Richard Hampel kennt in Rödermark jedes Grundstück

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Richard Hampel sagt selten, dass Herr X in der Y-Straße wohnt. Meist nimmt er einen Zeigestock und deutet direkt auf das Haus des Betroffenen. Auf der Luftaufnahme findet Hampel in Sekundenschnelle jede Adresse.

Rödermark ‐ Richard Hampel, der langjährige Leiter des Bauamtes der Stadt Rödermark, geht zum 1. Oktober in den Ruhestand. 37 Jahre lang hat er die Entwicklung von Ober-Roden und Urberach maßgeblich mitgestaltet. Von Michael Löw

Der Mann, „der jedes Grundstück beim Namen kennt“ (O-Ton Bürgermeister Roland Kern), geht in Pension. Bauamtsleiter Richard Hampel (63) hat nach 37 Jahren in städtischen Diensten heute seinen letzten Arbeitstag. „Jeder Bebauungsplan hat seine Geschichte und spiegelt die Art und Weise wieder, wie Menschen leben wollen“, lautet eine Erkenntnis aus seinem Berufsleben. Was im Klartext heißt: Hampel will die Beton-Phantasien der sechziger und siebziger Jahre ebenso wenig verdammen wie die im Moment so modischen Anleihen aus der Historie glorifizieren.

Richard Hampel wechselte am 1. August 1973 vom Katasteramt in Dieburg zur Bauverwaltung der 8 857-Seelen-Gemeinde Urberach. Die sollte - so sahen es jedenfalls Visionen des Umlandverbandes vor - auf fast 70 000 Einwohner wachsen, die in zehn- bis zwölfgeschossigen Häusern leben. Die in den sechziger Jahren entfachte Wachstumseuphorie kannte anscheinend keine Grenzen.

Zum Glück kam alles ein paar Nummern kleiner

Der gravierendste Einschnitt in der jüngeren Entwicklung von Urberach war das Ende von Telenorma im März 1995. Politik und Verwaltung mussten eine sechseinhalb Hektar große Industriebrache gegen manchen Widerstand neu beplanen, am Ende machte das Verwaltungsgericht den Weg frei fürs Märktezentrum. Hampel spricht von einer „städtebaulichen Wunde“ und lässt offen, ob er das verwaiste Werksgelände oder die neue Nutzung meint.

Die Auseinandersetzungen um den Rödermarkring sorgten dafür, dass dem Leiter des Bauamtes auch in Ober-Roden nie langweilig wurde. Mit politischer Rückendeckung von Hampel heutigem Chef, dem früheren AL-Fraktionsvorsitzenden Roland Kern, prozessierte Franz Jäger jahrelang gegen die Stadt. Wenig Positives kann Richard Hampel der Entwicklung in Waldacker abgewinnen. „Das erste Reihenhaus war der Untergang“, stellt er im Nachhinein fest.

Doch nicht nur Pläne, sondern auch Bauwerke tragen Hampels Handschrift. Halle Urberach, Kulturhalle, Bücherturm... Die Liste ließe sich fortsetzen.

Quelle: op-online.de

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