Rektorin beendet erstes Schuljahr

Chefin von fast 500 „Mitarbeitern“

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Knapp ein Jahr nach ihrem Dienstantritt erhielt Andrea Schöps ihre Ernennungsurkunde als Leiterin der Schule an den Linden. Eine vierte Klasse, die sie derzeit unterrichtet, gratulierte musikalisch. 

Urberach - Für 440 Urberacher Kinder sowie ihre 38 Lehrerinnen und Lehrer geht in gut zwei Wochen das Schuljahr zu Ende. Ihr erstes Schuljahr hat dann auch Andrea Schöps hinter sich. Sie hatte Mitte August 2017 die Leitung der Schule an den Linden übernommen. Von Michael Löw 

Der nach Fußball-Bundestrainer – davon gibt’s bekanntlich 82 Millionen – schwerste Job in Deutschland ist Grundschullehrerin oder -lehrer. 2,8 Millionen Eltern beäugen oft kritisch und gelegentlich anmaßend, was im Klassenzimmer geschieht. Noch stärker als das normale pädagogische Personal stehen Rektoren und Rektorinnen im Fokus der Aufmerksamkeit.
Andrea Schöps ist seit vorigem Sommer Leiterin der Schule an den Linden. Ihr Berufsleben im Schnelldurchgang: 34 Jahre Schuldienst, 16 Jahre davon an der Trinkbornschule in Ober-Roden, zuletzt stellvertretende Leiterin. Mitte 50, fand sie, war’s Zeit für eine neue Herausforderung. Sie ist jetzt Chefin von 31 Lehrerinnen und sieben Lehrern, die fast 440 Kinder unterrichten.

Andrea Schöps wechselte einen Ortsteil weiter – an eine Schule, die sich personell und inhaltlich im Umbruch befindet. Ihre Vorgängerin Ruth Anderson, die im Mai 2015 Rektor Thomas Pohl abgelöst hatte, steuerte die Urberacher Grundschule wieder in ein ruhiges Fahrwasser. Gleichzeitig wurde die Betreuung neu organisiert. Statt des Fördervereins ist jetzt die Stadt zuständig, und eine Mensa gibt’s jetzt auch.

Andrea Schöps fand eine gute Basis für ihre Arbeit vor, um die Schule an den Linden auf dem Weg zur Ganztagsschule weiter voranzubringen. „Schule und Betreuung müssen weiter zusammenwachsen, noch gibt es zu viele Stolpersteine“, fordert sie Arbeit auf Augenhöhe. Probleme hätten Lehrer und Betreuungspersonal bisher getrennt löst. Kinder sind den Betreuern gegenüber oft offener als Lehrer, die Noten verteilen.

„Liebevoll und konsequent“ – so beschreibt Andrea Schöps ihren Führungsstil, Kinder und ihre Bedürfnisse stehen an erster Stelle. Deshalb müsse sich der Unterricht durch neue Methoden und andere Einstellungen dem Lernen gegenüber ändern. Wissen dürfe nicht mehr eingetrichtert werden.

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Ganz wichtig ist Andrea Schöps auch die Inklusion, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern. Ihr Schlüsselerlebnis war 2014 an der Trinkbornschule die Begegnung mit einem Jungen, der im Rollstuhl saß. Das hat sie sehr berührt, weil aus theoretischem Wissen Unterrichtsalltag wurde.

Derzeit besuchen sechs Inklusionskinder die Schule an den Linden. Die Spanne ihrer Behinderung reicht von schweren körperlichen Handicaps bis hin zu sozial-emotionalen oder geistigen Beeinträchtigungen. Andrea Schöps hat immer zwei dieser Kinder in eine Klasse verteilt. Das bringt mehr Förderstunden als das Aufteilen in zwei Klassen.

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Vielleicht ist das auch der Grund, warum Inklusion in Urberach geräusch- und reibungslos über die Bühne geht. Klagen vom Kaliber „Alle Anstrengungen konzentrieren sich auf das Inklusionskind, der große Rest kommt zu kurz!“ sind Andrea Schöps noch nicht zu Ohren gekommen. Der Tenor laute vielmehr „Bereicherung für alle“. Einem Mädchen mit Downsyndrom würden die Klassenkameraden ganz selbstverständlich beim Essen helfen.

Das Engagement der Eltern ist in vergangenen Schuljahr wieder gestiegen. Ein Beispiel war die Projektwoche Ende Mai. So was freut die Rektorin. Was sie gelegentlich stört, formuliert sie durch die Blume: „Eltern müssen uns vertrauen und uns was zutrauen!“. Das kennt Joachim Löw von seinen 82 Millionen Mit-Bundestrainern.

Trotz gelegentlicher Querschüsse von der Seitenlinie lautet Andrea Schöps‘ Fazit nach 34 Dienstjahren: „Lehrerin war immer mein Traumberuf. Und ich habe es nie bereut!“

Quelle: op-online.de

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