Reisealtar zu Gast in den Gemeinden

Geschichte der Bibel in Bildern

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„So einen Altar stellt man sich nicht zuhause ins Wohnzimmer – darum reise ich mit ihm herum und zeige ihn den Menschen!“ Der norddeutsche Pastor Klaus Warning ist mit seiner eigenen Kopie des großen Originals von Sieger Köder derzeit in Rödermark unterwegs.

Ober-Roden - Ein Altar des Künstlers Sieger Köder erzählt die biblische Geschichte in einzigartigen Bildern. Sie erinnern an Chagall. In Rödermark ist das Kunstwerk zu sehen.

Der Reisealtar steht derzeit – direkt nach der ökumenischen Aktion „Rödermark liest die Bibel“ im Mittelpunkt des Interesses glaubens- wie kunstinteressierter Rödermärker. Der Flügelaltar „Wort Gottes“ wird den Menschen anschaulich und höchst lebendig vom Pastor im Ruhestand Klaus Warning erläutert; zuletzt beim Seniorennachmittag der Gemeinde.

Der Altar ist einfach schön, wenn er so dasteht – geschlossen wie offen in seiner doppelten Tiefe mit zweimal aufklappbaren Flügeln. Er erinnert in seinen Farben an Chagall. Er hat farbenfrohe, ganz modern anmutende Elemente und Symbole, die auf den ersten Blick zwar nicht zwingend verständlich sind, aber viel erahnen lassen. Und er macht Lust auf mehr.

Ein mehrflügeliger Altar

Spannend wird es, wenn der norddeutsche Pastor im Ruhestand Klaus Warning über „seinen“ Altar berichtet. Seit 50 Jahren mit dem Künstler Sieger Köder befreundet, hatte er diesen gebeten, sich doch für eine weiße Wand in Warnings früherer Kirche St. Heinrich in Kiel etwas auszudenken. Köder nahm den Auftrag an, doch der Denkprozess dauerte zehn Jahre. Dann war – schrittweise – ein mehrflügeliger Altar mit neun Bildern erschaffen, der unter dem Thema „Wort Gottes“ steht. Doch wer jetzt pausbackige Trompetenengel, Heiligenscheine und strampelnde Jesuskinder erwartet, ist vielleicht verwirrt. Die gesamte Geschichte, vom Alten Testament über das Neue Testament anfangs gegenüber gestellt, dann später aufgelöst, findet sich hier in teils gegenständlicher, teils ganz versteckt angedeuteter Bildhaftigkeit wieder. Dunkelhäutige Menschen neben Hellhäutigen, das Elend der Welt durchaus gegenständlich, alles, was nicht rational erklärbar ist, aber wohl versteckt in Symbolik. So etwa die wohl einmalige Darstellung des Jesus als Fötus, der bei der Verkündung an Maria aus Gottes Händen in ihren Schoß gleitet, wo er aber gleich weitergegeben wird – der Welt zum Heil und nicht als Besitz Mariens.

Solche und ähnliche Bilder, auf den Altarflügeln zu Haus zu entdecken, verleiten zu einer echten Entdeckungsreise auf Sieger Köders Altar. Schon die Predella, der Fuß des Altars, birgt in seiner Blumenpracht von der Christrose über die dornenbesetzte Rose bis hin zur Pfingstrose die ganze biblische Geschichte. Der Altar entstand für die Kieler Kirche, zweieinhalb Meter auf zweieinhalb Meter. Als Klaus Warning die Gemeinde verließ, bekam er eine handliche Klein-Ausgabe als Abschiedsgeschenk. Und da „man sich die ja nicht so ins Wohnzimmer stellt“, zieht er damit durch die Lande und erklärt ihn. Und das mit wahrem Feuereifer. Zwei Stunden vergehen dabei im Nu. Es besteht noch zweimal die Möglichkeit, diesen Altar zu erleben: heute, Samstag, um 17.30 Uhr im Gottesdienst in St. Nazarius und am morgigen Sonntag im Gottesdienst in St. Gallus.

chz

Quelle: op-online.de

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