Werner Popp gibt Führung nach 26 Jahren in jüngere Hände

Rödermark: Rekordhalter an der KSV-Spitze

In der Vitrine funkeln die „Sterne des Sports“, in der Hand hält Werner Popp die Sportplakette des Bundespräsidenten: Der KSV Urberach hat in seiner 26-jährigen Amtszeit etliche Auszeichnungen in Sachen Breitensport gewonnen.
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Rödermark: In der Vitrine funkeln die „Sterne des Sports“, in der Hand hält Werner Popp die Sportplakette des Bundespräsidenten: Der KSV Urberach hat in seiner 26-jährigen Amtszeit etliche Auszeichnungen in Sachen Breitensport gewonnen.

Eigentlich sollte spätestens zur Silberhochzeit Schluss sein, doch am Ende wurden’s 26 Jahre: Nach so langer Zeit gibt Werner Popp den Vorsitz des KSV Urberach in Rödermark ab. Angekündigt hatte er den Rückzug lange genug, verschoben mindestens zweimal. Doch bei der Hauptversammlung nächsten Freitag kandidiert er tatsächlich nicht noch einmal. Die Nachfolge ist geregelt, versichert der 72-Jährige. Wer tritt in seine Fußstapfen? Das sollen die KSV-Mitglieder nicht aus der Zeitung erfahren.

Rödermark - Eines lässt sich Werner Popp dann doch entlocken: „Die Suche war sehr schwer. Denn jeder, den ich fragte, der wusste: Ich lasse den Verein nicht hängen!“ Diese Erfahrung macht wohl jeder altgediente Vorstand, der die Verantwortung weitergeben möchte.

Werner Popp übernahm den Vorsitz des ältesten Urberacher Sportvereins 1995 von Kurt Schickedanz. Seine Heimat ist die Schwimmabteilung, in die er eingetreten ist, weil sein Sohn Sebastian im Becken erfolgreich war und sogar Hessenmeisterschaften gewonnen hat. Weil der Vater ohnehin fast jedes Wochenende mit zu Wettkämpfen fuhr, machte er halt die Kampfrichterlizenz. Ein Vorstandsamt in der Abteilung gab’s obendrauf.

Der KSV hat in Popps 26-jähriger Amtszeit viele Breitensport-Auszeichnungen gewonnen, darunter die Plakette des Bundespräsidenten. „Wir können keine Olympia-Teilnehmer, ja nicht einmal Bundesligasportler vorweisen“, umschreibt er die Bodenhaftung. Kinderturnen zum Beispiel genoss im KSV schon immer einen höheren Stellenwert als die Leistungsriege, auf die der MTV Urberach lange stolz war.

Jede Menge Aufmerksamkeit hat Popp seinem Verein trotzdem gesichert. Man denke nur an den Orwischer Rosenmontagszug, der er 1996 wiederbelebte und durch manchen Februarsturm steuerte. Zudem hat er das Sportangebot Schritt für Schritt ausgebaut: Jazz- und Moderndance, Zumba, Wassergymnastik, Rückenkurse. Dem ersten Teil seines Namens wird der Kultur- und Sportverein nicht nur durch Karneval und Gesang gerecht, sondern seit 2004 auch durch die Trommler von „Spirit of Music“. Die wechselten von Dietzenbach nach Urberach.

Seit der Gründung des KSV im Jahre 1888 war Werner Popp der am längsten amtierende Vorsitzende – fast dreimal so lange wie KSV-Urgestein Heinz Jakobi. Der führte den Verein nur acht Jahre, von 1976 bis 1984.

Werner Popp war buchstäblich jederzeit für seinen Verein da. Typisch für ihn: Bevor er zehnmal fragte, ob jemand diese oder jene Briefe austrägt, erledigte er das selbst. Sogar nachts ließ ihn der KSV nicht los. Als im Winter 2020 ein Sturm Teile des Daches von der Turnhalle riss, war er schneller als die Feuerwehr zur Stelle.

26 Jahre Nummer eins zu sein, bringt nicht nur Freude. Werner Popp bedauert, dass die Fusion mit dem MTV zunächst gescheitert ist. Das Finanzamt verlangte 300 000 Euro Grunderwerbssteuer. Dabei hätte jeder der beiden Vereine lediglich den Schlüssel für die Hallen des anderen Partners bekommen. Richtig geschmerzt hat den Ex-Schwimmer der Streit der Wassersportler: Aus der Schwimmsportgemeinschaft von KSV und MTV scherte 2013 der Verein für Fitness und Schwimmsport (VFS) aus. Das kostete allein den KSV fast 300 Mitglieder, klagt Popp.

Jammern ist indes nicht sein Ding. „Wenn ich sehe, dass wir trotz aller Schwierigkeiten gemeinsam den Verein am Leben erhalten, macht es mir Mut für die Zukunft“, geht Werner Popp guter Dinge in seine letzten Tage als KSV-Vorsitzender. (Michael Löw)

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