Koalition und AL / SPD streiten weiter über zentrale Punkte des Umbaus der B 459.

Reizthemen Busse und Fahrräder

Waldacker - (lö) CDU und FDP wollen den Umbau der Ortsdurchfahrt Waldacker auf jeden Fall am 9. Juni im Stadtparlament beschließen. Nach mehr als zwei Jahren Diskussion seien die Argumente ausgetauscht, sagte der Vorsitzende des Bauausschusses, Tobias Kruger (CDU), nun müsse die Politik eine Entscheidung treffen. Zumal die Stadt ihren Zuschussantrag bis Ende September beim Land einreichen muss.

Der AL-Fraktionsvorsitzende Stefan Gerl wollte dagegen bis zur Juli-Sitzung warten. Er regte unter anderem an, auf der B 459 zwei Wochen lang probehalber einen Bus-Cap einzurichten.

Diese Haltestellen mitten auf der Fahrbahn sind von Anfang an heftig umstritten. Kruger und der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans Gensert nannten sie einen „Bremsklotz“, der die neue Ampelschaltung an der Kreisquerverbindung konterkariere. Nach Ansicht des SPD-Stadtverordneten Jochen Zeller könnten sie aber helfen, „Waffengleichheit zwischen Öffentlichem Personennahverkehr und Auto“ herzustellen. Einig waren sich Koalition und Rot-Grün immerhin in einem: Die Haltestellen sollen rollstuhl- und kinderwagengerecht umgebaut werden.

Der Koalition reichen die beiden bestehenden Busstopps aus, die Wiedereröffnung der Haltestelle Waldacker/Nord sei überflüssig. Gensert verwies auf eine Statistik der KVG, wonach täglich ohnehin nur 28 Menschen mit dem Bus nach Waldacker fahren. Gerl untermauerte seine Forderung nach Haltestelle Nummer drei mit ganz anderen Zahlen, nämlich 123 Fahrgästen am Tag. Unklar blieb die Basis beider Erhebungen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer wollte sich nicht an Zahlenspielereien beteiligen und riet der Koalition, „über den Tellerrand von Waldacker hinauszuschauen“: Der ÖPNV werde in den kommenden Jahrzehnten zunehmen, und mit dem Umbau der B 459 würden Fakten für mindestens 40 Jahre geschaffen.

Kompromissbereitschaft signalisierte die AL bei den Radwegen. Der Magistrat soll Alternativen zu einem Zwei-Richtungs-Radweg an der B 459 entwickeln. Gerl könnte sich Varianten vorstellen, die nicht direkt an der Hauptstraße, sondern abseits davon verlaufen. Doch egal, wie Radler letztlich durch Waldacker geführt werden: Der Umbau der B 459 müsse dem Vorrang des Autos - fahrend (16 000 in 24 Stunden) wie parkend (rund 140) - ein Ende bereiten.

Die große Lösung, die das Planungsbüro VKT im März 2007 vorgeschlagen hatte, ist vom Tisch. Eine Bürgerinitiative hatte rund 1 400 Unterschriften dagegen gesammelt. Was übrig bleibt, trägt mittlerweile den Arbeitstitel „Sanierung des Ist-Zustands“. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) erneuert die Fahrbahn. Die Stadt finanziert den Umbau der Bushaltestellen, einen Fußgängerüberweg in Höhe der Talstraße, den Fußweg auf beiden Seiten der Fahrbahn und ein Baumtor als optische Bremse an der Süd-Einfahrt.

Trotz teils gravierender Meinungsunterschiede diskutierte der Bauausschuss überaus sachlich über die technischen Details. Schärfe kam indes noch einmal auf, nachdem FDP-Mann Gensert Bürgermeister Roland Kern vorgeworfen hatten, in einer E-Mail an bestimmte Interessensgruppen zumindest indirekt für die Umbaupläne der AL geworben zu haben. Kern verteidigte dieses Vorgehen: Er habe Informationen beispielsweise an den Ausländerbeirat oder Schulelternbeiräte weitergeleitet, die bislang noch nicht an der Diskussion beteiligt gewesen seien. Was die Koalition nach zwei Jahren mit unzähligen öffentlichen Sitzungen allerdings arg wunderte.

Quelle: op-online.de

Kommentare