folge weniger Geld für Konsum. Subventionen oder milliardenschwere Rettungspakete wie für Opel sind seiner Ansicht nach das falsche Mittel, um Arbeitsplätze zu retten: „Ich will als Unternehmer vom Staat kein Geld, sondern gute politische Rahmenbedingungen.“

Bundestagsabgeordnete Lips und Kolb zu Gast

An die Politiker im Foyer der Halle Urberach - allen voran die Bundestagsabgeordneten Patricia Lips (CDU) und Dr. Heinrich Kolb (FDP) - gewandt, lehnte er Subventionen für Bio-Sprit ab. Für Glaab ist es ein Unding, Rohstoffe für Lebensmittel zu verbrennen.

Den Bogen von der Seligenstädter Brauerei zur Urberacher Ausstellung spannte Bürgermeister Roland Kern. Beide bewiesen, dass „das Bodenständige nachhaltig und zukunftsträchtig ist“.

Vorm obligaten Rundgang der Prominenz aus Wirtschaft, Vereinen und Politik verlieh Kern Peter Müller angesichts seiner Verdienste für die Messe den Ehrentitel „Mister Uhiga“.

Rädlein kündigte am Rand der Eröffnungsfeier an, dass die 26. Uhiga im Jahre 2011 in neuem Gewand erscheinen soll. Was der Gewerbeverein an seinem Urberacher Aushängeschild ändern will, wollte er so früh aber noch nicht sagen.

Quelle: op-online.de

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